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Bergmännische Begriffe

Eine Auswahl historischer und gebräuchlicher Begriffe aus dem Montan- und Hüttenwesen
Zusammengetragen und erläutert von Wolfgang Faust

Abbauen:
Gewinnung nutzbarer Minera­lien auf einer Lagerstätte mittels bergmän­nischer Arbeit. Bei der Kohlegewinnung aus dem Flöz wird der Abbau auch Streb genannt.

Abbaurecht: Die Genehmigung zum Ab­bau mineralischer Rohstoffe auf der Basis von Bergregal und Bergbaufreiheit. Die Rechtshandlungen, die zum Abbaurecht führen, sind Muten, Schürfen und Verlei­hen. In dem verliehenen Grubenfeld hatte der Bergmann nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zum Abbau der Erze. Mach­te er davon innerhalb von drei Tagen kei­nen Gebrauch, fiel die Grube ins Freie und konnte anderweitig weiterverliehen wer­den.

Abbaustoß: Gewinnungsstelle vor Ort.

Abdämmen: Abschließen eines Gruben­baus zum Schutz vor Feuer, Wasser, Gas.

Ablegen: Die Möglichkeit, den Bergleuten die Arbeit aufzusagen. Dies soll jedoch nicht ohne Ursache und nicht mitten in der Wo­che geschehen.

Abraum: Deckmasse über einer Lagerstät­te von Mineralien, auch sonstiges steriles Gestein.

Absaufen: Eine Grube läuft gezielt oder durch nicht mehr beherrschbare Wasser­massen voll Wasser.

Abschlag: Der durch Sprengen gelöste Teil des Gebirges.

Abschlagwasser:
Vom Wasserrad fallen­des, abgeführtes Wasser.

Abteufen:
Niederbringen eines Schachtes.

Abtreiben:
Mittels Feuer das im Blei gelöste Silber aus der Schmelze abtrennen.

Abendgang: Flacher Gang. Nach der Ein­teilung des Bergkompaßkreises in Stunde 9-12 und Stunde 2z-24 streichender Gang mit einem Fallen von 45°.

Abkehren: Kündigung der Arbeit auf einer Grube. Das gebührende Abkehren ge­schieht, wenn ein Bergmann acht Tage zu­vor, ein Hutmann, ein Steiger oder ein ent­sprechend höherer Angestellter minde­stens vierzehn Tage zuvor seine Arbeit bzw. seinen Dienst aufkündigt. Wer nicht gebührend abkehrt, soll auf anderen Gru­ben nicht wieder in Arbeit genommen werden.

Abtreiber: Hüttenarbeiter, der im Treibe­ofen das im Blei gelöste Silber abtrennen und dabei Verluste vermeiden muß.

Abwetter: Verbrauchte Luft.

Ader: Bezeichnung für erzführende Gän­ge oder Klüfte. Diese werden auch oft als Erzadern bezeichnet. Gang von geringer Mächtigkeit.

Alter Mann: Wenn in einer Grube auf alte Abbaue gestoßen wird, bezeichnet dies der Bergmann als „Alter Mann", d.h. in die­sem Bereich waren bereits vor der derzei­tigen Betriebsperiode Bergleute tätig. Die­se alten Baue sind meist abgesoffen oder mit verstürzten Bergen verfüllt. Häufig eine Gefahrenquelle.

Amalgamierung: Ab 1790 in Halsbrück großtechnisch angewendetes Verfahren zur Silbererzaufbereitung mit Quecksilber. Be­reits bei Agricola beschriebenes Verfahren zur Auflösung edler Metalle, insbesonde­re Gold, in Quecksilber. Durch Abdestilla­tion des Quecksilbers kann das Gold dann konzentriert werden. Das Verfahren garan­tiert die Gewinnung feinster Goldflitter­chen, die im Waschprozeß sonst verloren gehen.

Anbruch: Das noch vor Ort anstehende Erz. Eine durch bergmännischen Betrieb aufge­fundene (angebrochene) Masse nutzbarer Mineralien.

Andreaskreuz: Sich kreuzförmig durch­setzende Erzgänge. Meist besonders ergie­bige Erzlager.

Anfahren: Sich in-die Grube begeben, an die Arbeit gehen, die Arbeit mit dem „Ein­fahren" beginnen. Für eine 8-Stunden­schicht soll früh mit Schlag 4 Uhr ange­fahren werden. Für eine 12-Stundenschicht ist 5 Uhr anzufahren. Wird eine Grube Tag und Nacht betrieben, soll die erste Schicht früh 4 Uhr, die zweite Schicht 12 Uhr und die dritte Schicht abends um 8 Uhr anfah­ren.

Anlassen: Begriff aus der Schmelzhütte, wenn der Schmelzofen vorgerichtet undzugemacht ist, die Bälge zu blasen begin­nen und die Schmelze beginnt.

Anlegen: Die Arbeiter annehmen und in die Arbeit einweisen.

Anschlag: Einmündung eines söhligen Grubenbaus (Strecke) am Schacht.

Anschlagen: Berge oder Erz zum Ausför­dern in Kübel füllen und diese an das För­derseil anhängen (anschlagen). Anschlagen in einer anderen Bedeutung geschieht, wenn ein Freimacher oder Aufnehmer alter Ze­chen nach der behördlichen Bestätigung in einem Brief öffentlich anschlagen läßt, wel­che Zeche er aufgenommen hat.

Anschläger: Bergmann, der gefüllte För­dergefäße aus der Strecke am Schacht an das Förderseil anhängen oder auf das För­dergestell schieben bzw leere Fördergefä­ße abnehmen (abschlagen) mußte. Er hat­te nach dem Anschlagen dem Treiber das Signal zum Hochziehen zu geben und ihm auch zu signalisieren, ob das Fördergefäß oder das Mannschaftsgestell niveaugerecht die Strecke erreichte.

Anschnitt: „Wenn der Schichtmeister im Beisein des Steigers an festgelegten Tagen, vorwiegend an Sonnabenden, vor dem Bergamte über alle in der Zeche anfallen­den Ausgaben (d.h. Berg-, Hütten-, Schmie­de- und sonstige - gemeine - Kosten) öf­fentlich Rechnung vorlegt, damit diese Ko­sten und Ausgaben geprüft und von den Geschworenen aufgezeichnet werden kön­nen."

Anschnittzettel: Ursprünglich wurden die geförderten Wagen usw. vom Steiger auf Kerbhölzer eingekerbt oder „angeschnit­ten", so daß eine Rechnungskammer in der Bergbehörde wie ein Holzlager aussah. Von 1533 an wurden die Abrechnungen auf Zet­teln vorgenommen.

Anschützen: Eine durch Wasserkraft be­wegte Maschine in Gang setzen, indem die Schütze gezogen werden, um das Wasser auf die Wasserräder der Kunstgezeuge, Poch- und Hammerwerke zu leiten.

Anteil: Mitbesitz an einem Bergwerksei­gentum und Mitverpflichtung zur anteili­gen Zahlung der Bergbaubetriebskosten bzw. Anrecht auf Gewinnbeteiligung.

Argentan: 1823 vom Schneeberger Arzt Dr. Ernst Geitner erfundene Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, die als Neusilber bezeichnet wurde. Damit wurden Nickel und Zink für den Erzabbau interessant und bewirkten eine Steigerung der Förderung.

Arschleder: Halbrund gearbeitetes Leder, welches die Bergleute bei der Arbeit zum Schutz des Gesäßes und auch zur Zierde tra­gen. Vorwiegend Nässeschutz. Beim Einfah­ren über Rutschen als Sitzunterlage genutzt. Von den Hüttenmännern vor dem Bauch als Schutz vor Verbrennungen getragen. Um 1500 erstmalig in der Slowakei nachzuwei­sen, ab 1516 im Erzgebirge gebräuchlich.

Aschtonne: Ein Maß, mit dem die Menge Asche zum Abtreiben des Silbers vermes­sen wird. Vergleiche auch Kuppellieren.

Aufbereitung: Behandlung von Roher­zeugnissen des Bergbaus zur Abscheidung unerwünschter Bestandteile, z.B. Trennung von Erz oder Kohle vom Nebengestein, Zer­kleinerung und Sortierung nach Korngrö­ßen, wodurch ein verkaufsfähiges Produkt erzielt wird.Die Aufbereitung der Erze erfolgt durch Poch-, Sieb-, Rüttel-, Mahlwerke, von Hand durch Klauben und Waschen als Vorberei­tung für die Schmelze. Die Aufbereitung ist Betriebsteil einer Grube.

Auffahren: Bergmännische Arbeit zur Her­stellung einer Strecke, eines Stollens, eines Querschlages und anderer Grubenbaue.

Auflässig: Nicht mehr betriebene, stillge­legte Grube.

Aufschlaggraben:Aus Bruchsteinen trok­ken gemauerter und mit einer Dämmung aus Rasensoden versehener Kunstgraben, über den das Wasser zu den Gruben und Hütten geführt wird.

Aufschlagwasser: Zum Betreiben der Wasserräder herangeführtes Wasser.

Aufstand: Bericht über die aktuelle Be­schaffenheit eines Bergwerkes. „Soll aber fein aufrichtig damit verfahren und nichts, was man nicht selbst mit Augen gesehen oder in der Tat befunden, mit hineinge­bracht werden."

Auftragen, Auflaufen: Erz und Kohlen in den Schmelzofen schütten.

Ausbiß: An der Tagesoberfläche sichtbarer Teil eines Ganges oder Flözes.

Ausbringen:
Gewinn einer Grube.

Aufwältigen: Verbrochene Grubenbaue wieder nutzbar machen.

Auge: Schmelzlochöffnung an der tiefsten Stelle des Schmelzherdes oder Vorherdes, durch welche das geschmolzene Metall aus­tritt.
Ausbau: Sicherung der Grubenräume ge­gen Gesteinsfall und gegen Gebirgsdruck. Früher war Holzausbau üblich. Später kam das Ausmauern hinzu. Im modernen Berg­bau ist heute eine Mischung aus Holz- und Stahlausbau zu finden.

Ausbeute: Bezeichnung für den Überschuß aus dem Ertrag eines Bergwerks nach Ab­zug aller Unkosten und Abzug der für die nächste Zeit für den Betrieb des Bergwer­kes erforderlichen Kosten.

Ausbeutebogen: Ausbeutebögen sind Abrechnungen über die ökonomischen Ergebnisse im Bergbau. Sie wurden auf solchen Bögen oder als Zettel den Kuxbe­sitzern zugestellt. Oft sind die Vordersei­ten der Ausbeutebögen mit dem sächsi­schen Wappen und zwei Bergleuten als Wappenhalter, gelegentlich auch mit Holz­schnitten von Bergbaudarstellungen ge­staltet.

Ausbeuten: Eine Lagerstätte abbauen.

Ausfahren: Verlassen, hinausgehen aus ei­ner Grube.

Ausflut: Überlauf an der Krone eines Deichdammes.

Ausklauben, Aufkleiden: Heraussuchen der guten Erze aus den Bergen.

Auspochen, Ausklopfen: „Wenn ein dazu bestellter junge zur Zeit des Ausfah­rens die Losung in die Grube gibt, der näch­ste Häuer, der es hört, mit dem Fäustel an das Gestein schlägt und somit einer dem anderen dadurch das Zeichen gibt, den Schlägel zu lassen und die Schicht zu be­enden" (vgl. auch Klopfstange). Durch Klopfen an der Hängebank den Bergarbei­tern in der Grube das Zeichen zum Aus­fahren geben.

Ausrauben: Entfernen von Material aus nicht mehr benötigten Grubenbauen.

Ausrichten: Heißt so viel wie finden. Da­her sagt man: Er hat den Gang ausgerich­tet, gefunden.

Ausrichtung: Auffahren von Grubenbau­en im Nebengestein, welche dem Aufsu­chen neuer Gänge oder dem Aufsuchen der Kohleflöze dienen.

Ausrichter: Heißt der Bergmann, der dar­auf achtet, daß sich die Seile der Tonnen beim Ausfördern nicht verheddern oder aufeinander schlagen, „daß er die Seile also richtet, damit sie unbehindert nebeneinan­der gehen können".

Austeiler: Dem Zehntner untergeordne­ter Beamter, der die Ausbeute errechnete und jedem Teilhaber aushändigte.

Balg: Blasebalg. Vorrichtung zum Ansaugen, Komprimieren und Zuführen atmosphäri­scher Luft in die Feuerung von Schmelzöfen oder Herden zur Erreichung lebhafter Ver­brennung und hoher Temperaturen. Besteht aus zwei übereinander angeordneten dreiek­kigen Holzteilen, zwischen denen sich der be­wegliche Lederbalg befindet. Wird durch Muskelkraft oder Wasserkraft angetrieben. Der Blasebalg wurde auch gelegentlich zur Bewetterung im Bergwerk eingesetzt.

Balgliese: In der Schmelzhütte die eiser­ne Schnauze vorn am Blasebalg.

Balg vernasen: Über die Balgliese Schlak­ken setzen, wenn man zu schmelzen an­fängt.

Balken: Gegossene Barren.

Barthe, Barte: Siehe Bergbarte.

Bau: Ein durch bergmännische Arbeiten und zu bergmännischen Zwecken im Ge­birge hergestellter Raum.

Bauch: Ein mächtig werdender, sich auftu­ender Gang.

Bauen: Eine gebräuchliche Redewendung für Mitbesitzer einer Grube, z. B. „Ich baue auf dieser Zeche so und so viele Kuxe mit". Bauen bedeutet auch, daß ein Gebäude mit Arbeit belegt ist.

Baum: Wenn eine alte Halde oder Pinge wieder aufgenommen wird und es stehen Bäume darauf, gehören diese dem neuen Lehn-Träger und nicht dem Grundherren, insbesondere, wenn das Holz zu Zimmer­arbeiten auf der Zeche benötigt wird.

Befahren: Bergbeamte befahren eine Gru­be, um dieselbe in Augenschein zu nehmen und deren Beschaffenheit zu erkunden, um danach den Bau anzuordnen.

Begräbnis: Wenn man in einer Grube in alte Baue, insbesondere im „alten Mann", Berge hineinstürzt, so heißt es ein Begräb­nis.

Belegung: Die Belegschaft eines Bergwer­kes. Sie bestand, je nach Größe der Grube, aus Schichtmeister, Rechnungsführer, Un­tersteiger, Kunststeiger, Schmiedesteiger, Wäschesteiger, Scheidesteiger, Gangsteiger, Hutmann, Häuer, Haspelknecht, Gruben­maurer, Bergarbeiter und Tagelöhnern.

Benzinsicherheitslampe: Nach verschie­denen Modellen von Sicherheitslampen (sie­he dort) wurde 1884 von C. Wolf in Zwik­kau die Grundform der bis heute üblichen Benzinsicherheitslampe erfunden. Mit der integrierten Zündvorrichtung und einem Magnetverschluß erfüllte sie alle Sicherheits­anforderungen für schlagwettergefährdete Gruben. Sie ist sowohl zum Aufspüren schla­gender, als auch matter Wetter geeignet.

Beräumung: Abtransport des im Vortrieb oder Abbau vor Ort hereingewonnenen Materials.

Bergamt: Bergbehörde erster Instanz. Hi­storisch bestand das Bergamt aus dem Berg­meister, aus den Geschworenen und dem Bergschreiber. Alle Gruben werden durch Bergämter unter dem Vorsitz eines Berg­hauptmanns regiert. Zur Verwaltung ge­hören noch der Vizeberghauptmann, der Zehntner, der Bergsyndikus, ein Bergsekre­tär, ein Hüttenreuter, der Oberbergmeister, vier Unterbergmeister, zwei Ober-, Acht-, Stuf- oder Reviergeschworene. Jedes Berg­amt wird wöchentlich zweimal, mittwochs und sonnabends, gehalten. Es werden alle Berg- und Hüttensachen und auch Justiz­sachen behandelt. Heute ist das Bergamt eine staatliche In­stitution, die alle Belange des Bergrechts regelt.

