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Traditionspunkt 2 Teichhaus in Neuoelsnitz

Äußere Stollberger Strasse 97, 09376 Oelsnitz

Teichhaus in Neuoelsnitz
erbaut:1659   (ältestes Haus von Neuoelsnitz)
1843   Wohnhaus von MaschinenaufseherKarl Gottlob Wolf
Das Teichhaus an der Ortsgrenze zu Niederwürschnitz war vor Beginn des Bergbaues das einzige Gebäude in der Struth, dem Gelände des späteren Ortsteils Neuoelsnitz.
In der Nacht vom 6. zum 7. Januar 1844, morgens gegen 3 Uhr, wurde die erste Steinkohle des Lugau-Oelsnitzer Reviers aus zirka 10 Meter Teufe und einem 1,70 Meter mächtigen Flöz durch Karl Gottlob Wolf gefördert. Ab diesem Zeitpunkt veränderte sich das Landschaftsbild des Lugau-Oelsnitzer Reviers grundlegend. Aus zuerst kleinen Schächten der Eigenlöhner entstanden durch Gründungen großer Gesellschaften leistungsstarke Bergwerke mit Fördertürmen und zahlreichen Gebäuden.

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Volksbote Seite 20 vom 29. Februar 2008

Karl Gottlob Wolf

Vor 200 Jahren geboren:

