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Das Leben des Adolf Hennecke

Ich bin Bergmann, wer ist mehr?adolf-hennecke1

Im voll besetzten Saal des Bergbaumuseums Oelsnitz stellte Hannelore Graff-Hennecke am Donnerstagabend die neue Biografie ihres Vaters Adolf Henne­cke vor. Sie will mit dem Buch der Wahrheit ein Stück näherkommen.

 VON GRIT STRIETZEL

 OELSNITZ - Der Buchtitel klingt im ersten Moment ein wenig überhebl­ich: „Ich bin Bergmann, wer ist mehr?" nennt Hannelore Graff-Hen­necke die neue Biografie über ihren Vater Adolf Hennecke, der am 13. Oktober 1948 in einer Sonder­schicht 24,4 Kubikmeter Steinkohle abbaute und damit eine Arbeits­norm von 387 Prozent schaffte. 36 Jahre nach seinem Tod schreibt die jüngste der drei Hennecke-Töchter über jenen Mann, der im Rückblick ein Normbrecher und Vorbild zu­gleich war, wie die Besucher-Reakti­onen im Bergbaumuseum Oelsnitz zeigten. Dort, wo Adolf Hennecke vor mehr als einem halben Jahrhun­dert zur Legende wurde - im Karl­-Liebknecht-Schacht, der heute Mu­seum ist - suchten 170 zumeist ehe­malige Bergleute eine Antwort auf die Frage: Wer war Adolf Hennecke?


„Er wusste nicht genau, worauf er sich einließ."

Hannelore Graff-Hennecke Autorin


 Hannelore Graff-Hennecke ist eine dynamische Frau. Man sieht ihr die 70 Jahre nicht an. Sie lächelt an die­sem Abend oft, schüttelt unermüd­lich Hände und freut sich sichtlich, ihr druckfrisches Buch als Premiere in Oelsnitz präsentieren zu können. „Er wusste nicht genau, worauf er sich einließ", sagt sie über ihren Va­ter, und es klingt fast wie eine Ent­schuldigung.

 Zwei Jahre nach der legendären Sonderschicht verließ der damals 45-jährige Hennecke Oelsnitz und wechselte ins Ministerium für Koh­le und Energie nach Berlin. Der Berg­mann kehrte seinem Revier den Rü­cken und wurde „Multifunktionär", beschreibt die Tochter heute. Dass der Weggang wohl auch durch den Hass initiiert wurde, der Hennecke nach der neuen Norm entgegen­schlug, bleibt in der 220-Seiten-Biografie eher eine Randnotiz.

 Darin liegt auch die Crux des Werkes. Es gibt viele Fakten, aber letztlich wenige tiefgründige Einbli­cke in das Familienleben. So druckt die Tochter zwar einen Brief mit Morddrohung ab, wie der Vater dar­auf reagierte, wird aber nicht er­wähnt. Auch die Tatsache, dass man Henneckes Auto anzündete und die Fensterscheiben seines Hauses ein­schlug, bleiben nur Fakten - ohne fesselnden Einblick in die Gefühls­welt der Familie. „Die Sonderschicht gipfelte in Hass, den ich gar nicht be­merkte", blickt die Autorin zurück.

Hennecke ist auch nach Jahr­zehnten noch immer eine Figur mit zwei Gesichtern: Der Propaganda­-Held und der Mitreißer, das wurde am Donnerstagabend deutlich. „Für mich war Adolf Hennecke ein Mann, der am Aufbau mitgewirkt hat", rief Günter Löffler (83) mit fes­ter Stimme am Donnerstagabend durch den Saal. Er musste als Lehr­ling damals bei der Sonderschicht 1948 mithelfen und ist bis heute von dem „ehrlichen Bergmann" faszi­niert.

Die Suche nach der Wahrheit ist schwierig und im Fall Hennecke vielleicht aussichtslos. Man will der Tochter glauben, dass ihr Vater nur Verbesserungen für die Bergleute er­reichen wollte. Doch spätestens, als er 1949 den Nationalpreis samt 100.000 Mark erhielt, war er nicht mehr wirklich einer von ihnen.

„Ich bin Bergmann, wer ist mehr?" - diesen Spruch wollte Hen­necke auf einen Orden für verdiente Bergleute prägen lassen. „Nicht aus Überheblichkeit, sondern aus Ach­tung für diese schwere Arbeit", versi­chert seine Tochter. Die Obersten in Berlin lehnten den Vorschlag ab. Die Tochter wählte diesen Satz trotzdem als Titel der Biografie. „Mein Vater war Bergmann, und das ist er in sei­nem Herzen immer geblieben."


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„Für mich war Adolf Hennecke ein Mann, der am Aufbau mitgewirkt hat."

Günter Löffler Ehemaliger Steiger  FOTO: UWE MANN

Zur Personadolf-hennecke2

   Adolf Hennecke wurde am 25. März 1905 als fünftes von acht Kindern in Meggen (Westfalen) geboren. Sein Vater war Bergmann. Mit 9 Jahren wurde er Vollwaise, ein Onkel zog ihn groß. Er absolvierte eine Kaufmanns­lehre und ging auf Raten eines Kolle­gen nach Sachsen. 1928 fing er im Re­vier Lugau-Oelsnitz als Bergmann an. 1951 wechselte er nach Berlin ins Mi­nisterium. Er starb am 22. Februar 1975, kurz vor seinem 70. Geburtstag.             

Namenloses Relief am Museum


FOTO oben: Hannelore Graff-Hennecke im Bergbaumuseum Oelsnitz. FOTOS: UWE MANN

 Freie Presse 12.03.2011


 DAS BUCH Hannelore Graff-Hennecke „Ich bin Bergmann, wer ist mehr?". Verlag Edition Ost. 19,95 Euro. ISBN 978-3-360-01824-3.

 

 
 
Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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