Bergarbeiter:
Sehr alte, schon im 14./15. Jahrhundert übliche Bezeichnung anstelle von Knappe, Bergmann, Häuer oder Has­pler, usw. Sie kommt nicht nur für Lohn­arbeiter, sondern auch für Eigenlehner vor.

Bergbarte,
Bergparthe: ZieratderBerg­leute in Form eines Beils, das zu offiziellen Anlässen getragen wird. Die Bergbarte ist dünner als ein Beil und oben mit einer lan­gen Spitze, daran ein Helm ist, versehen. Meist reich verziert und mit Bein (Kno­chen) ausgelegt.

Bergbauheilige, Bergbaupatrone: Den katholischen Glaubensvorstellungen ent­sprechend werden heilige Personen und Märtyrer verehrt und um Hilfe und Bei­stand ersucht. Manche werden von Berg­leuten besonders verehrt, weil ihre Heili­gengeschichte (Legende) oder ihr Attribut (typische Gegenstände der Legende, meist Martyriumswerkzeug) in Verbindung mit dem Bergbau steht, mitunter jedoch nur in einer sehr lockeren Verbindung. Die größ­te Bedeutung als Bergbauheilige in Sachsen haben: St. Anna, St. Barbara, St. Wolf­gang, St. Daniel, St. Katharina und St. Chri­stophorus. Die Bergbauheiligen werden an bestimmten Tagen im Jahr besonders ver­ehrt. St. Anna, St. Barbara und St. Christo­phorus gehören zu den „Vierzehn Nothel fern", also Heilige, die vor ihrem Märty­rertod Gott gebeten haben sollen, dem Hilfe zu gewähren, der ihn in ihrem Namen dar­um bittet.

St. Anna
(als Erzmacherin); Idas Me­tallsymbol ihrer Tochter Maria ist Silber, das ihres Enkelsohnes Jesus ist Gold, ihr eigenes ist Zinn. Der Berg­mann sieht in dieser generalogischen Reihe nicht nur ihre nach der Legen­de unerwartete Mutterschaft, son­dern auch eine zunehmende Vered­lung der Metalle. Die im Erzgebirge verbreitete Darstellung der „Anna selbdritt", d.h. Anna mit Tochter und Enkelkind, widerspiegelt diese Glau­bensvorstellung.

St. Barbara
(Märtyrerin des 3. Jh.); Sie.wurde von ihrem Vater, dem rei­chen Dioscorus von Nikomedien, in einem Turm gefangengehalten. Sie floh zu einem Felsen, der sich schüt­zend vor ihr öffnete. Sie ist auch Pa­tronin der Sterbestunde. Ihr Attribut ist der Turm. Ihr Namenstag am 4. Dezember wird von den Bergleuten vielfach festlich begangen.

St. Wolfgang
(Heiliger); 972 Bischof von Regensburg, warf der Legende nach sein Beil vom Berg ins Tal, um dort, wo es niederfiel, seine Zelle zu bauen. Dies soll am Abersee an der bergwärts gelegenen Felswand des Falkensteins gewesen sein. Ähnliche Beilwürfe waren bei den Germanen bei der Besitzergreifung von Grund und Boden üblich und spielten gele­gentlich bei Bergleuten auch bei der Mutung und Vermessung einer Fundgrube eine Rolle. Sein Attribut ist die Barte bzw. das Beil.

St. Christophorus
(griech. Christus­träger); der Legende nach ein Riese, der Pilger über den Flug trug. Er wur­de Patron der Pilger, Reisenden und aller Berufe, die große Kraft erfor­dern. Der bergmännische Bezug zu ihm war darin zu sehen, daß, wer ihn vor der Schicht verehrt hat, bei ei­nem Unglücksfall die letzte Ölung vor seinem Tod nicht empfangen muß.

St. Daniel
(Prophet); deutete der Le­gende nach um 597 v. Chr. am Hof Nebukadnezars Träume, in denen er die vier Kaisertümer in vier Metal­len darstellte. „Dieser Daniel soll Erz auf den Bäumen haben suchen wol­len, wie Aneas einen goldenen Ast am Baume fand". Nach einer solchen Traumdeutung, Erz in den Ästen ei­nes Baumes zu suchen, sollen auch die Annaberger Erzlager entdeckt worden sein. Als Äste kann man ja auch die Wurzeln, die sich gleicher­maßen wie Äste ausbreiten, deuten. Daniel wurde in eine Löwengrube ge­worfen und wunderbar errettet. Sei­ne Attribute sind Bergeisen, Fäustel, Spitzhaue und Löwe.

St. Katharina
(Märtyrerin); soll eine hochgebildete Königstochter auf Zy­pern gewesen sein, der es gelang, 5o Philosophen zum Christentum zu bekehren. Sie sollte gerädert werden. Blitz und Donner zerstörten jedoch das Rad. Sie wurde mit dem Schwert enthauptet. Ihre Attribute sind Rad und Schwert.

Bergbüchlein:
Kleine Schriften aus dem Altertum, die sich mit den Grundlagen des Bergbaus beschäftigen. Das erste Bergbüch­lein erschien 15o5 durch Ulrich Rühlein von Calw. Agricola weitete das in dem Berg­büchlein niedergelegte Wissen mit seinen um 1550 erschienen Büchern zu einem um­fassenden Lehrgebäude aus.


Bergchirurgus:
Vom Bergamt berufener, von den Grubenunternehmern oder der Knappschaft bezahlter Wundarzt, der kein Studium, sondern eine Lehrzeit beim Bader oder Feldscher absolviert hatte und seine ärztliche Praxis auf äußere Verletzungen und Knochenbrüche beschränken mußte.

Berge:
„Wird alles gebrochene oder selbst abgefallene Gestein genannt, das kein Erz führt und neben den Gängen bricht". Durch bergmännischen Betrieb losgetrennte tau­be Gesteinsmassen.

Bergehalde:
Über Tage aufgeschütteter Gesteinsabfall. Siehe auch Halde.

Bergeversatz: Verfüllung nicht mehr be­nötigter Hohlräume oder ausgeerzter Gän­ge mit taubem Gestein.

Bergfertig: Bergfertig ist ein Bergmann, der durch Unfall, Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage ist, seiner Tätigkeit nach­zugehen.

Bergfeste, Bergfestung: Bei mächtigen Gängen wird aus Sicherheitsgründen ein keilförmiger Pfeiler in der Mitte des Gan­ges stehen gelassen, um einen Bruch des Gebirges zu verhindern.

Bergfreiheit, Privilegium: Landesherr­liche Garantie der Privilegien der Bergleute und Bergstädte. „Weil Berg-Bauen nicht eines jeden Mannes Tun ist und doch dem allgemeinen Wesen sehr viel daran gelegen ist, so bedarf es besonderer Freiheiten. Berg­teile (Kuxe, Kuckus) sollen mit anhängiger Nutzung und Ausbeute weder im Krieg noch im Frieden um keinerlei Verbrechen willen confisziret und eingezogen werden, sondern in alle Wege dem Besitzer und des­sen Erben frei bleiben. ... daß Bergsachen ihr besonderes Forum haben,... daß Berg­städte nur halbe Land- und Tranksteuer ge­ben, ... daß berghauende Gewerke gegen Vorzeigen gewisser Pässe wegen der Vic­tualien, Akzise, Lizenz und dergleichen ei­nen Vorzug erhalten, ... daß den Bergleu­ten forstzinsfreies Holz gegeben wird, frei­es bürgerliches Gewerbe und freier Markt gestattet und Gelegenheit zu Acker- und Wiesenbau gegeben wird."

Bergglöckner: Von der Knappschaft oder vom Bergamt besoldeter Glöckner für das Läuten der Häuerglocke, der 1 Stunde und 1/4 Stunde vor Schichtbeginn (3 Uhr und 3.45 Uhr morgens - ab 1720 eine Stunde später) mit 6 x 6o Zügen zu wecken hatte.

Berghabit: Kleidung des Bergmanns, sie­he auch Habit.

Berghauptmann: Leiter des Bergwesens eines Staates, später der Leiter eines Ober­bergamtes. Er hat „anstatt des Landesfür­sten allen zum Berg- und Schmelzwesen bestallten Amtsleuten, Dienern und sämt­lichen zum Bergwerk gehörenden zu ge­bieten und zu verbieten, ., sonderlich da­hin zu trachten, daß Friede und Gerechtig­keit auf den Bergwerken erhalten, aller Betrug, Untreue, Unrecht, Eigennützigkeit und Vorteil, so dem Landesfürsten, dem Bergwerk oder bauenden Gewerken zu Nachteil vorgenommen, abgeschafft, des Bergwerk Nutz treulich befördert, alle Con­fusiones verhütet und die irrigen Parteien nach Billigkeit vertragen mögen". Die Re­viere der Ämter soll er oft selbst inspizie­ren, damit dort nichts verwahrlost. Weiter­hin soll er alle Rechnungen, bevor sie in die Kammer eingeschickt werden, durchsehen und prüfen, ob nichts vergessen wurde. Er hat seine Bedenken und Gutachten anzu­bringen, um alles Nachteilige abzuwenden. Er soll besonders darauf sehen, daß kein Amt oder Dienst mit unverständigen, un­fleißigen, betrügerischen und untüchtigen Personen bestellt werde.

Bergherr: Bergregalinhaber (meist der Landesherr selbst), höherer Bergbeamter oder Bergwerkseigentümer. „Er soll die Bergwerke und solche sich mit möglichster Beförderung erweisen, sie mit gnädigen Freiheiten, ohne welche der Bergbau nicht erhalten werden kann, begaben, dieselben unverbrüchlich zu halten, nicht um gerin­gen Genusses oder Eigennutzes willen ein­ziehen, sondern die Gewerke dabei schüt­zen und sich gegen sie aufs gnädigste und willigste erzeigen, sie dadurch zu Berglust anerziehen, weil Bergwerk allwege mehr Freiheit und Gnade als scharfes Recht ha­ben will, sollen anders die Gewerken, wel­che auf ihr Wagnis und Darlegung des Bergherrn Nutz ohne seinen Beitrag zu be­fördern baulustig verbleiben. Zu dem Ende wird er mit Rat und Bedenken bergverstän­diger Leute eine wohlgegründete Bergord­nung abfassen und nach deren Publikation derselben nicht nur selbst gnädig nachkom­men, sondern auch gute Acht haben, daß sie von allen Amtsleuten, Gewerken und Dienern unverbrüchlich gehalten und Übertreter gebührlich gestraft werden".

Bergjungen:
Jugendlicher Arbeiter bis 20 Jahre. Kinder von 6--1o Jahren machten etwa io%, die von 11-16 Jahren rund 25­30% der Belegschaft aus. Mit dem gerin­gen Anfangsschichtlohn von 6 Groschen trugen die Jungen zum Familieneinkom­men bei. 1 Pfennig pro Groschen durften sie für sich selbst behalten.

Bergkalender:
Einen Bergkalender brauch­ten alle werktätigen und leitenden Berg­leute, um die vorgedruckten Termine für Lohntage, Zahltage, Bergamtssitzungen, Rechnungslegung, Bergpredigten usw.

wahrzunehmen. Seit 166o wurden sie, teil­weise mit Illustrationen versehen, für alle Reviere gedruckt. Die Illustrationen betra­fen u.a. Uniformbilder höher gestellter Bergbeamter, die der einfache Bergmann selten zu sehen bekam.

Bergkittel:
Im neuen Zustand diente der Bergkittel als Sonntags- (Kirchgangs-) klei­dung, abgenutzt als Arbeitsanzug. Es war ein hemdartiger langärmeliger Kittel aus schwarzer Leinewand (seit 1850 auch aus schwarzem Tuch).

Bergknapp: Siehe auch Knappe. Übliche mittelalterliche Bezeichnung für alle im Bergbau unter Tage tätigen Personen. Im Ständebuch von Jost Amman von -1569 ist der Bergknapp in Versen von Hans Sachs wie folgt beschrieben: „Ich treib alles Erz Knappenwerck | Im Thal und auff Sanct An­nen Berg | Mit den Steigern | Knappen und Bubn in Stollen | Schacht und Erzgrubn | Mit graben 1 zimmern | bölzen und bauwn | Mit eynfahren | brechen und hauwn | Wird ich fündig und Silber bring | So ist der Berg­herr guter ding.

Bergleder: Siehe Arschleder.

Bergleute: Berufsgruppe der im Bergbau tätigen Personen. „Sie sollen im bergmän­nischen Habit gehen und kein anderes Ge­wehr als Bergbarten führen. Sie sollen ihre von Geschworenen und Steigern angewie­sene Arbeit treulich und fleißig verrichten, sich nicht auf ihre Schlägel-Gesellen verlas­sen, noch vor der Zeit davonpoltzen". Berg­leute waren freie Bürger, durften nicht zu Normal 0 21

Zwangsarbeiten oder Kriegsdienst herange­zogen werden und waren nicht pfändbar.

Bergmann: Eine im Bergbau tätige Per­son. Der Beruf des Bergmanns beinhaltet eine Vielzahl von Tätigkeiten. Frauen wur­de der Zugang zu diesem Beruf nicht er­laubt (mit Ausnahme von Arbeiten in der Aufbereitung).

Bergmann vom Leder (von der Feder): Bergleute, die mindestens in ihrer Jugend praktische Bergarbeit in Bergwerken oder Hüttenwerken getan und das Arschleder bzw. Bauchleder getragen hatten. Dem Bergmann von der Feder in den Beamten­stellen fehlte die Praxis, er hatte ein juri­stisches Studium absolviert.

Bergmännisch bauen: Bedeutet vorsich­tig bauen, alles wohl verwahren und an die Nachkommen denken.

Bergmedicus: Seit etwa 1525 in den Berg­orten als Stadtarzt amtierender „Doctor (Magister) der Medizin". Er wurde wegen seiner hohen Arztkosten nicht so oft wie der Bergchirurgus in Anspruch genommen.

Bergmeister: Ursprünglich von allen Bergleuten frei gewählter, bald aber vom Landesfürsten eingesetzter Leiter eines Bergreviers mit richterlicher Gewalt und Befugnis zu technischen Anweisungen. Nach 1509 verlor er die juristischen Funk­tionen, blieb aber technischer Leiter des Bergwerks. „Ist ein Bediensteter, der anstelle des Zehn­herren Zechen verleiht und das ganze Bergwerk richtet. Er ist nach dem Berg­hauptmann der nächsthöchste Bergbeam­te. Er soll von Bergwerken, deren Bau so­wie über die Erze und Gesteine kundig sein. Er hat mit allem Fleiß darauf zu achten, daß im Bergwerk und den bauenden Gewerken in und auf der Grube fleißige, kluge, ver­ständige und tüchtige Schichtmeister an­gestellt sind, alle Gebäude bergmännisch und ohne unnötige Kosten errichtet wer­den. Weiterhin hat er vorausschauend dro­hende Schäden abzuwenden und jeden, der ihn um Rat ersucht, nach bestem Wissen und Gewissen zu beraten und zu seinem Recht zu verhelfen. Er hat darüber zu wa­chen, daß die Arbeiter ihre Schicht redlich verfahren. Er hat dem Anschnitt gegenwär­tig zu sein und der Lohnzahlung im Zehn­ten beizuwohnen. Er darf nicht gestatten, daß auf einem Gebirge zwei Zechen mit ei­nem Namen oder alte Gebäude mit neuen Namen benannt werden".