Der Entdecker der Lugau-Oelsnitzer Kohlenlagerstätte In 127 Jahren wurden 142 Millionen Tonnen Steinkohle aus der Lugau­Oelsnitzer Lagerstätte gefördert und der Wirtschaft Sachsens zur Verfügung gestellt. Wer hat diese Steinkohlenlagerstätte eigentlich gefun­den? Vor 200 Jahren, am 7 Februar 1808 wurde er in Langenau bei Freiberg als Sohn eines Untersteigers beim Kgl. Thalersberger Stollen geboren: Karl Gottlob Wolf. Er besuchte die Bergschule in Freiberg und wurde 1825 Werkführer beim Eisenhüttenwerk Lauchhammer. 1831 ging er nach dem Eisenhammer Schönheide um ein Bohr- und Drehwerk zu bauen, wurde bald darauf von der Kgl. Maschinenbaudi­rektion Freiberg als Maschinenaufseh
er auf der Grube „Junger Wolf­gang" in Oberhohndorf bei Zwickau angestellt und verließ 1839 diese Stellung, um die nachfolgenden vier Jahre in mehreren Stollen als Fak­tor und Aufseher tätig zu sein.
In unserer Umgebung wurden Steinkohlen zuerst am Nordrand des erzgebirgischen Beckens bei Hohenstein-Ernstthal gefunden. Beim Abbau von goldhaltigem Arsenkies traf man im „Tiefen Lampertus Erb­stollen" um 1720 auf ein geringmächtiges Pechkohlenflöz. Im „Voll­ständigen Staats-, Post- und Zeitungslexikon", Jahrgang 1817, heißt es darüber: „Schon vor 100 Jahren gab es auf Hohensteiner Flur eine Kohlengrube, die man aber bald wieder fallen ließ, weil sich der ganze Kohlenreichtum nur als eine Ader erwies." Diese Veröffentlichung dürf­te mit Veranlassung gewesen sein, dass in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, also rund 100 Jahre nach den ersten Zufallsfunden, weitere Versuche in dieser Gegend folgten, Steinkohle aufzufinden. Die in der Zeit um 1820/30 niedergebrachten kleinen Schächte und Bohrungen auf Oberlungwitzer Flur blieben jedoch erfolglos. Ein wei­terer Zufallsfund ereignete sich 1831 auf Neuoelsnitzer Flur, damals unter der Bezeichnung Struth noch ein mit Schlammlöchern, Tümpeln und wildem Gestrüpp bedecktes Waldgebiet. Dort stieß der fürstlich­schönburgische Forstbeamte Friedrich Heinrich Wey beim Anlegen ei­nes Entwässerungsgrabens am Weg nach Niederwürschnitz auf Koh­le., auf einen sogenannten Flözausbiss. In einer Überlieferung heißt es: „Mit dem bloßen Einschaufeln der Kohle war es im Handumdrehen aus, denn die Kohle führende Schicht ging schräg in die Tiefe." Meh­rere geteufte Versuchsschächte waren e
benfalls erfolglos, nicht zuletzt deshalb, weil die erforderlichen Erfahrungen über die Ablagerungsver­hältnisse fehlten und die Versuche mit unzulänglichen Betriebsmitteln erfolgten. Die „Ober- und Niederwürschnitzer Steinkohlengesell­schaft", die sich 1833 mit einem Kapital von 50.000 Talern gebildet hatte, brachte zwei Bohrungen bis 34 bzw. 72 Meter Teufe nieder, oh­ne auf Kohle zu treffen. Durch ein Missgeschick - bei der letzten Boh­rung brach der Bohrer ab - ist möglicherweise der Kohlenfund im Bohrloch übersehen worden, denn der abgebrochene Bohrer wurde von Karl Gottlob Wolf, dem erst neun Jahre später ein sichtbarer Er­ folg beschieden sein sollte, mitten im Kohlenflöz festsitzend aufgefun­den. Die o. g. Gesellschaft löste sich 1835 infolge Geldmangels wie­der auf. Wolf hatte die Bohr- und Schachtversuche in unserer Gegend aufmerksam verfolgt und kam 1843 mit seinem Schwager, dem We­bermeister Rößler aus Lichtenstein, nach Neuoelsnitz, um den Ort der bisherigen bergmännischen Untersuchungsarbeiten selbst in Augen­schein zu nehmen. Von den Versuchsarbeiten der dreißiger Jahre wa­ren fast keine erkennbaren Zeichen mehr vorhanden, aber er fand dennoch, was er zu finden gehofft hatte. In einem Straßengraben der Struth in der Nähe des einzigen Hauses in einsamer Waldgegend, dem Teichhaus (heute: Äußere Stollberger Straße 97), entdeckte er ei­nen Kohlenausstrich. Das Teichhaus gehörte 1843 dem Gartenbesit­zer (kleiner Bauer) Johann Gottlieb Sieber aus Oelsnitz. Teichhaus, 1659 erbaut, hieß es deshalb, weil es in unmittelbarer Nähe eines großen Teiches von etwa doppelter Größe des Höhlteiches lag. Wolf beschloss, sofort eine eigene Untersuchung zu beginnen, gab seine Stelle als Bergfaktor in Oberhohndorf auf und siedelte mit zwei zuverlässigen Bergleuten nach Niederwürschnitz über. Um Schächte zu betreiben, war Geld notwendig, sogar sehr viel Geld: Erstens zum Erwerb der Abbaurechte und zweitens zur Durchführung des Betrie­bes. Wolfs eigene Mittel reichten bei weitem nicht aus, um ein derarti­ges Unternehmen durchzuführen. Es gelang ihm jedoch, eine kleine Gesellschaft zu gleichen Teilen mit 26 Beteiligten zu gründen, zu der teils seine Verwandten, teils „kleine Leute" aus der Lichtensteiner Ge­gend gehörten. Er gab an sie Anteilscheine zu je 50 Taler aus. Am 13. Juli 1843 schloss er mit dem Gutsbesitzer Hösel aus Oelsnitz einen Vertrag und begann am 7. September 1843 auf dessen Grundstück in der Struth einen Versuchsschacht, den er aber wegen Wasserschwie­rigkeiten bei ca. 26 Metern wieder aufgeben musste. Mit Beteiligung Hösels und des Schankwirts Roscher - dem Besitzer der Roscher­schänke, dem späteren „Sächsischen Hof" in Niederw
