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Bombenhagel tötete 80 Menschen

Zeitzeugen erinnern sich.

Heute vor 66 Jahren hat ein Bombenabwurf im zweiten Weltkrieg große Teile von Oelsnitz zerstört. Die Schneise der Verwüstung zog sich vom Ritter­gut, die Untere Hauptstraß­e bis zum Windberg.

 VON CRISTINA ZEHRFELDbombenhagel2

 OELSNITZ - 14. Februar 1945, 12.43 Uhr: Der schwerste Bombenhagel hat begonnen, den Oelsnitz während des Zweiten Weltkrieges erlebt hat. Binnen weniger Minuten sind 80 Menschen gestorben. 350 Person­en sind obdachlos geworden.

Wolfgang Grimmer gehörte damals zu jenen, die ihre Bleibe verloren haben. Der heutige Vorsitzende des Fördervereins Bergbaumuseum hatte dennoch großes Glück. Er war damals elf Jahre alt, hatte mit seinen Eltern Schutz in der „Alten Brauerei" gesucht. Doch gerade dieser, bis dah­in als sicher geltende Luftschutzkeller wurde an diesem Tag von ein­er Sprengbombe voll getroffen. Von den etwa 1oo Personen, die in den Keller geflüchtet waren, wurd­en 30 getötet.bombenhagel3

Grimmer ist vor allem die Mädchenklasse einer Berufsschulklasse in Erinnerung: „Die Mädels haben noch gesungen und geschunkelt. So eingehakt hat man sie später gefund­en. Man war ja im Luftschutzbunk­er und fühlte sich sicher." Grimmer und seine Eltern waren nur wen­ige Meter entfernt, doch sie hatten Glück, blieben unverletzt. Die Kunde vom Volltreffer auf die Brauerei ging wie ein Lauffeuer durch die zer­störte Stadt. Und so kam Grimmers 21-jährige Schwester Irmgard wenig später völlig verstört nach Hause. Als Lehrling hat sie selbst den An­griff in der Sparkasse erlebt. Doch sie wusste, dass Eltern und Bruder in der Brauerei Schutz suchen.

Glück und Pech lagen an diesem Tag eng beieinander. So erinnert sich Wolfgang Mende, der den Tag als Zehnjähriger auf der Bahnhof­straße erlebt hat: „Es war schönes Wetter, sonnig. Wir waren im Gar­ten, haben die Flugzeugstaffeln be­obachtet." Immer wieder mal flogen Geschwader über Oelsnitz hinweg. Doch an diesem Tag war es anders. Als der Abwurf begann, stürzten die Menschen in den Keller. Doch die Bahnhofstraße blieb verschont. Als die Flieger abgedreht hatten, rannte Mende mit anderen Richtung Stadt. Das erste brennende Gebäude, was sie sahen, war die Apotheke an der Alten Staatsstraße. „Da wurde sofort eine Löschkette zum nächsten Brun­nen gebildet. Das waren vielleicht vierzig Leute - und ich war auch da­bei." Viel zu retten war bei der Apo­theke trotz der schnellen Hilfe nicht. Ein Volltreffer hatte das Ge­bäude zerstört, das angebaute Wohnhaus ist ausgebrannt. „Wir Kinder sind später in der Ruine her­umgeklettert", erinnert sich Mende.

Dieser Bombenabwurf ist der ein­zige über Oelsnitz geblieben. Doch von nun an ging in der Stadt die Angst um. „Damals hieß es, dass ganz Sachsen in Schutt und Asche gelegt werden soll", sagt Ortschro­nist Gunter Hübsch. Eine Befürch­tung, um die man vor allem vom Hörensagen weiß, die sich aber auch in privater Korrespondenz aus dem Jahr 1945 findet. Eine andere Ver­mutung ging davon aus, dass sich das Geschwader auf dem Rückflug eines Angriffs auf Dresden oder Chemnitz befand und ihre übrig ge­bliebene Ladung abgeworfen hat.


 Bild oben: Die Apotheke an der Alten Staatsstraße wurde von einem Volltreffer zer­stört. Auch eine sofort gebildete Löschkette konnte nicht mehr viel retten.

FOTO: ARCHIV STADT OELSNITZ

 Bild unten: Die Böhm-Schmiede (links) wurde von zwei Brandbomben getroffen. Im Hin­tergrund ist die inzwischen abgerissene katholische Kirche an der Alten Staatsstraße zu sehen.            FOTO: ARCHIV STADT OELSNITZ


 Aus dem Bericht des damaligen Bürgermeisters Fromm

 Abgeworfen wurden an jenem Tag 75 Sprengbomben. Dazu mehrere hundert Stabbrandbomben, einige Behälter mit nicht ausgelösten Stab­randbomben. Zudem drei Leuchtb­omben, die scheinbar als Zielmarki­erung dienten.

 Von 92 verschütteten Personen wurden nur zwölf lebend geborgen. Ausländer waren nicht unter den To­ten.

 24 Gebäude wurden völlig zerstört, 40 Häuser wurden schwer beschä­digt. Unter anderem wurden die Pumpstation, die Alte Brauerei und die Apotheke durch Volltreffer zer­stört. Ausgebrannt sind unter ande­rem die Gaststätten „Deutsches Herz" und das „Braune Roß"

 Sieben Löschzüge waren damals im Einsatz, darunter aus Stollberg, Lug­au, Niederwürschnitz und Neuwürsch­nitz.

 Fakten und Fotos zu diesem Ereignis finden sich im „Oelsnitzer Lexikon" Band 1, herausgegeben von der Stadt­ (czd)

Freie Presse 14.02.2011



 
 
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