Bergordnung: Vom Inhaber des Bergre­gals paragraphenmäßig erlassene Vor­schriften und Privilegien für den Bergbau­betrieb.

Bergparade: Parademäßiger Aufzug von Bergleuten. Die Begrüßung des Landesfür­sten und anderer hochgestellter Persönlich­keiten erfolgte durch eine befohlene Berg­parade im vorgeschriebenen Berghabit, mit Fahnen, Insignien und Mitwirkung der Bergsänger. An Knappschaftsfesten veran­staltete die Knappschaft, ebenfalls im Berg­habit, einen Aufzug (freiwillig). Heute sind Bergparaden willkommene Bereicherung jeglicher Festveranstaltungen. Insbesonde­

re im Erzgebirge zur Weihnachtszeit ge­pflegtes Brauchtum.

Bergprediger: Von der Knappschaft ge­wählter und besoldeter Priester zur Früh­messe vor dem Knappschaftsaltar bzw. in  der Knappschaftskapelle. In der protestan­tischen Zeit war es der an den 4 Quartals­sonntagen und bei sonstigen Anlässen zur bergbauthematischen Predigt verpflichte­te Pfarrer.

Bergregal: „Königsrecht an den Metal­len". Verfügungsrecht über Lagerstätten, das dem Eigentümer an Grund und Boden entzogen wird, mitunter auch das Verkaufs­recht an edlen Metallen einschließend. Der oberste Landesherr, der König, war ur­sprünglich Lehnsherr über den Boden und seine Erträge. Als Gegenleistung für poli­tische Dienste verlieh der König sein „Berg­regal" an Territorialherren. Der Meißner Markgraf Otto von Wettin erhielt es um 1170 von Kaiser Friedrich Barbarossa. Mit dem Regalrecht an den edlen Metallen, d.h. an den Währungsmetallen, sicherten sich die sächsischen Markgrafen, Herzöge und Kurfürsten die ökonomische und politische Macht. Gleichzeitig bestimmte das Regal­recht der sächsischen Landesherren das Bergrecht im Freiberger Revier bis in das 1g. Jahrhundert.

Bergrichter: Ursprünglich von den Berg­leuten frei gewählter, dann vom Landes­herren eingesetzter Leiter des für Bergleu­te und Bergsachen zuständigen Sonderge­richts, das die Bergbaubeteiligten den Stadt­und Landgerichten entzog.

Bergschmied: Der Bergschmied hatte sei­ne Schmiede, in der das Gezähe des Berg­manns hergestellt und instandgesetzt wur­de, auf dem Grubengelände. Er arbeitete selbständig wirtschaftend auf Vertragsba­sis mit den Gruben gemäß der bergamtli­chen Schmiedetaxe.

Wie wichtig die Arbeit des Bergschmiedes war, zeigt der Verbrauch von bis zu 2o Ei­sen bzw. Bohrern pro Schicht und Häuer, die in der Bergschmiede bis zur nächsten Schicht wieder geschärft werden mußten.

Bergschreiber: Bergrichter, Schreiber des Bergmeisters, führt über die einzelnen Gru­ben Bücher, in die die Grubenrechte und Bedingungen, die der Bergmeister bestä­tigt hat, sowie die Ausgaben der Gruben eingetragen werden. Die verschiedenen Bergbücher werden von ihm zum Nach­weis der Unternehmer und Teilhaber, der jeweils gelieferten und abgerechneten Erz­menge und der davon entrichteten Gebüh­ren, der Zubußen und Ausbeute geführt.

Bergsegen: Für die Bergleute „segensrei­cher Ertrag" aus der Bergbautätigkeit.

Bergspiegel: Zauberspiegel, durch den man (angeblich) ins Innere der Erde sehen kann.

Bergstadt: Eine Ortschaft, die durch den Bergbau entstanden ist (z. B. Schneeberg, Marienberg) oder durch den Bergbau den Status einer Bergstadt erhielt. Eine Berg­stadt hatte eine Vielzahl von Sonderrech­ten und Vergünstigungen, z.B. Recht des Schlachtens, Brotbackens und Brauens ein­schließlich des Rechts zum freien Handel mit Lebensmitteln. Mit dem Recht der jähr­lichen Wahl von Richtern und Schöffen wurde die städtische Selbstverwaltung ga­rantiert.

Bergsucht: Bergkrankheit, bedingt durch das Einatmen giftiger Dämpfe und Stäube, und auch durch Strahlung.

Bergtrog: Ein längliches rundes Förderge­fäß, wie eine Mulde ausgebildet, in das mit einer Kratze Berge oder Erz hineingefüllt und zu den Karren oder Kübeln trans­portiert werden.

Bergwachs: Bezeichnung für Asphalt, Naphta, Petroleum und Erdöl.

Bergwerk: Sind diejenigen Orter, an de­nen nach Erzen gegraben wird, wo Schäch­te gesenkt und Stollen getrieben werden oder Schürfe aufgeworfen werden.

Bergwerksverwandte: Berufe, die aus­schließlich für den Bergbau- und Hütten­bedarf zuständig waren, wie Hersteller von Bulgen, Körben, Seilen oder Blasebalgma­cher, genossen die Befreiung von landes­fürstlichen und städtischen Abgaben und Steuern. Zu den Bergwerksverwandten rechneten auch gehobene ärztliche und geistliche Berufe sowie Fuhrleute.

Bergwurzel: Werden die Liebhaber des Bergbaus genannt, die davon nicht abzu­bringen sind.

Besatz, besetzen: Füllender Bohrlöcher mit Sprengstoff und das anschließende sorgfältige Abdichten.

Beschauzeichen: In Gold- und Silber­schmiedearbeiten eingeschlagene Marken eines von der Stadt oder den Innungen be­stellten Verantwortlichen. Sie sind die Ga­rantiebestätigung für die Einhaltung des vorgeschriebenen Feingehaltes. Auch in Zinnbarren wurden Qualitätssiegel einge­schlagen.

Bewetterung: Planmäßige Versorgung der Grubenbaue mit Frischluft (siehe auch Wet­ter).

Bierrute: Fahne oder Tafel an einem Haus, zum Zeichen, daß hier meist selbstgebrau­tes Bier ausgeschenkt wird.

Binge: siehe Pinge

Blaufarbenwerk: Werk zur Gewinnung des als Kobaltblau bezeichneten Farbstof­fes aus Kobalterzen.

Blechhammer: Bezog das Stabeisen aus den Zainhämmern und schmiedete Schwarz­blech daraus, welches nach einem „gehei­men Rezept" geätzt und im Zinnhaus zu Weißblech veredelt wurde.

Bleischweif: Schmierige, lettige Bergart, die auf fündige Gänge hinweist und oft zu­sammen mit erzreichen Gängen angetrof­fen wird.

Blende:
Bezeichnung für Erze mit hohem Glanz, der edles Erz vortäuscht. Da diese#Erze im Mittelalter nicht verhüttet werden konnten, waren sie für den Bergmann wert­los, also nur Blendzeug.

Blende: Freiberger Blende, Grubenblende, Gakellampe. Ein Geleucht, das mit Öl be­trieben wurde, wobei sich hinter der Flam­me eine spiegelnde Fläche befand, die das Licht zur besseren Beleuchtung des Arbeits­ortes in eine Richtung lenkte. Die kleine Öllampe (Kuckuck) war in der Blende in ei­nem Wetterkasten (kleines Gehäuse), an dessen Vorderseite sich eine Glasscheibe befand, vor Windzug geschützt. Die Blen­de wurde beim Fahren im Schacht in einen um den Hals zu legenden Blendenstrick ein­gehängt.

Blicken: Wenn das Silber auf dem Treib­herd hell und gar wird und erstmals aus der Schmelze „blickt". (Silberblick).

Blindschacht: Ein Schacht innerhalb des Grubengebäudes, der nicht nach über Tage führt. Er verbindet in der Grube mehrere Sohlen.

Blutstein: Roter Glaskopf, Hämatit (a-Fe203), wertvolles Eisenerz. Auch als Rötel bezeichnet. Fein gemahlen ergab er ein ausgezeichnetes rotes Farbpigment.

Bohrarbeit: Die Anwendung von Schieß­pulver im Bergbau ab 165o erforderte ne­ben der Arbeit mit Schlägel und Eisen eine neue Technologie, das „Bohren" der Spren­glöcher. Diese Sprenglöcher wurden zuerst mit der Hand gebohrt, später wurden ma­schinelle Bohrmethoden eingeführt.

Bohrung: Kreisrundes, durch drehendes und stoßendes Bohren hergestelltes Loch im Vortrieb, Abbau oder in der Erkundung. Im Altbergbau wurde zum stoßenden Boh­ren eine Bohrstange aus Rundeisen mit ei­ner stählernen Schneide am Ende unter stän­digem Umsetzen gegen die Bohrlochsohle geschlagen. Bohrlöcher für den Besatz mit Sprengstoff hatten im Altbergbau einen Durchmesser von ca. 2o mm und eine Tie­fe von ca. zo cm. Im modernen Bergbau wer­den im Abbau maschinell Löcher bis zu mehreren Meter Tiefe gebohrt. In der Er­kundung werden Bohrungen mit verschie­densten Durchmessern bis zu mehreren tau­send Meter Tiefe realisiert.

Bremsberg: Geneigter Grubenbau, in dem die gefüllten Förderwagen mit Hilfe von Haspeln oder anderen Einrichtungen von der oberen zur unteren Sohle abgebremst und die Leerwagen als Gegengewicht nach oben transportiert werden.

Bruch: Planmäßig oder durch fehlerhaften Ausbau im lockeren Gebirge zerstörter Grubenbau.

Bruderbüchse: Verschließbare Büchse zur Sammlung der (freiwilligen) Büchsen- oder Bruderpfennige für den Bruderschaftsaltar. Nach 1540, mit dem Übergang von der kir­chenrechtlichen Bruderschaft zur genos­senschaftlichen Knappschaft, wurde die Höhe der Spende im Verhältnis zum ver­dienten Lohn geregelt. Die Bruderbüchse wurde vom Knappschaftsältesten verwal­tet. Neben der Verwendung zur Unterstüt­zung für Hinterbliebene und Invaliden wurden auch Knappschaftsfeste mit finan­ziert.

Büchsenpfennig: Geld, welches vom Lohn der Bergleute zur Unterstützung der ar­men Witwen und arbeitsunfähigen Berg­leute gesammelt wurde. Es wurden von je­dem Taler wöchentlich 3 Pfennige einge­zahlt.

Bulge: Lederner Eimer oder Kübel, zur Wasserhebung und zur Erzförderung ein­gesetzt, bzw. lederner Ball, der in der Bulgenkunst zur Wasserförderung diente.

Bulgenkunst: Auch Heinzenkunst ge­nannt. Älteste kontinuierlich arbeitende Wasserhebeeinrichtung im sächsischen Bergbau. Von einem Tretrad oder einem Wasserrad angetrieben wurde eine endlose eiserne Kette durch ein Steigrohr gezogen, an der in regelmäßigen Abständen prall mit Tierhaaren gefüllte Lederbälge, die Bulgen, befestigt waren. Diese hoben beim Hochzie­hen jeweils eine Wassersäule von 3o bis 40 cm bis auf das Erbstollenniveau.

Bunker: Kleiner Blindschacht, in dem Erz, Kohle oder Berge im freien Fall zur unte­ren Sohle gelangen und dort mit einer Vor­richtung dosiert in Förderwagen abgefüllt werden.

Caducieren: Bergamtlich das Eigentum an Bergwerksanteilen (Kuxen) wegen Ver­säumnis von Pflichten aufheben.

Dachschichten:
Geologische Schichten

Darrofen: Ofen zum Trocknen feuchtig­keitsempfindlicher Stoffe durch Verwer­tung der Abhitze nach dem Wärmetau­scherprinzip.

Digger: Amerikanischer Begriff für Gold­gräber.

Doppelhäuer: Häuer, die länger als die vor­geschriebenen 7-8 Stunden Schicht, mit­unter 14-15 Stunden, arbeiteten.

Drahthammer: Hammerwerk, in dem aus hochwertigem Stabeisen Grob- und Feindraht hergestellt wurde. Die Abfälle und harten Re­ste wurden zu Nägeln verarbeitet.

Dredger: Seit dem 1g. Jahrhundert einge­setzte Schwimmbagger zur Goldwäsche und Seifenarbeit.

Duckelbau, Duckelbergbau: Abbau von oberflächennahen Lagerstätten durch vie­le kurze Schächte, die eng nebeneinander lagen. Bei dieser Abbauart wurden weitläu­fige Strecken eingespart. Die Schächte wur­den meist ohne Zimmerung niederge­bracht.

Durchörtern: Vortreiben eines Gruben­baus durch eine geologische Störung.

Durchschlag: Treffpunkt zweier gegenein­ander getriebener Grubenbaue beim Vor­trieb. Offene Verbindung zwischen zwei Grubenbauen.

das ihm ganz oder teilweise gehörende Bergwerk auf Gewinn oder Verlust betrieb und dabei selbst Handarbeit verrichtete.

Eigenlehner: Auch Eigenlöhner oder Eigenspänner. über dem Flöz. Selbständiger Bergmann, der das ihm ganz oder teilweise gehörende Bergwerk auf Gewinn oder Verlust betrieb und dabei selbstHandarbeit verrichten.

Einbruch: Vertiefung im Abbau oder am Ortsstoß, von der aus sich der Häuer sy­stematisch weiter voranarbeitet.

Einfahren: Bezeichnung für das Betreten der Grube, wenn der Bergmann sich über Schächte oder Stollen an seinen Arbeitsort begibt. Zum Einfahren in einen Schacht be­nutzt er Fahrten oder fährt am Seil ein.

Einfahrer: Bergbeamter, der die Gruben zur technischen Überwachung befuhr, ne­ben dem Nachfahrer, der auf die Einhal­tung der Arbeitszeit der Häuer, Knechte und Jungen achtete.

Einfallen: Bezeichnet die Neigung eines Erzgangs, d.h. den Winkel der Gangebene gegen die Horizontale. Die Einfallsrichtung ist die Orientierung der Gangneigung, im­mer senkrecht zur Streichrichtung liegend. Erzgänge, die mit einem Winkel unter 15° gegen die Horizontale einfallen, werden als schwebend bezeichnet, bei einer Neigung von 15° bis 45° werden sie als flach bezeich­net. Als tonnlägig im Sinne des Einfalls­winkels werden Erzgänge bezeichnet, die in einem Winkel von 45' bis 75° zur Hori­zontale geneigt sind. Steiler einfallende Erz­gänge (75° bis go°) werden als saiger be­zeichnet. Mit weniger als 20° einfallende Gänge werden auch Flöz genannt.

Einlegen: Einschlagen. „Einlegen heißt, wenn man anfängt zu schürfen und zu bauen".

Einlegeregister:
Inventurnachweis über den Gesamtbestand einer Grube. Es müs­sen hierbei laut administrativer Anordnung alle Gegenstände von Schlägel und Eisen über Fördergefäße bis zu den Gebäuden aufgeführt werden.

Einlieger: Ein Hüttenwächter.

Einschießen: Einfallen von Gesteins­schichten in bestimmten Winkelgraden.

Einschlag, Einschlagen: Ansatzpunkt ei­nes Stollens oder einer Strecke. Einen Schacht oder Stollen anlegen. „Einschläge heißen die Punkte über Tage, von welchen rfian mit ei­ner in das Gebirge hineingehenden horizon­talen Öffnung ... angesessen ist".