ürschnitz - er­warb Wolf am 14. Dezember 1843 das Kohlenabbaurecht unter dem Sieber schen Grundstück. Gleichzeitig erwarb er das Teichhaus, so dass seine Frau und seine beiden Töchter von Zwickau nach Neuoel­snitz übersiedeln konnten. Es folgten Tage harter angestrengter Arbeit im strengen Winter. Bei Schnee und Kälte standen Frau und Töchter am Haspel. Zu Neujahr 1844 musste Wolf seine Gläubiger, die ihre fäl­ligen Zinsen forderten, mit dem Versprechen hinhalten, dass er in eini­gen Wochen ganz gewiss in der Lage sein werde, das Geld zu be­schaffen. Verbissen kämpfte er mit seiner Mannschaft gegen Wasser und Schlamm. Die von ihm selbst gebauten Pumpen mussten von Hand betrieben werden. Mit ihm waren 34 Arbeitskräfte in zwei Schichten zu je 17 Mann im Einsatz. Davon waren 7 Mann in Gewin­nung und Förderung tätig, während 10 Mann die Pumpen bedienen mussten, um den Wasserzufluss zu beherrschen. Aber in der Nacht vom 6. zum 7. Januar 1844 hatte sich die Mühe gelohnt: Bei etwa 9 m Teufe traf er ein 1,15 mächtiges Flöz an, und in dieser Nacht wurde morgens gegen 3 Uhr die erste Kohle des Reviers gefördert. In seiner verbissenen Zuversicht begann Wolf 50 m vom Fundschacht entfernt, einen dritten Schacht zu teufen, in dem er bei 30 m auf ein 1,70 m mächtiges Flöz traf. Die wöchentliche Förderung belief sich auf 100 bis 140 Karren. Die Kohle wurde mit Handwagen von seiner Frau und den beiden Töchtern in die benachbarten Orte gefahren und verkauft. Fuhrwerke holten Kohlen in Fabriken, so z. B. in die Maschinenfabrik
Richard Hartmann nach Chemnitz. Aber auch in dem dritten Schacht waren große Wasserzuflüsse zu bewältigen. Wolf unternahm weitere Schachtversuche, hatte aber insgesamt gesehen wenig Glück und geriet immer mehr in Zahlungsschwierigkeiten. Größere Bergwerks­betriebe, Vereinigungen von Grundbesitzern, Fabrikanten und Kauf­leuten zu Gesellschaften waren durch ihre moderneren Abbaumetho­den in der Lage, die Kohle billiger zu fördern und zu verkaufen als Wolf. Die Besitzer, auf deren Grund und Boden er bisher Kohle abge­baut hatte, kündigten die Verträge auf, da er nicht mehr pünktlich
zah­len konnte. In seiner Notlage sah er sich gezwungen, sein eigenes Haus, das Teichhaus billig zu verkaufen. Wolf teufte 1854 noch den Gühne-Schacht am Sportplatz in Neuoels­nitz, wandte sich dann aber enttäuscht vom Bergbau ab und ent­schloss sich, nach Amerika auszuwandern. Vorher erfand er noch ei­ne weiße Emaille für Kochgeschirre. Diese Erfindung verkaufte er für 400 Dollar. Das war sein Startkapital, um mit einem Auswanderer­schiff in die Neue Welt und einer ungewissen Zukunft entgegen zu fahren. Seine Frau wohnte weiter in Neuoelsnitz in der Fräuleingasse 3, wo sie im Dezember 1861 verstarb. Das Sterbedatum von Wolf da­gegen ist nicht bekannt. Eine letzte Nachricht mit Datum 20. Novem­ber 1853 an seine Familie kam aus St. Louis am Mississippi, in der er unter anderem schrieb, dass er an Fieber erkrankt sei. Er ließ nie wie­der etwas von sich hören, Wolf war verschollen.

Die letzte Nachricht von Karl Gottlob Wolf aus St. Louis am Mississippi (wird ergänzt)

Wolf war der Wegbereiter der Steinkohlenförderung im Lugau-Oels­nitzer Revier.
Der Förderverein des Bergbaumuseums hat in Erinne­rung und in ehrendem Gedenken an seine bedeutungsvolle Leistung, die zu einem wichtigen wirtschaftlichen Aufschwung in unserer Regi­on führte, an der Äußeren Stollberger Straße einen Traditionspunkt auf dem Bergbaulehrpfad geschaffen. Eine Gedenktafel am Teich­haus und gegenüber ein Gedenkstein sollen die Nachwelt an diesen denkwürdigen Zeitraum und an den Entdecker der Lugau-Oelsnitzer Kohlenlagerstätte erinnern.



Grimmer
Förderverein Bergbaumuseum


 
 
Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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