Eisen: Zum Gezähe des Bergmanns gehö­rendes Werkzeug. „Ein mit einem Loch zur Aufnahme eines Stieles ausgebildeter ei­serner Keil, der mit dem Fäustel ins abzu­bauende Gestein bzw. Erz getrieben wird". Der Stiel und das Loch sind so ausgebildet, daß das Eisen problemlos auf dem Stiel ge­wechselt werden kann.

Eisensteingräber: Vom Bergmann nicht als vollwertiger Bergmann betrachteter Ar­beiter in - meist im Tagebau betriebenen - Eisensteinzechen ohne eigene Knapp­schaftsorganisation. Ihre Arbeit bewertete der Eisensteinmeister, der zugleich die Herrschaftsabgabe (das 13. oder 26. Fuder) anstelle des im Erzbergbau üblichen Zehnts einzog.

Eiserner Hut: Oberer Teil einer gangförmigen Erzlagerstätte nahe der Erdoberflä­che, in dem durch Verwitterung eine An­reicherung der Erze, unter Umständen bis hin zu gediegenem Metall, erfolgt.

Eisenganz: Siehe Ganz, auch Eisengans, Gänze.

Elle: Auch Bergelle, ein sächsisches Län­genmaß. Eine Bergelle = 2/7 Berglachter = 4/7 Meter= 0,571 m.

Engelsgroschen: In der Münzstätte am Annaberger Mühlentor um 15oo geprägte Münzen, auch Schreckenberger genannt.

Erbbereiten: Eine durch ein Testament von 1318 urkundlich belegte bergrechtliche Neue­rung, nach der der Landesherr auf wesentli­che Teile seiner Bergbaueinnahmen verzich­tet und in der die Vererbbarkeit von Berk­werksbesitz geregelt ist. Durch Erbbereiten festgelegte Grubenfelder wurden im Gelän­de durch „Lochsteine" markiert. Mit dem Erbbereiten wurde die ursprüngliche Eintei­lung in einzelne Lehen gegenstandslos.

Erbhäuer: Ein mit allen Arbeiten unter Tage vertrauter Bergmann, der vollen Lohn erhielt und Gedinge übernehmen durfte.

Erbstollen: Auch Erbstolln. Bergrechtsbe­griff aus dem Stollenrecht. Danach ist ein Erbstollen der vom tiefsten Punkt des Ta­les zu den Erzabbauen vorgetriebene Stol­len, über den das in die Gruben fließende Grundwasser abgeleitet wird. Diejenigen, die solche Stollen anlegten bzw. deren Bau

finanzierten, erwarben sich außer dem Ab­baurecht an den im Stollen und seiner näch­sten Umgebung angetroffenen Erzen einen Anspruch auf Anteil am Gewinn aus der Erzförderung der entwässerten Abbaue. Der Anteil am Gewinn betrug das „Stolln­neuntel", d.h. neben dem dem Markgrafen zustehenden Zehntel an der Gesamtförde­rung ein weiteres Zehntel. Als Erbstollen wurde ein Entwässerungsstollen nur dann anerkannt, wenn er mindesten io Lachter (20 m) unter dem darüberliegenden Stol­len angelegt, mit den Gruben durchschlä­gig wird. Der bekannteste Erbstollen ist der 1384 von den Meißner Markgrafen über­nommene „Fürstenstollen", der die Grund­lage für die weitere Existenz des Freiber­ger Reviers bildete.

Der Begriff „Erbstollen" ist seit dem 14. Jahrhundert auch im Zusammenhang mit dem Erbbereiten nachweisbar, d.h. seit die­ser Zeit ist die Vererbbarkeit der Erbstol­len geregelt.

Ersaufen: Eine Grube läuft voll Wasser, weil dieses nicht mehr bewältigt werden kann oder weil sie aufgegeben bzw stillge­legt wurde.

Erz: Gegenstand der Suche des Berg­mannes. Besteht meist aus einem Mineral­gemenge mit nutzbarem Metallgehalt. In der Gesteinskunde nennt man alle metal­lischen Gemengteile Erz.

Erzfall: Konzentrierte Ansammlung von edlem Erz auf einem Gang.

Erzfuhrleute: Privilegierte freie Unter­nehmer oder Werksangehörige, zur Berg­werksverwandtschaft gehörig. Nicht privi­legiert waren Bauern, die im Frondienst oder im Lohn Erz fuhren.

Erzhöle, Erztruhe: Ein zum Erzführen zugerichteter Kasten, der alle halben Jahre geeicht werden soll.

Erzhöl-Führer: Fuhrmann, der den Erz­transport zur Hütte realisiert. Zur Verrich­tung der Erzhöl-Fuhren sind vornehmlich die Grundherren, dann die Gewerken zu­gelassen.

Erzstufe: Ein Stück Erz. Besonders schön ausgebildet dient es zu Anschaungs- und Sammlerzwecken.

Erzverschmierer: In fündigen Gruben wurde Erz hinter Lehm versteckt, damit an­fahrende Gewerke glaubten, daß keine Aus­sicht auf Erzanbrüche sei und ihre Kux bil­lig losschlagen.

Erzwäsche: Aufbereitung der gepochten Erze über Schwerkrafttrennung mittels Wasser.

Fahren, Fahrung: Jegliche Art der Fort­bewegung des Bergmannes in der Grube. Beim Fahren ist es gleichgültig, ob der Berg­mann läuft, steigt, kriecht, steigt, klettert oder mit der Grubenbahn oder im Förder­korb tatsächlich fährt.

Fahrhaube: Haubenartige Kopfbedeckun aus weißem Leinen mit langen Bändern, die auf die Schultern herabhängen oder im

Nacken zusammengeknöpft werden. Die Haube ist innen ausgepolstert.

Fahrkunst: Die Fahrkunst wurde 1833 von Bergmeister Dörell erfunden. Es sind ne­beneinander liegende, sich gegenläufig auf und ab bewegende Fahrten. Durch ein sprossenweises Übersteigen von einer zur anderen Fahrt bzw zurück ist ein Einfah­ren bzw. Ausfahren möglich.

Fahrt: Hölzerne Leiter, auf der man in die Grube steigt. Eine ganze Fahrt ist 12 Frei­bergische Ellen lang und besitzt 24 Spros­sen. Nach solchen Fahrten rechnen die Bergleute die Teufe. Die Länge einer Fahrt entspricht dem Abstand der Ruhe- bzw. Umsteigebühnen zwischen den parallel oder versetzt angeordneten Fahrten im Ein­fahrschacht. Nach anderen Angaben wird die Fahrt mit einer Länge von ca. 4 Lachter = 8 m angegeben.

Fahrzeug: Grubenzeug oder Grubenbe­kleidung.

Faktor: Privatbeamter zur Leitung von Fa­briken, z.B. Hüttenwerken. Er ist Aufseher über ihm untergebene Hüttendiener, die als Anrichter, Guardian, Schmelzer, Abtreiber, Silberbrenner, Garmacher, Kupferschmiede oder in anderen Tätigkeiten arbeiten. Er ist für die Rechnungsführung, die Einnahmen und Ausgaben, insbesondere die günstige Beschaffung von Blei, Lehm, Ziegeln, Bret­tern, Schindeln, Treib-, Brenn- und Bauholz und eisernes Hüttengezähe verantwortlich. Er sei nicht befugt, ohne ausdrückliche Ver­günstigung Kupferhandel zu betreiben.

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Fallen: Einfallen, Neigung einer Gebirgs­schicht oder eines Erzlagers zur Horizon­talen. Der Einfallswinkel zwischen der Schicht und der gedachten horizontalen Ebene gibt das Fallen der Lagestätte in Winkelgrad an.

Fäustel: Ein eiserner Hammer des Berg­mannes. Als Handfäustel ist es der Schlägel mit dem auf das Eisen geschlagen wird, um das Erz aus dem Gang zu brechen. Weiter­hin gibt es Ortfäustel oder Päuschel, Keilfäustel, Fimmelfäustel (Fimmel = starker Keil), Pfahlfäustel, Bohrfäustel, Scheidefäu­stel und Stempelfäustel.

Federn: Sehr flache Keile, die im Abbau zerklüfteter Bereiche in sehr schmale Ris­se und Spalten getrieben wurden.

Fehlschlag: Teil der Wasserhaltung über Tage, über den überschüssige Wassermen­gen, z.B. bei hohem Niederschlag, ins Tal abgelassen werden können.

Feld: Die Gerechtigkeit auf und mit dem Gange. Daher sagt man: Sein Feld erstreckt sich so und so weit. Feldort ist, wenn aus einem Schacht oder Stollen ein Ort entwe­der im Hangenden oder Liegenden hinaus nach vorliegenden Gängen getrieben wird. „Feld bedeutet in der Bergmannssprache einen Distrikt auf einem Gebirge oder La­gerstätte, auf welchem entweder schon vor­her Bergbau getrieben worden ist, oder ge­genwärtig getrieben wird, oder unternom­men werden kann".

Feldbauer: Mittelalterliche Bezeichnung für einen Bergmann, der sein bergamtlich verliehenes „Grubenfeld" unter Tage ab­baute.

Feldgestänge: Stangenkunst, mit der die Kraft und Bewegung eines Wasserrades zu einem Ort übertragen wurde, an dem kei­ne Wasserkraftmaschine errichtet werden konnte.

Feste: Siehe auch Bergfeste und Pfeiler.

Feuermänner: Auch Büßer genannt, wa­ren die Bergleute, die in den Steinkohle­gruben vor Schichtbeginn die Wetter ab­brennen mußte. In feuchte Tücher gehüllt fuhren sie auf dem Boden kriechend mit ei­ner an einen langen Stock gebundenen Fak­kel vor Ort um sicherzustellen, daß keine schlagenden Wetter vorhanden waren bzw um diese abzubrennen. Für diese Arbeit wurden vorwiegend Leute eingesetzt, die eine Straftat begangen hatten (daher die Bezeichnung Büßer), oder die Betreffen­den wurden per Los bestimmt.

Feuersetzen: Vor der Anwendung des Schießpulvers angewendetes Verfahren, um das abzubauende Gestein durch die Wär­mewirkung von Holzfeuern zu zermürben.

Fäustel: Eiserner Hammer mit gleichge­staltigen Endflächen, auch Schlägel ge­nannt.

Filz: Moor.

Fimmel: Zugespitzter starker Keil zum Abtrennen großer Gesteinspartien.

Finder: Siehe Fundgrübner.

Firste, Förste, Fürst: Ist der obere Teil des Stollns und wird auch die Stollenfirste genannt. Ist je nach Bauart waagerecht oder als Rundung ausgeschlägelt.

Firstenbau: Abbauverfahren für gering­mächtige, steilstehende Lagerstätten. Längsfrontige Abbauweise, wobei ein Schrägstoß in mehrere Firstenstöße aufge­teilt und streichend verhauen wird.

Flach: Neigung zwischen 15° bis 45°

Flachegänge: Siehe Gang. In Stunde 9­12 streichende Gänge.

Flöß: Ein ca. zwei Fuß breiter Graben, der bis zur Sohle des Seifengebirges reicht und unten mit Rasen oder Steinen abgedeckt ist. Die Flößen wurden von der Seite mit Was­ser gespeist. Durch das starke Gefälle in dem Graben wurde die von den Seifnern hinein­geworfene zinnhaltige Erde von Schlamm, Wurzeln und Rasen getrennt, und der schwerere Zinnstein setzte sich auf dem Grund ab. Dabei wurde das in den Graben geworfene Material zusätzlich mit der Sei­fengabel durchgearbeitet, um größere Stük­ke herauszuwerfen. War die Flöße vollge­seift, wurde das darin enthaltene Zinnstein­konzentrat mit einem Läuterhobel gereinigt.

Floßgraben/Flößgraben: Künstlich an­gelegter Graben zum Heranführen von Aufschlagwasser und Brauchwasser. Gele­gentlich auch zum Transport von Baum­stämmen genutzt.

Flotation: Ein erst seit Beginn des 20. Jahr­hunderts eingesetztes Verfahren zur Erz­anreicherung, bei dem dem Wasser zuge­gebene oberflächenaktive Stoffe (z.B. Öle) eine schnellere und vollständigere Tren­nung des Pochgutes in Erz und taubes Ge­stein bewirkten. 1884 von deutschen Berg­leuten erfunden, wurde die Flotation zu­nächst zur Trennung von Graphit und Gesteinsmehl genutzt. Zur Erzaufbereitung eingesetzt wurde dieses Verfahren jedoch erstmalig in Broken Hill, Australien.

Ftötzschen: Breitschlagen. Ein zuverlässi­ges primitives Hilfsmittel zum Erkennen von Mineralien. Sie wurden unterschieden in solche, die sich breitschlagen (quetschen, flötzschen) lassen und solche, die spröd sind und wegspringen.

Flöz: „Wird dasjenige genannt, was nicht gangweise streicht und ins Feld will, son­dern nur der Breite nach, d.h. horizontal, sich ins Feld erstreckt, darüber und darun­ter aber wieder festes Gestein ist". Horizontal liegende Lagerstätte. In der Steinkohle liegen meist mehrere Flöze von unterschiedlicher Mächtigkeit übereinan­der.

Fluter: Ein breites Gerinne aus zwei Spundstücken, durch das Wasser laufen kann. Diesem gleicht ein Flutbett, welches in die Kunstgräben gelegt wird, um entwe­der das Wasser dadurch auf die Zarge (Was­sermaschine oder auch Künste genannt) zu geben oder in Fluten abzuführen. Das aus den Pochwerken ablaufende Wasser wird ebenfalls Flut genannt.

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Fördern: Erz, Gänge oder Berge aus der Grube zu Tage oder innerhalb der Grube fortschaffen. Transportarbeit.

Fördergestell: Hervorgegangen aus dem „Förderkorb". Das Fördergestell nimmt entweder die Förderwagen oder die Berg­leute bei der Ein- und Ausfahrt (Seilfahrt) auf.

Förderturm: Turmartiges Gebäude über dem Schacht, in dem die Seilscheibe hängt und, je nach Bauart, auch die Förder­maschine untergebracht sein kann. Über den Förderturm wird ein- und ausgefah­ren.

Form: Ist eine eiserne oder kupferne Röh­re, in der der Blasebalg liegt. Sie verhin­dert, daß der Blasebalg Feuer fängt und den Wind zurückzieht.

Freie Bergstadt: Bergbaustadt mit beson­deren Vorrechten. (Siehe auch: Bergstadt)

Frischen: Schmelzen der (Eisen-)Gänze, um schmiedbares Eisen herzustellen. In ei­ner anderen Bedeutung: Wenn das gebro­chene Schwarzkupfer mit Frischblei und Glöte beschickt wird und Frisch- oder Sai­gerstücke hergestellt werden.

Frischer: Eisenhüttenleute, die kooperativ graues Hochofeneisen (Gußeisen) im Frischfeuer mit starkem Gebläsewind auf­heizten, um den überschüssigen Kohlen­stoff zu entziehen, damit man es als fri­sches Schmiedeeisen schmieden, härten und schweißen konnte.

Frosch, Froschlampe: Offene mit Öl be­triebene Grubenlampe, aus Metall gefer­tigt und mit einem Haken versehen, um sie vor Ort aufzuhängen.

Fuhre: Hohlmaß. Eine Fuhre entspricht i8 Kübel zu insgesamt 363,3 Liter.

Fuhrherr: Transportiert das Roherz von der Grube zum Pochwerk bzw. das gepoch­te Erz zur Hütte.

Füllort: Erweiterter horizontaler Gruben­raum am Schacht, in den die Strecken aus dem Grubenfeld münden. Hier werden die herbeigeförderten Massen aus der Trans­portkarre in das Schachtfördergefäß (För­derkorb, Tonne) umgeladen.

Fundgrube: „Das Feld, in dem der erste Gang entblößt und Kübel und Seil einge­worfen wurden". Grubenfeld, welches nach alten Bergordnungen dem ersten Finder oder Muter auf einer vorher nicht bekann­ten Lagerstätte zugeteilt werden mußte. Eine Fundgrube bestand ursprünglich aus sieben Lehen längs des Erzganges, wobei ein Lehen ein quadratisches Feld von je 7 Lachter ist. Ab dem 16. Jahrhundert wur­de nach einer berechtigten Mutung ein Grubenfeld von 7 Lachter Breite und vom Erzfundpunkt aus beiderseits in Längsrich­tung des Ganges je 3o Lachter (insgesamt 6o Lachter = 120 m) verliehen. Die Größe einer Fundgrube konnte lokal unterschied­lich sein.

Fundgrübner: Bergbautreibender. Auch eingeschränkt: Ein mit einem Grubenfeld

beliehener Bergwerkseigentümer. Der er­ste Finder eines Erzganges hatte das An­recht auf die „Fundgrube", eine ca. 168o m² große Fläche. Die daran anschließenden Grubenfelder, die „Maßen", waren dage­gen auf 7 Lachter x 4o Lachter (ca. 1120 m2) beschränkt. Nach der allgemeinen Vorstel­lung war der Fundgrübner ein reich gewor­dener, glücklicher Bergmann.

Fündig: Eine Grube, die reich an nutzba­ren Mineralien und Erzen ist.

Fuß: Längenmaß, welches in Sachsen mit 10 Zoll = 287,7 mm gemessen wird.

Fußstecke: Im Kohlebergbau Stecke am unteren Ende eines Abbaustrebes (Fuß), in dem die im Abbau gewonnene Kohle abge­fördert wird.

Gakellampe: Eine mit offener Flamme brennende Öllampe. Geleucht des Bergman­nes. Grubenblende. Siehe auch Blende.

Gang: Eine mit Erz, Letten oder anderem Material ausgefüllte Spalte im Gesteins­verband. Plattenförmige Minerallagerstät­te in Form eines Spaltenraumes. Ist später als das umgebende Gebirge entstanden. Gänge fallen mit mehr als 20 Grad ein, bei weniger als 20 Grad werden sie Flöz ge­nannt. Die Gänge werden je nach geogra­phischer Ausrichtung als Morgen-, Spat-, stehende oder flache Gänge bezeichnet. Die Richtung der Längsausdehnung wird ent­sprechend der alten Kompaßteilung in Stunden angegeben: Morgengang: Stunde 3 bis 6; Spatgang: Stunde 6 bis g; Stehen­

der Gang: Stunde g bis 12; Flacher Gang: Stunde 12 bis 3.

Gangart: Nichtmetallische Mineralisation, die den Erzgang begleitet. Zu den Gangar­ten gehören z.B. Schwerspat, Kalkspat, Flugspat und Quarz.

Gangkreuz: Zwei oder mehrere sich durch­setzende Erzgänge. Im Zentrum des Gang­kreuzes sind meist hohe Konzentrationen edler Erze zu finden.

Gangzug: Eine größere Anzahl von Gän­gen, die sich in derselben Richtung dicht benachbart erstrecken.

Ganz: Das im hohen Ofen erschmolzene und in eine als Gestübbe (Siehe Gestübbe) bezeichnete Form abgestochene Eisen wur­de als Ganz bezeichnet. Das im Frischwerk erzeugte Schmiedeeisen wurde dagegen Deul (Deuleisen) genannt.

Garmacher: Schmelzer, der durch die ent­scheidenden letzten Hüttenprozesse ham­mergares, d.h. mit dem Hammer bearbeit­bares Kupfer erzeugte. Ungares Kupfer war spröde und nur für Gußerzeugnisse oder Legierungen zu verwenden.

Gebäude: Bezeichnung für ein Bergwerk oder eine Zeche.

Gebirge: Vom Bergbau erfaßter Teil des Erdkörpers.

Gebirgsdruck: Der auf offene Grubenräu­me wirkende Druck des umliegenden Ge­ Normal 0 21

steins, dem der Bergmann durch Einbrin­gen des Ausbaus begegnet.

Gebirgsschlag: Plötzliche Gebirgsbewe­gung, die starke Erschütterungen auslöst und im schlimmsten Fall zum Einsturz von Grubenbauen führen kann.

Gedinge: Eine nach Menge und Qualität vorgegebene Arbeitsaufgabe für den Berg­mann ohne Berücksichtigung der aufge­wendeten Zeit. Akkordarbeit für verschie­dene Leistungen, die etwas besser als Schichtarbeit entlohnt wurde, daher ge­sucht.

Gedingezeichen: Zu den Quartalen am Stoß eingemeißelte Markierungen, wie Vortriebsrichtung oder Jahreszahlen.

Gedingehäuer: Häuer, der im Akkord ar­beitete.

Gefluter: Aus Fichtenholz gezimmertes Gerenne, über das die Aufschlagwässer auf die Wasserräder geleitet werden.

Gegenprobierer: Ein von den Gewerken berufener Probierer, der das Ergebnis der bergamtlich eingesetzten Probierer kon­trollierte. Bei Differenzen einigte man sich auf einen Mittelwert, wenn auch zwei neue Probenresultate nicht übereinstimmten.

Gehänge: Abhang, Hang.

Gekrätz: Oxidischer, fester, ascheförmiger Belag auf der Schmelzoberfläche.

Geleucht: Vom Bergmann unter Tage mit­geführte Lampe. Das Geleucht hat sich vom Kienspan der Antike über die mit Öl oder Talg gefüllte Froschlampe und die geschlos­sene Freiberger Blende zur elektrisch be­triebenen Lampe entwickelt.

Generalschmelzadministration: 1710 von König August dem Starken verordne­te Vereinigung aller wesentlichen Privat­hütten in Staatshand zur Sicherung des Monopols im Hüttenwesen. Die Oberlei­tung erhielt das 1555 gegründete Oberhüt­tenamt.

Gerinne, Gerenne: Wasserrinne zum Zu­- bzw Ableiten der Aufschlag- und Abschlag­wässer.

Geschicke: Feinste Klüfte, die mit den Gän­gen in die Teufe ziehen und beständig Erz liefern.

Geschiebe: Gerölle oder auch ein mit mil­dem Tonschiefer ausgefüllter und mit Let­ten versehener Gang, welcher Erzgänge durchsetzt und verwirft.

Geschrei, Berggeschrei: Die Nachricht vom Auffinden einer reichen Lagerstätte. Lockte viele Bergleute und Abenteurer an die neue Fundstelle.

Geschworene: Ursprünglich 2 bis 6 ge­wählte, ehrenamtliche Sachverständige. Seit dem 15. Jahrhundert vereidigte, beam­tete Bergbedienstete zur technischen und ökonomischen Betriebskontrolle, die „berg­verständig, gewissenhaft und ehrlich sein

sollen. Sie haben u.a. die Aufgabe, beim Be­stätigen des sonnabendlichen Anschnitts und den quartalsweisen Abnahmen der Re­gister und Abrechnungen zugegen zu sein". Sie können die Arbeit der Steiger kontrol­lieren.

Gesenk: Die tiefste Stelle in der Grube, von der aus immer weiter abgeteuft wird. Ort, an dem sich das Grubenwasser sammelt.

Gesprenge: Höhenunterschied beim Zu­sammentreffen von zwei im Gegenortbe­trieb vorgetriebenen Stollen. Entsteht durch Markscheidefehler.

Gesteinsstaubsperre: Im Steinkohlen­bergbau in den Strecken unter der Firste lose aufgelegte Bretter, die mit Marmorstaub be­laden sind. Bei einer Explosion werden die­se von der Druckwelle heruntergeschleu­dert, wobei der heruntergewirbelte Marmor­staub die Explosionsflammen erstickt.

Gestübbe: Lehmige oder tonige mit Koh­le versetzte feuerfeste Masse, wird in Schmelzöfen gebraucht. Dient als Form für das abgestochene Eisen.

Geviert Feld: Auf der Erdoberfläche wird von der Stelle, wo eine Lagerstätte nachge­wiesen ist, eine Fläche von der gesetzlich vorgeschriebenen Größe der Länge und Breite nach abgesteckt.

Gewältigen: Gruben von hereingestürzten Gesteinsmassen oder Wasser entleeren. Sie­he auch Aufwältigen. „Alte Schächte wie­der aufnehmen und gewältigen".

Gewerkschaft: Älteste Rechtsform einer Bergwerksgesellschaft. In des Wortes ur­sprünglicher Bedeutung: Zusammenschluß von Gewerken, d.h. Bergbautreibenden, die an einem Bergwerk geldlich beteiligt wa­ren. Die Geldanteile wurden in Form von Kuxen gehalten. Im weitesten Sinne war jeder Bergbautreibende ein Gewerke.

Gewinnung: Nutzbare Minerale oder Koh­le aus dem Gesteinsverband lösen.

Gezäh: Arbeitsgerät des Bergmanns. Zum Gezäh zählen etwa 5 0 verschiedene Werk­zeugformen, vor allem Schlägel und Eisen, Bohrer, Fäustel, Spitz-, Breit- und Keilhaue und Kratze. Gezäh wird auch das Arbeits­gerät der Schmelzer in den Hütten ge­nannt.

Gezeuge: Maschinen aller Art im Bergbau zur Wasserhebung (Pumpen), zur Förde­rung und zur Bewetterung (Frischluftver­sorgung durch Ventilatoren oder Blasebäl­ge).Angetrieben werden die Gezeuge durch Wasserkraft oder Göpelwerke oder mit der Handhaspel.

Gezeugstrecken: Horizontale, im Strei­chen einer Lagerstätte betriebene Strecken mit denen die Lagerstätte in horizontale Ab­schnitte unterteilt wird. Der vertikale Ab­stand zwischen zwei Gezeugestrecken be­trägt zo Lachter Teufe. Die Gezeugestrecke (auch als Sohlen bezeichnet) wurden in die Teufe numeriert. Die tiefste Gezeugestrek­ke bestimmt auch die Tiefe der Grube.

Gezeugstreckenteufe: Abstand zwischen Normal 0 21

zwei Gezeugestrecken, betrug 2o Lachter (rund 40 m).

Gicht: Oberste Öffnung eines Schachtofens mit der Lichtbühne zum Nachfüllen (Be­gichten) von Brennstoffen, Zuschlägen und Erzen.

Gifthütte: Als Gifthütten wurden insbe­sondere Hütten bezeichnet, die arsenhalti­ge Erze verarbeiteten oder Vitriol herstell­ten. Diese Hütten mußten immer abseits von Ortschaften errichtet werden. Daß Mensch, Tier und Pflanzen vom Rauch die­ser Hütten krank werden können, war schon immer bekannt.

Gießhütten: Sie stellten direkt vom Hoch­ofen Gußwaren wie Kochtöpfe, Pfannen, Ofenteile, Grabkreuze und Tröge her. Sie arbeiteten saisonmäßig, je nach Auftrags­bestand, neben dem normalen Hochofen­betrieb.

Glanz: Bezeichnung für eine Bergart, die häufig auf Silbergängen bricht und meist Blei und Silber, oft auch Kupfer enthält. Die Ei­genschaft des hohen Glanzes haben meist sulfidische (schwefelhaltige) Erze. Der Glanz wird auch im Namen der Minerale zum Aus­druck gebracht, z.B. Bleiglanz, Eisenglanz oder Silberantimonglanz.

GLauchherd: Unbeweglicher Waschherd mit glatter Oberfläche.

Glocke: Glocken spielten im Leben der Bergleute inne wichtige Rolle. Als Wäch­terglocke oder Hutglocke war sie eine Si­gnaleinrichtung, die bei jedem Spiel des asserrades, d.h. bei jeder Umdrehung, an­schlug und so die Funktion z.B. der Was­serpumpen anzeigte. Als Häuerglocke be­stimmte sie den Arbeits- und Lebensrhyth­mus. Sie wurde täglich eine Stunde vor und zu Schichtbeginn geläutet.

Glöte: „Das Blei, das beim Abtreiben kal­ziniert". Bleioxyd.

Glück auf: Seit 165o gebräuchlicher berg­männischer Gruß, der meint, Klüfte und Gänge sollen sich auftun. Im Tiefbau meint er eine gute Grubenfahrt und glückliche Rückkehr.

Gnadenlohn: Unterstützung für arbeits­unfähige Bergleute aus der Knappschafts­kasse.

Goldseifen: Goldhaltige Flugschotter oder ältere goldhaltige Sedimente, die Ziel der Goldwäschertätigkeit sind. Goldseifen ent­halten oft das chemisch reinste Gold in ho­hen Konzentrationen. Die Seifen werden mit Waschherd, Sichertrog bzw. Wasch­pfanne ausgebeutet.

Göpel: Auch Gaipel. Eine altertümliche Schachtfördermaschine mit stehender Wel­le, untergebracht in einem runden und oben spitzen Gebäude. Angetrieben wird die För­dereinrichtung von Pferden, indem diese im Kreise laufen, dabei die Welle und so­mit das Seil für die Erz- und Bergeförde­rung oder Wasserhebung bewegen. Pferde und das Förderseil sind im Göpel vor der Witterung geschützt. Göpelbub und Gö­

pelknecht trieben die Pferde an und leer­ten die geförderten Kübel gemeinsam mit dem Stürzer.

Göpelpyramide: Wegen seiner Pyrami­denform Bezeichnung für das Gebäude, in dem der Göpel untergebracht ist.

Grabenbeheckung: Dichte Überdeckun des Wassergrabens aus Fichtenzweigen, um im Winter das Gefrieren des Wassers zu verhindern.

Grabenbrust: Teil eines am Hang entlang­geführten Kunstgrabens. An der Talseite eines Kunstgrabens wird dieser mit einer stützenden Holzkonstruktion, dem Holz­verzug, und aufgeschüttetem Erdreich ge­sichert. Auf der Grabenbrust führt der Gra­benweg entlang.

Grabensteiger: Aufsichtsperson über Kunstgräben.

Graupen: Meist sind „Zinngraupen" (kri­stallisierter Zinnstein) gemeint, es werden aber auch größere Erzkörner so benannt.

Greisen: Zinnführendes Gestein. Durch Fluorverbindungen bei der Gebirgsbildung angegriffene obere Granitschichten.

Grube, Grubengebäude: Bezeichnung für das gesamte Berggebäude.

Grubenbau: Planmäßig geschaffener bergmännischer Hohlraum.

Grubenfeld: Ursprünglich mit der Fundgrube identisch, die sieben Lehen entsprach. Vom 12. bis 15. Jahrhundert wurden dem Grubenfeld (im Freiberger Raum) beider­seits zunächst sieben, dann acht Nebenle­hen angefügt: für Markgraf, Markgräfin, Marschall, Truchsess, Kämmerer, Rat der Stadt (Freiberg), Bergmeister und Kloster. Bei diesen Lehen handelte es sich um ein Mitbaurecht, d.h. ein Recht an Erträgen bei Erstattung der Unkosten. Vom i6. bis zum i9. Jahrhundert wurde ein Grubenfeld nach Fundgrube und Maßen festgelegt. Maßen sind an die Fundgrube tal- oder bergwärts anschließende Grubenfelder.

Grubengas: Ungiftiges, aber brennbares Methan- oder Sumpfgas, das in Kohleflö­zen auftritt. Mit Luft gemischt ist es hoch­explosiv und die Ursache für Schlagwet­ter.

Grubenholz: Zum Ausbauen und Sichern der Stollen und Örter benutzte runde Fich­tenholzstämme.

Grubenjunge: Erste Stufe der Bergarbeit unter Tage bei der Förderung. Ein Gruben­junge war im Alter von 14 bis 16 Jahren als Bergmann anerkannt und zur Teilnahme am Knappenfest berechtigt, Scheidejungen, Pochknaben und Wäschejungen dagegen nur beim Knappenbier.

Grubenklein: Kleingehauenes Haufwerk (taubes Gestein oder Erz), welches bei der Gewinnung anfällt.


Grubenmauerung:
Von Bergmeister Martin Planer 1567 eingeführte Ausmauerung Normal 0 21

der Stollen zum Schutz gegen den Gebirgs­druck. Die Ausmauerung erfolgte mit Na­tursteinen oder mit Ziegelsteinen.

Grubentheodolit: Hochgenaues optisches Winkelmeßinstrument der Geodäsie, das wahrscheinlich der Mathematikprofessor und Markscheider C. W. Breithaupt erst­mals im Bergbau eingesetzt hat. Mit dem Theodoliten konnten Vermessungen we­sentlich genauer und sicherer als mit Kom­paß und Gradbogen durchgeführt werden. Seit ca. 185o wichtigstes Arbeitsmittel der Markscheider.

Grubenwehr: Im modernen Bergbau be­sonders ausgebildete Bergleute, die bei Not­fällen mit Spezialgeräten ausgerüstet, zum Einsatz kommen.

Gute Geschicke: Reiches Erz.
Haarerz: Haarkies, Millerit.

Habit: „Bergmännische Kleidung in einer der Rangordnung entsprechenden Ausstat­tung. Die Knechte oder Bergknappen und die Jungen tragen ihre Bergkittel, Arschle­der und als Kopfbedeckung Bergkappen, Schachthüte oder Kreisel bzw. Überschlag. Die Häuer tragen außer diesem Habit auch eine Barte und Kniebügel. Die Steiger ha­ben zusätzlich noch Steigerkappe, Gruben­tasche und Tzscherper. Die Knappschafts­ältesten pflegen auch einen Säbel oder Hirschfänger zu tragen. Bei Aufzügen las­sen sich die Bergoffizianten auch in wei­ßen Bergkappen und bunten Hüten, wei­ßen wollenen Bergröcklein, Arschledern und Kniebügeln, auch Grubenseile in den Händen haltend, sehen". Bis 1668 kleidete sich der Bergmann nach der landesüblichen Mode. Unter Tage trug er kurze helle Lederhosen, hochgezogene Wickelstrümpfe (Gamaschen), einen weiß­leinenen Kittel mit angesetzter Güggel (Ka­puze), unter der ein Polster als Kopfschutz war und seit 1516 das Arschleder. Zu Fest­lichkeiten zog er weiße Hosen und einen weißen Tuchrock an. 1668 wurde durch den Oberberghaupt­mann Abraham von Schönberg eine Uni­form mit erkennbarer Rangordnung ein­geführt. Das Berghabit ist mehrfach abge­ändert, aber weltweit aufgegriffen worden. Sofern es amtlich vorgeschrieben war, kann es nicht als Tracht gelten, sondern wurde zur Uniform.

Halde: Aufschüttung aus ausgeförderten und aufeinander gestürzten Bergen vor ei­nem Schacht oder Stollen.

Hammer, Hammerwerk: Ein Betrieb, in dem Eisen und Blech mittels wasserkraf­tangetriebener Hämmer bearbeitet wurde. Hammerwerke alter Art stellten vom Ei­senerz ausgehend bis zum Gebrauchsarti­kel alles her. Hier wurden Stückofen oder Hochofen und Frischfeuer eingesetzt. Im Verlaufe der Arbeitsteilung spezialisierten sich die Hämmer auf bestimmte Produkte. Sie werden unterschieden in Eisenhämmer, Kupferhämmer, Zainhämmer, Blechhäm­mer, Drahthämmer, Schaufelhämmer, Waf­fenhämmer, Sensenhämmer, Rohrhämmer, Nagelhämmer, Kugelhämmer, Stahlhäm­mer, und auch Gießhütten gehörten dazu.


Hammergut:
Fast unentbehrlicher land­wirtschaftlicher Nebenbetrieb zur Versor­gung der ortsfern gelegenen Hammerwer­ke, die aus Holzmangel oft nur 26 bis maxi­mal 40 Wochen jährlich arbeiten durften.

Hammerknechte: Jugendliche, die Ham­merwerksberufe anstrebten, hatten zu­nächst sehr gering bezahlte Hilfsarbeiten zu leisten. Lehrzeit oder Lehrgeld gab es nicht.

Handbohrer: 158o durch Oberbergmeister Martin Weigel zum Bohren vor Ort in Sachsen eingeführt. Die gebohrten Löcher dienten zur Aufnahme von Holzdübeln, die beim Quellen das Gestein zermürben soll­ten bzw. zur Aufnahme des Sprengstoffes im Schießbetrieb.

Handstein: Mineralstufe von besonderer Schönheit.

Hängebank: Raum am untertägigen Ende eines Schachtes. Umschlagort vom Gruben­zum Tagebetrieb. Der Name stammt aus dem Altbergbau, wo es der Ort war, an dem das Fördergefäß in den Schacht eingehängt wurde. Übertage wird auf der Hängebank die geförderte Tonne „gestürzt" und in bereit­stehende Karren entleert.

Hangendes: Über dem Flöz oder oberhalb der Erzader liegende Schichten.

Hängekompaß: 1633 vom sächsischen Markscheider B. Rößler erfunden. Der Hän­gekompaß wurde in der Mitte einer zwi­schen zwei Vermessungspunkten ausge­

spannten Schnur aus bestem Hanf, der Markscheideschnur, aufgehängt und er­laubte eine genaue Richtungsvermessung. Wichtigstes Vermessungsinstrument bis zum Einsatz des Grubentheodoliten.

Haspel: Einfache Schachtfördereinrichtung (Winde) für den Handbetrieb. Besteht aus einem in einem Ständer über der Grube aufgestellten Rundbaum, um den das Seil läuft. An den Seiten sind Pleuleisen befe­stigt, an denen die Haspelhörner befestigt sind. Durch Drehen der Haspel wird das Seil auf den Baum aufgewickelt und somit das in Kübeln gefüllte Erz oder die Berge aus der Grube gezogen. Zum Betrieb einer Haspel waren bis zu vier Haspelknechte er­forderlich. Haspelarbeit galt als Vorberei­tung für die besser bezahlte, aber körper­lich anstrengendere Häuerarbeit.

Haspelberg: Eine schräge Verbindung zweier Sohlen (vgl. Bremsberg).

Haspelknecht: Bedient die Haspel zur Erz­förderung oder zum Wasserheben.

Häuer, Hauer: Bergmann, der auf den Gängen vor Ort Erze oder Berge abbaut. Facharbeiter, der nach der speziellen Tätig­keit als Gesteins-, Kohlen-, Umbau-, Schieß-, Lehr- oder Fahrhäuer bezeichnet wird.

Haufwerk: Durch bergmännische Arbeit aus dem Gebirgsverband gelöstes Gestein.

Heinz/Heinzenkunst: Röhrenwerk, das mit dem unterem Ende in den Sumpf oder Normal 0 21

einen Wassersammelbehälter ragte, durch das eine eiserne Kette lief, an der in gleich­mäßigen Abständen mit Roßhaar gefüllte Lederbälle eingefügt waren. Die durch Was­serräder oder Treträder in Bewegung ge­setzte Kette hob mit den im Durchmesser der Röhre angepaßten Lederbällen das Was­ser bis zum Austrag.

Helm: Gezähestiel, auch Deckel.

Herd: Geneigte Fläche, auf der das feinkör­nige Material aus dem Pochwerk mit Hil­fe eines Wasserstromes aufbereitet wird. Der Treibherd ist ein Teil des Herdofens im Hüttenbetrieb.

Hereinbrechen: Gewinnen des abzubau­enden Materials durch Hereinstürzen von der Abbaufläche in den Stollen.

Hobel: Abbaugerät im Steinkohlebergbau. Das Gerät ist auf einem Strebpanzer mon­tiert und wird am Flöz entlanggezogen, wo­bei Meißel Kohle aus dem Flöz heraus­schneiden.

Hochofen: Hohe Öfen, in denen man aus Eisenerzen und eisenhaltigen Verbindun­gen Roheisen gewinnt.

Höle: Ein auf ein definiertes Volumen aus­gehauener halbrunder Baum, in dem das Erz auf einem Wagengestell transportiert werden kann. Das Volumen einer Höle ent­spricht dem von achtundzwanzig hölzer­nen Körben, (wobei ein hölzerner Korb lan­desunterschiedlich ein Volumen von 0,13 bis 0,3 m3 hatte).

Hornerz: Eines der reichsten Silbererze, auch Hornsilber, Chlorsilber, Kerargyrit ge­nannt.

Hornstatt: Haspelort unter Tage.

Hunt: Kleiner vierrädriger Förderwagen in verschiedensten Konstruktionen. Die älte­sten Modelle wurden über einen sogenann­ten Spurnagel, ein Zapfen an der Untersei­te des Wagens, der in eine Rille der Lauf­bretter hineinragte, in der Spur gehalten. Die späteren Hunte fuhren auf Gleisanla­gen.

Huntestößer: Schlepper, der die Hunte be­wegt.

Huthaus: Feudallastenfreies Bergwerksge­bäude neben dem Schacht, in dem die für den Betrieb des Bergwerkes notwendigen Gerätschaften aufbewahrt wurden. Das Huthaus diente auch zum Ausruhen nach dem Anmarschweg zur Arbeit, zum Ver­sammeln und zum gemeinsamen Schicht­gebet der Bergleute vor dem Einfahren zur Schicht.

Hutmann: Grubenaufseher, oft auch Wirt, der im Hut- oder Zechenhaus wohnt. Hut­leute haben auf der Zeche Erz, Gezähe und andere im Bergbau benötigte Dinge vorrä­tig zu haben, zu überwachen und zu hüten. Sie haben auch darüber zu wachen, daß trun­kene Arbeiter nicht in die Grube fahren.

Hütte: Gebäude, in dem die Schmelzöfen zur Verarbeitung (Verhüttung) der Erze stehen.

Hüttenkatze: Eine Krankheit der Hütten­arbeiter, die ihre Ursache im Gestank, Staub und den giftigen Abgasen bei der Verhüt­tung der Erze hat. Sie äußert sich in Läh­mungserscheinungen und Husten. Verglei­che Bergsucht.

Hüttenmeister: Dem Steiger vergleichba­rer technischer Leiter eines Hüttenwerkes, der die Arbeit der Hüttenknechte und Hüt­tenjungen anordnet. Die Spezialisten im Hüttenbetrieb dagegen waren von ihm ziemlich unabhängig.

Hüttenrauch: Abgase aus den Metallhüt­ten, vermischt mit mitgerissenen feinen Staubteilchen (Flugstaub). Der Hütten­rauch enthielt vor allem Schwefel-, Arsen-, Antimon- und Zinkoxid, die allesamt ge­sundheitsschädlich sind.

Hüttenreuter., Hüttenraiter: Aufsichts­person für die Hüttenarbeit. Er hat zu kon­trollieren, daß die Schmelzöfen montags mit­tags zwölf Uhr angelassen und sonnabends zur gleichen Zeit zugesetzt und abends ge­gen vier Uhr ausgebrannt werden. Er ist ver­antwortlich für die halbjährliche Eichung der Waagen und Gewichte, der Hölen und Tru­hen der Erz-Fuhrleute und hatte die Hütten­werksrechnungen zu kontrollieren.

Im Lichten: Lichte Weite bzw. Höhe.

In Frist liegen, Ins Freie fallen: Aus Ka­pitalmangel vom Besitzer aufgegebene Grubenanlage, die für andere Bewerber of­fen steht. Unterbrechung der Fördertätig­keit einer Grube.

Inselt, Unschlitt: Talg, welcher von den Fleischhackern bezogen, und für das Ge­leucht der Bergleute benötigt wird. Wird in eine Froschlampe gefüllt und brennt mit offener Flamme zur Beleuchtung des Ar­beitsortes unter Tage. Gezogene Kerzen er­gaben zwar eine bessere Beleuchtung, wa­ren aber teurer. Dies ist insofern von Be­deutung, da der Bergmann die Kosten für Geleucht selbst tragen mußte.

Jahrestafel: Ein in den Stoß einer Strek­ke eingeschlagenes Kennzeichen für die bis zum angegebenen Jahr erreichte Vortriebs­leistung. Meßpunkt für die markscheide­rische Vermessung des Bergwerkes und für die Abrechnung der Leistung der Häuer. Jahrestafeln waren besonders im i8. und lg. Jahrhundert verbreitet. Hat ähnliche Bedeutung wie ein Quartalswinkel.

Jungen: Siehe auch Bergjungen. Jugend­liche ab 6 Jahre, die den Bergmannsberuf ergreifen wollten. Sie wurden zuerst in der Scheidestube, bei der Erzwäsche oder für Transportaufgaben eingesetzt.

Jungensteiger: Auch Bubenhutmann. Ihm waren in der Scheidestube die mit 6­-10 Jahre alten, die Berufsarbeit beginnen­den, Jungen unterstellt. Er mußte sehr gute Mineralienkenntnisse haben und diese an die Jungen vermitteln.

Kalzinieren: Als man im 18. Jahrhundert Metalloide als Metallkalke bezeichnete, ver­stand man unter dem Kalzinieren ein oxi­dierendes Glühen und Rösten erzhaltiger Mineralien, die sich oft erst schmelzen lie­ Normal 0 21

ßen, wenn sie „kalziniert" und dabei von Kristallwasser befreit waren.

Kappe: Rundholz, das von zwei seitlich un­tergesetzten Stempeln an die Firste ge­drückt wird, um dem Gebirgsdruck entge­genzuwirken. Auch: Eiserne Schienen an Tonnen und Kübeln, um sie zu befestigen. Auch: Kopfbedeckung.

Karre: Einrädriges Fördergefäß, Handkar­re, Schubkarre zum horizontalen Transport auf den Strecken.

Kaue: Überbau über einem Schacht zum Schutz vor Wind und Regen. Im einfach­sten Fall ein auf ebener Erde zum Schutz der Haspel über der Schachtöffnung errich­tetes Zelt- oder Pultdach. Auch: Gruben­gebäude, zum Umkleiden und Aufenthalt für Bergleute bestimmt.

Kaukamm: Einseitig angeschliffenes Gru­benbeil.

Kehrrad: Wasserrad mit zwei gegenläufig angeordneten Schaufelkränzen. Je nach Be­aufschlagung mit Wasser kann somit die Drehrichtung geändert werden und die För­dertonne gehoben oder gesenkt werden. Auch als Böhmische Kunst bezeichnet. Wurde um 1460 bis 1470 vermutlich im slowakischen Erzgebirge erfunden.

Keil: Zum Hereinbrechen großer Partien im Abbau wurden verschiedene Keile aus Eisen verwendet. Je nach Größe und Form wurden unterschieden: Keile, Fimmel, Plöt­zen und Federn.

Keilhaue: Starkes Eisenstück mit einer leicht gebogenen Spitze an der einen Seite und einer Öffnung (Auge) zur Aufnahme des Stieles an der anderen Seite. Wird zum Bereißen von lockerem Gestein im Abbau genutzt.

Kellerhalsmauerung: Kellerhalsgewölbe. Eine Gewölbeform im Übergang vom Füll­ort zur Schachtmauerung, welche allmäh­lich vom Füllort zum Schacht ansteigt und gegenüber dem Gebirgsdruck eine hohe Fe­stigkeit aufweist.

Kerbholz: Ein Stück Holz von ca. 2 cm x 2 cm x 10 cm, auf dem der Name des Berg­meisters eingebrannt oder gezeichnet ist. Wird dieses einem Bergmann zugeschickt, hat dieser vor dem Bergmeister zu erschei­nen. Das Kerbholz, auch Rabisch genannt, be­steht aus zwei gleichlangen Holzstäben, auf denen die Bergkosten eingezeichnet wur­den, indem in die zusammengelegten Höl­zer Einschnitte gemacht wurden, die auf beiden Hölzern identisch sind. Die beiden Hölzer wurden an verschiedenen Stellen z.B. einer bei den Geschworenen und einer beim Steiger, verwahrt.

Ketscher: Förderwagen zum Transport von langem Material und Grubenholz.

Kies: Bezeichnung für Eisen- und Kupfer­sulfidminerale.

Kiesig: Schwefelhaltig, sulfidisch.

Kiste: Hölzernes, besenartiges Rührwerk­

zeug zum Waschen des Erzes. Es besteht aus einem rechteckigen Holzbrettchen, an dessen Breitseite ein langer Stiel befestigt ist.

Kittet: Oberkleid der Bergleute aus Lein­wand, das über dem Hemd getragen und wie ein Brustlatz in die Hose gesteckt wird.

Klafter: Längenmaß, das der Länge beider ausgestreckter Arme eines Mannes= 6 Fuß = 1,8 m entspricht. In Sachsen ist das Klaf­ter ein Volumenmaß für Brennholz. Ein Klafter Brennnholz entspricht 1o8 Kubik­fuß = 2,45 m³.

Klärkasten: Auch Klärbecken, in das Waschtrübe zum Absetzen eingeleitet wird.

Klauben: Auslesen der Erze (oder anderen Fördergutes) aus den mitgeförderten Brok­ken und taubem Gestein. Zum Teil Kinder­und Frauenarbeit.

Klopfgestänge: Damit konnte der Steiger mit der Belegschaft Klopfzeichen austau­schen und somit Nachrichten übermitteln.

Kluft: Eine Spalte im Gesteinsverband.

Knappe: Bergmann, insbesondere Häuer.

Knappschaft: „Die Gesamtheit der Berg­leute und derer, die auf dem Bergwerk zu schaffen haben". Seit 1426 Bezeichnung für die vereinigte Kooperation der Häuer und Haspler, mit karitativen Zeichen der gegen­seitigen Hilfe sowie zur Vertretung ihrer Berufsinteressen.

Kniebügel: Rundgeschnittenes Leder zum Schutze der Knie bei der Arbeit. Bei Para­den zur Zier getragen.

Kohlenschmitze: Wenige Zentimeter star­ke Kohlenschicht im Gesteinsverband.

Kohlenwäsche: Nasse Aufbereitung zur Trennung der Kohle vom Nebengestein.

Kommunzeche: Zwangsbergbau auf Ko­sten der Stadtkasse. Als Äquivalent für die Steuerprivilegien einer freien Bergstadt vom Landesherren gefordert.

Kopfstrecke: Die zu einem Streb führen­de obere Strecke.

Krag: Kragloch, Kragöffnung. Öffnung zwischen Ofenraum und Vorherd, durch welche Schlacke und Metall in den Vorherd gelangen.

Kratze: Zum Gezäh gehörendes Werkzeug. Beim Bergmann eine Art Hacke mit brei­tem Blatt, um Material in den Trog zu krat­zen. In der Hütte, um Schlacke von der Schmelze zu ziehen.

Krummofen: Bleischmelzofen mit Vorherd und Sticharbeit.

Kritscheleisen: Krückeneisen, Übertra­gungsglied bei einem Feldgestänge.

Kübel: Hölzernes, mit Eisenbändern be­schlagenes Fördergefäß bei der Haspelför­derung und beim Schachtabteufen. Ein Kü­bel ist von abgestumpfter pyramidaler oder Normal 0 21

konischer Gestalt mit Ösen am oberen Rand. Im Freiberger Revier gleichzeitig Hohlmaß für Erze. Ein Kübel entspricht hier 2500 Kubikzoll =3 1/2 Dresdener Schef­fel zu 103,8 Liter = 363,3 Liter.

Kugelhammer: Auf den Kugelguß spezia­lisierte Hochofenwerke, die ihr Massenfa­brikat meist noch überschmieden mußten. Vereinzelt wurden in diesen Betrieben auch Geschützrohre gegossen.

Kühkamm: Ein Beil, das der Steiger in und außerhalb der Grube benötigt.

Kühschicht: Eine Schicht von 12 Stunden.

Kumpel: Im Erzgebirge seit 1946 nach dem Muster der Kohlehäuer gebräuchliche Be­zeichnung für einen Erzbergmann zur Wis­mutzeit.

Kunst: Bis um 1850 gebräuchliche berg­männische Bezeichnung aller Maschinen­anlagen für Fahrung, Förderung, Bewette­rung, Wasserhebung samt Antriebsmecha­nismen. Z.B. Wasserkunst (zum Wasserheben), Fahrkunst (Einrichtung zur Personenbeförderung im Schacht), Kunst­gezeug (bewegliche Teile einer Maschine).

Kunstgestänge: Vorrichtung, mit der die aus der Drehbewegung einer Antriebsma­schine (Wasserrad) in eine lineare Bewe­gung umgesetzte Kraft auf die eigentliche Wasserhebevorrichtung übertragen wird. Kunstgestänge sind zur Wasserhebung in Schächten eingebaut (vgl. auch Feldgestän­nge)

Kunstgraben: Künstlich angelegter Was­serlauf zum Heranführen der Wasserkraft für die Künste.

Kunstkreuz: Winkelhebel, durch welchen die Kraft der Kraftmaschine (z.B. Wasser­rad) auf das steife Gestänge der Arbeitsma­schine unter Änderung der Kraftrichtung übertragen wird.

Kunstrad: Auch Zeugrad, Wasserrad, durch welches ein Kunstzeug (z.B. Wasserhebe­maschine) in Bewegung gesetzt wird.

Kunstschacht: Schacht, in dem die für die Förderung und Wasserhebung benötigten Gestänge untergebracht sind.

Kupelle: Aus Holz- oder Knochenasche von den Bergleuten selbst hergestellte klei­ne Tiegel, die zum Abtreiben bei der Sil­ber- und Goldgewinnung gebraucht wur­den. Wichtiges Arbeitsmittel für das Pro­bieren. Kupellen sind ca. 3 cm hoch, haben eine konische Form mit einem Bodendurch­messer ca. 3 cm einem Öffnungsdurch­messer von ca. 5 cm. Kupellen sind nur ein­mal nutzbar.

Kupellieren: (siehe auch Abtreiben) Beim Kuppelieren handelt es sich um ein oxidie­rendes Schmelzen unter Luftzutritt, wo­bei das Bleioxid zum größten Teil vom po­rösen Kupellenkörper aufgesaugt, zum an­deren Teil verflüchtigt wird, während die Edelmetalle als sogenannter Regulus auf der Herdfläche der Kupelle zurückbleiben.

Kupferglas: Historische Bezeichnung für glasartig glänzende Kupferminerale, wie Kupferlasur, Azurit. Nach Strunz (Mine­ralogische Tabellen): Cuprit.

Kupferstein: Zum Rohkupfer aufgearbei­tetes Kupfererz, welches zur Hütte gelie­fert wurde.

Kur: Kameradschaft zur notwendigen Ko­operation unter Tage. Anfangs freiwilliger, später vom Steiger geordneter Zusammen­schluß.

Kutten: Die Halde nach noch verwertba­ren Erz durchsuchen.

Kux: Besitzanteil an einem Bergwerk in Form eines Namenspapiers. Ein Kuxe ist der einhundertachtundzwanzigste Teil all dessen, was zu einem Bergwerk gehört. Die 128 Kuxe einer Zeche werden in Schich­ten (32 Kuxe = eine Schicht), und Stämme (1 Stamm = 4 Kuxe) zusammengefaßt. „Erb-Kux ist, der demjenigen frei gebaut wird, auf dessen Grund und Boden das Bergwerk lieget und genießt davon Aus­beute, um das er leiden muß, daß Halden auf sein Feld gestürzt, auch Wege und Ste­ge gemacht werden".

KuxkränzLer: Bergamtlich bestellter Händler mit Kuxen. Der Kuxhandel wur­de zur Vermeidung von wilden Kuxspeku­lationen streng kontrolliert.

Lachter: (Ltr.), bergmännisches Längen­maß von ca. 1,98 bis 2,02 m, unterteilt in 3 1/2 Bergellen (eine Bergelle ca. 57 cm). Zu Freiberg und im Meißnischen Obergebir­ge ist ein Lachter gemeiniglich 3I/ Ellen lang und wird in 8o Zoll eingeteilt. Somit hat ein Lehn 241/2 Ellen (14 m). Ein Wehr hat 49 Ellen (28 m), eine Maß beträgt 98 El­len (56 m) und eine Fundgrube mißt 147 Ellen (84 m) in der Länge.

Laden: Bohrlöcher mit Sprengstoff füllen. Auch: Förderwagen füllen. Auch: Haufwerk wegladen.

Lange Schichten: Eine Arbeit von 12 Stun­den, auch Kühschicht genannt.

Lange Schicht: Eine Lange Schicht fährt ein in der Grube verunglückter Bergmann. In der Sage von der „Langen Schicht zu Eh­renfriedersdorf" wird vom jungen Berg­mann Oswald Barthel berichtet, der im Jah­re 1508 bei einem Bergbruch verschüttet wurde und 1568 - offenbar von den Gru­benwässern konserviert - „gut erhalten" wiedergefunden wurde.

Läufer: Mehrere Ausbausegmente verbin­dendes liegendes Rundholz.

LäuterhobeL: Beim Zinnseifen waren das horizontale, aus Holz gefertigte Rinnen, die treppenartig untereinander angeordnet wa­ren. Mit einer kleinen Schaufel wurde der Zinnschlamm so lange in die obere Rinne zurückgegeben und von Wasser durchströ­men lassen, bis reiner Zinnstein zurück­blieb.

Leckmäuten: Wird es genannt, wenn die Gänge anfangen, gehaltreicher zu werden, wodurch Gewinn erwirtschaftet wird.

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Lehen: Ein Grubenfeld von 7 Lachter x 7 Lachter (14 m x 14 m). Zum anderen ist ein Lehen dasjenige, was ein Muter auf einmal an Fundgruben und Maßen zu ver­leihen begehrt.

Lehnschaft: Nahm der Lehnträger als Inhaber des Bergbaubetriebsrechts eini­ge Mitgesellen auf, entstand eine Lehn­schaft, die ihm einen (oft recht hohen) Anteil am gewonnenen Erz abgeben mußte.

Leseband: Fördermittel über Tage. Förder­band auf dem das taube Gestein ausgele­sen wird.

Letten: Tonartige, bergmännisch taube Kluft- und Spaltenfüllung aus zermahle­nem (verwittertem) Gestein.

Lettenbesteg: Mürbetonartige Bergart in den Klüften zwischen der Gebirgsart und den Salbändern eines Ganges, bei Erzgän­gen auch Ausschramm genannt.

Letzte Schicht: Feierliches Leichenbegäng­nis. Begräbnis eines Bergmanns.

Lichtloch: Von Tage auf den Stollen nie­dergebrachter Schacht, insbesondere für den Wetterwechsel, aber auch Ansatzpunkt beim Stollenvortrieb im Gegenortbetrieb. Der Rothschönberger Stollen wurde z.B. auf einer Länge von 13,9 km über 8 Licht­löcher vorgetrieben.

Liegender Herd: Fest angeordneter Wasch­herd.

Liegendes: Gebirgsmasse unter einer La­gerstätte.

Lidischer Stein: Lydit. Probierstein für Gold- und Silberlegierungen von tief­schwarzer Farbe. Die schwarze Farbe wird durch kohlige Substanzen hervorgerufen. Die Strichfarbe beim Reiben einer Gold­oder Silberlegierung am Lidischen Stein gibt Auskunft über deren Gold- oder Sil­bergehalt.

Lochstein: Markiert über Tage die Mark­scheide, d.h. die Grenze eines Grubenfel­des. Eine typische Art der Markierung für Grubenfeldgrenzen im Mittelalter.

Lösche: Kohleklein, das bei der Steinkoh­lengewinnung, -aufbereitung oder -förde­rung anfällt.

Lösen: Erlangen einer Erlaubnis, einen Stol­len oder auch Schacht so tief in das Gruben­gebäude zu treiben, daß die Grund- und Gru­benwasser abgeführt werden können. Gilt auch für Erbstollen. Eine Nutzung der Gru­benwasser z.B. als Aufschlagwasser ist da­bei eingeschlossen.

Lot: Auch Loth. Gewichtseinheit i Lot = 14,625 g. Die Größe schwankte zeit- und landesbedingt zwischen 14 g und 30 g. Aber auch definiertes Münzgewicht für die Sil­berwährung: Im sächsischen Raum ent­sprach 1 Mark =16 Lot zu 18 Grän =234 g. Der Probierer ermittelte den Silberge­halt im Centner (zu 56 kg) nach Lot. Dreieinhalblötiges Erz enthielt also ca. 5o g Sil­ber im Centner. Die Erztaxe - nach der die Hüttenwerke probiertes Erz kauften – stieg von 1/2 Lot zu 1/2 Lot.

Luppe, Luppenschmiede: Aus niedrig schmelzendem Eisenerz auf dem Rennfeu­er geschmolzenes Eisen, das sich in der Schlacke in kleinen Tropfen konzentrierte und ausgeschmiedet werden mußte.

Lutte: Flexible oder starre Rohrleitung (aus Blech) zur Wetterführung. Bei fehlender natürlicher Bewetterung eingesetzt, um Frischluft an den Arbeitsort zu bringen.

Maß, Maaß: Auch Maas. Erweiterung der Fundgrube auf demselben Gang entspre­chend der Geländeneigung nach unten oder oben. Die unteren oder oberen Maßen wur­den mit 7 Lachter Breite (14 m) und 40 Lachter Länge (8o m) in Richtung des Erz­ganges verliehen.

Mächtigkeit: Dicke eines Flözes oder Gan­ges, entspricht dem rechtwinkligen Abstand zwischen Hangendem und Liegendem in einem Erzgang oder Flöz, in Zoll oder El­len angegeben.

Mark: Normgewicht für Edelmetalle. 1 Mark entspricht ca. 234 g. Zwischen der Mark von Köln, Leipzig, Nürnberg, Erfurt und Wien existierten geringe Gewichtsunterschiede. Bei Gold wurde 1 Mark in 24 Karat, bei Sil­ber in 16 Lot geteilt (i Lot ca. 14,625 g).

Markscheide: Grenze eines Grubenfeldes.

Markscheidekunde: Die Kunst, die Stol­len und Grubengebäude unter der Erde zu

vermessen und zu kartographieren. Um­faßt alle in einem Bergwerksbetrieb anfal­lenden Vermessungsarbeiten. Die ersten Grundrisse von Gruben wurden etwa Mit­te des i6. Jahrhunderts aufgezeichnet. Gru­benkarten senkrecht zur Zeichenebene, so­genannte Saigerrisse, sind seit Anfang des 17. Jahrhunderts bekannt.

Markscheider: „Eine Person, die überta­ge wissen und erfahren kann, wo man mit einem Ort in der Grube oder auf dem Stol­len steckte, muß ausweisen, wo man mit Durchschlägen zusammenkommen, wo man Gänge mit Örtern erbrechen soll, also, der die Ortungen am Tage bringet, Licht­löcher auf Stollen angibt, die Hauptstunde des Ganges absteckt, Lochsteine in die Gru­be fällt, die Markscheidelinie angibt und die Gebäude mit ihren Stollen, Schächten, Strecken, Klüften und Gängen auf eine Mappe oder Abriß bringt, daß man dersel­ben Beschaffenheit auch außerhalb der Gruben abmerken kann. Soll sich keiner des Markscheidens unterfangen, es sei denn von deren Berg-Beamten zugelassen, für tüchtig und seiner Kunst gewiß und fertig erkannt, auch in gebührliche Pflicht ge­nommen".

Meiler: Nach gewissen Vorschriften zu­sammengesetzter Holzhaufen, aus dem durch Verschwelen Holzkohle hergestellt wird. Die Holzkohle wird bei der Erz­schmelze in der Hütte benötigt.

Mettenschicht: Letzte Schicht vor dem Heiligen Abend. Ist traditionsgemäß mit einer feierlichen Ansprache des Bergver­ Normal 0 21

walters und einem Festessen verbunden. Zum Festessen gibt es die einfachen Ge­richte des Bergmannes: Fleisch, Wurst, Speckfett und Eier; dazu Punsch und auch einen deftigen Schnaps. Die Bergleute fah­ren an diesem Tag in ihrem festlichen Ha­bit in die Grube, um hier im Glanz der Ker­zen gemeinsam zu singen, sich über die Fa­milien, die Grube und die Arbeit zu unterhalten. Dieser Tag ist auch Anlaß, der verstorbenen Kameraden zu gedenken.

Mißpückel: Mißpickel. Eine weißglänzen­de Bergara, Arsenkies. Für den Bergmann unerwünschtes Erz.

Mitbaurecht: Das Recht an der Beteiligung von Erträgen einer Fundgrube bei Erstat­tung der Unkosten für die Besitzer von Ne­benlehen. Das Mitbaurecht wurde auch zu einem Zweiunddreißigstel dem Grundbe­sitzer als Ausgleich für die Minderung land­wirtschaftlicher Erträge durch den Bergbau zugestanden.

Mittagsgang: Spatgang, Mitternachtsgang. Stehender Gang, in Stunde 12-15 bzw. 24­-3 streichender Gang mit Fallen von 90-750

Möller: Das von der Gicht aus dem Hoch­ofen zugeführte Gemisch aus Erz, Brenn-n stoffen und Zuschlägen.

Morgengang: Ein Erzgang mit einer Streichrichtung von Westsüdwest nach Ostnordost. Morgen bezeichnete im Mit­telalter auch Osten. Nach Einteilung des Kompaßkreises in Stunde 3 bis 6 bzw. 15 bis 18 streichender Gang.

Mulde: Hölzernes Transportgefäß für den Erztransport, das auf der Schulter getragen wurde.

Mundloch: Die Stelle an der Erdoberflä­che, an der mit dem Bau eines Stollens be­gonnen wurde.

Muten, muthen: „Muthen ist der Vor­gang, wenn der Finder eines Ganges dem Bergmeister durch einen Zettel zu erken­nen gibt, wie er an einem gewissen Orte auf dem Gebirge im unverliehenen Felde eine Fundgrube, Maßen, Stollen, Wasser, Poch- oder Schmiedestatt oder eine ins freie gefallene Zeche aufnehmen will und zu bauen begehrt".

Muter: Er soll den Mutzettel dergestalt ein­reichen, daß darin der Name des Muters, der Ort des Gebirges, das Streichen des Ganges, die Art der Metalle, der Tag und die Stunde und die Anzahl der Fundgruben und Maßen deutlich erkennbar sind.

Naßpochwerk: Pochwerk, in dem das von den Pochstempeln zerkleinerte Material von Wasser durchflossen wird, um den Erz­schlamm weiterzuleiten. Dabei erfolgte gleichzeitig eine Fraktionierung des Pochgu­tes. Das erste Naßpochwerk wurde von Sig­mund von Maltitz 1507 in Dippoldiswalde aufgestellt, wobei er gleichzeitig vom Lan­desherren eine „Befreiung" (eine Art Patent) erhielt, wonach niemand ohne seine Erlaub­nis Naßpochwerke verwenden durfte.

Nebengestein: Gestein im Hangenden oder Liegenden einer Lagerstätte.

Nest: Wenn sich Erzanbrüche nur nester­oder nierenweise finden und kein bauwür­diger Gang vorhanden ist.

Neunte: Der Neunte, das Neuntel. Der neunte Haufen Erz gehörte dem Erbstollen (wie der zehnte Erzhaufen dem Regalher­ren zustand), sofern ein solcher Hilfsbau der Grube Frischluft brachte und in mindestens 20 m Teufe das Wasser ableitete.

Nickelspeise: Schlackenprodukt bei der Nickelschmelze

Oberbergamt: 1542 errichtete oberste Bergverwaltungsbehörde, die der landes­herrlichen Zentralgewalt unterstellt ist. Der sächsische Landesfürst ist der erste (ober­ste) Bergmann.

Oberberghauptmann: Oberster vom Kö­nig als sein Stellvertreter eingesetzter Berg­beamter sowie Gerichtsherr.

Obereinfahrer: Bergbeamter, welcher über mehrere Geschworene gesetzt war und die Oberaufsicht über den Bergbau in den ihm unterstellten Revieren führt, auch Titel ei­nes Geschworenen.

Obersteiger: Aufsichtsführender über die übrigen Steiger einer Grube.

Objekt: Bezeichnung für ein Uranbergwerk der SDAG Wismut. Die Objekte wurden mit Nummern bezeichnet.

Ofenreise: Brenndauer eines Schmelzofens, begrenzt durch Schäden am Mauerwerk oder durch bergamtliche Einschränkungen der Produktion (z.B. Einschränkungen durch Holzmangel).

Ort: Das Ort. Das jeweilige vom Vortrieb erreichte Ende eines Stollens. Gewinnungs­ort beim Abbau. Die Redensart „vor einem Ort ansetzen" kommt daher, weil die Häu­er ihre Arbeit in den Gruben gewöhnlich sitzend oder kniend verrichteten.

Ortsältester: Verantwortlicher einer Ab­baubelegung.

Pechblende: Für den alten Bergmann ein wertloses, pechfarben glänzendes Erz, das ihm „Pech" brachte. Mit der Entdeckung des Urans in der Pechblende durch Klap­proth 1789 kam Uran ab 1830 für Porzel­lenmalfarben und Emailmalerei in den Handel. Nachdem Frau Curie das Radium aus der Pechblende isolierte, steigerte sich das Ausbringen der Pechblende drastisch. Nach 1946 war die Pechblende Ziel der Su­che der SDAG Wismut, um daraus das Aus­gangsmaterial für die Atombombe zu ge­winnen.

Pfeiler: In der Lagerstätte zur Abstützung stehengelassener Teil, auch Bergfeste oder Feste genannt (siehe auch Feste).

Pfennwert: Die laut Bergordnung den Un­ternehmern untersagte Warenlieferung (z.B. Nahrungsmittel, Kleidung, Unschlitt) anstelle von Barlohnauszahlungen.

Pickhammer: Druckluftbetriebener Ab­bauhammer. Normal 0 21

Pingen: Gruben und Löcher von alten ein­gegangenen Schächten. Meist erhebliche Vertiefungen an der Erdoberfläche durch Zusammensturz bergmännischer Anlagen unter Tage auf Lagerstätten, die große Weitungen hinterließen, oder durch un­planmäßigen Abbau einer Lagerstätte. Ty­pische Beispiele sind die Altenberger und die Geyrische Pinge, wo im Zinnsteinab­bau (u.a. durch Feuersetzen) große Hohl­räume entstanden, die plötzlich zusam­menstürzten.

Planenwäscherin: In der Aufbereitung beschäftigte Frauen, die die textilen Planen, die auf den Planenherden zum Auffangen feinster Erzteilchen dienten, über Bottichen auswuschen.

Planeten: Wurden mit den im Altertum bekannten Metallen in Zusammenhang ge­bracht. Sonne = Gold, Mond = Silber, Mars = Eisen, Merkur = Quecksilber, Jupiter = Zinn, Venus = Kupfer, Saturn = Blei.

Planenherd: Geneigter Waschherd, der mit sich abwärts überlappenden Tüchern bedeckt ist, auf denen sich das Erz sam­melt.

Plötzen: Flache, stumpfe Keile, die im Ab­bau eingesetzt wurden.

Pochkinder: Bis ins lg. Jahrhundert arbei­teten Kinder vom io. Lebensjahr an in den Bergwerken, zumeist in der Erzaufberei­tung (im Pochwerk). Sie wurden somit schon sehr früh in die Arbeitswelt des Berg­mannes eingeführt.

Pochwerk: Maschine, mit der Erz, Schlak­ken oder andere Steinarten entweder naß oder trocken auf eine Korngröße kleiner als i mm zerstoßen werden. Dieses Pochgut ist die Grundlage für die weitere Aufberei­tung (Trennung von Erz und taubem Ge­stein) oder den Schmelzprozeß. Die eisen­beschlagenen hölzernen Stempel des Poch­werks werden über Zapfen, die sich auf einer mittels Wasserkraft angetriebenen Welle befinden, angehoben und zerstoßen durch ihr Eigengewicht beim Herunterfal­len das Erz.

Pochwerksteich: (siehe Teich) Kleiner Wasserspeicher zur Sicherung des konti­nuierlichen Betriebes der Wasserräder.

Polygonausbau: Vieleckausbau aus Holz. Privilegium: Siehe Bergfreiheit.

Probegedinge: Obwohl es im Bergbau kei­ne Lehrausbildung wie in anderen Hand­werken gab, wurde ab Anfang des ig. Jahr­hunderts von jungen Häuern eine Probe gefordert, die den Nachweis einer fachge­rechten und zeitgerechten Arbeitsleistung bringen mußte, um vollen Lohn zu erhal­ten.

Probestempel: Qualitäts- und Herkunfts­siegel auf den Gußbarren der Schmelzhüt­ten, insbesondere bei Zinn und Silber üb­lich.

Probieren: Versuchsschmelzen des Erzes. Die Kunst, die verschiedenen Metalle aus dem meist polymetallisch vorliegenden Erz

zu trennen und den auszubringenden Ge­halt derselben nach „einem richtigen Maß und Verhältnis zu untersuchen und zu be­stimmen".

Probierer: Bergbeamter, der den Edelme­tallgehalt in Erzproben festzustellen hatte. Die Unternehmer setzten durch, daß der von ihnen bezahlte Gegenprobierer Kon­trollproben machen durfte, damit die Erze „probengerecht" bezahlt wurden.

Probiertiegel: Aus Ton gefertigter, ca. 8 cm hoher Tiegel mit dreieckigem Mün­dungsquerschnitt und einem Bodendurch­messer von ca. 3 cm. „Arbeitsmittel zum Probieren auf alle möglichen Metalle im Bergbau und in den Münzstätten". Sie wur­den in der Edelmetallarbeit für das redu­zierende Schmelzen in Anwesenheit eines relativ hohen Überschusses an Blei oder Bleiverbindungen sowie Verschlackungs­mitteln eingesetzt. Ziel war, die Edelmetal­le im vorhandenen Blei zu sammeln und die anderen Bestandteile in einer edelme­tallfreien Schlacke zu binden. Das edelme­tallhaltige Blei wurde anschließend auf ei­ner Kupelle weiterverarbeitet.

Puffjacke: Vom Steiger an aufwärts zu tra­gende schwarze Tuchjacke mit weiten Puff­ärmeln. Den Bergarbeitern war das Tragen solcher Jacken verboten.

Pulvermüller: Er hatte das in großen Men­gen benötigte Schwarzpulver herzustellen und in den Pulverturm der Grube oder des Reviers einzulagern. Der Pulvermüller ge­hörte zur Bergwerksverwandtschaft.

Pumpenknecht: Bediente die handbetrie­benen Saugpumpen mit Schwengel.

Quartal: Die bergmännische Rechnung zu je 13 Wochen lief vom Quartal Reminisce­re (5. Sonntag vor Ostern) über Quartal Tri­nitatis (Sonntag nach Pfingsten) und Quar­tal Crucis (14. September) bis Quartal Lu­ciae (13. Dezember). Quartale waren Zahltage auch für das von jedem Bergwerk zu zahlende Quatembergeld zur Besoldung der Geschworenen und sonstigen unteren Beamten. Die Quartalsabrechnung entschied über Gewinn und Verlust (Ausbeute oder Zubuße) und über Fortsetzung, Verstärkung, Verminderung oder Stillegung des Betrie­bes. Nur zum Quartal konnte den Bergleu­ten oder Hüttenleuten gekündigt werden.

Quartalswinkel: Ein in den Stoß einge­schlagener Maßpunkt für die markschei­derische Vermessung eines Bergwerkes, vor allem aber für die erreichte Vortriebslei­stung. Die Abrechnung der Leistung der Häuer nach Gedingen und die Einforde­rung der Zubuße erfolgte bereits im 13. Jahrhundert nach den Quartalen: Reminis­cere, Trinitatis, Crucis und Lucia. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Quartalswin­kel durch Jahrestafeln ergänzt.

Querschlag: „Ort, so man vom Hauptgang entweder aus dem Hangenden oder Liegen­den durch Quergestein auf keinem Gang oder Kluft nach anderen Gängen treibt". Querschlägig zum Streichen der Lagerstät­te verlaufender horizontaler Grubenbau (Strecke) im Nebengestein, welcher die La­gerstätte in einzelne Bauabschnitte einteilt Normal 0 21

und für den Abbau zusätzliche Angriffs­punkte schafft. Auch als Verbindungsquer­schlag zum Niveau der Abbaustrecke auf­gefahren.

Quint: Bergmännisches Probiergewicht (ca. 1,6 g). Der Metallgehalt in einer Erzprobe mußte vom Probierer bis zu 1/2 Quint ge­nau bestimmt werden.

Radstube: Untertägige Kammer, in die ein Wasserrad eingehängt ist, über das Pum­pen angetrieben werden oder die Förderung von Erz und Bergen erfolgt.

Raiten: Da man bis 1533 die Zahlenwerte auf dem Rabisch (Kerbholz) anschnitt, war raiten gleichbedeutend mit rechnen, d.h. Lohn abrechnen und auszahlen.

Raithalde: Reste der durchgearbeiteten Seifengebirge bei der Zinnseifnerei oder Goldwäsche. Raithalden sind meist nur ca. 1 m hoch und erstrecken sich längs der Flößgräben oder in Bachtälern.

Rasensohle: Übertägiger, ebenerdigerAn­schlag am Schacht.

Rauben: Herausnehmen des Ausbaus oder anderer Ausrüstungen aus einem nicht mehr betriebenen Grubenbau.

Räumeisen: Eisenstange, mit der die zu­genaste Form im Schmelzofen aufgenast wird und die Ofenbrüche gelöst werden.

Rennbahn: Weg der Pferde im Göpel unter dem schindelgedeckten Kegelbau.

Rennfeuer: Eisenschmelze auf niederem Herd. Mit Holzkohle und Blasebalg betrie­bene Eisenschmelze.

Rennwerk: Anlage zur Herstellung von Schmiedeeisen.

Riß: Kartographische Darstellung des Gru­bengebäudes als Grundriß oder Saigerriß, der oberirdisch Gewässer Wege und Häu­ser zeigt und unter Tage die Lage der Schächte, Stollen, Erzgänge und Abbau wie­dergibt. Oft wurde die ober- und untertä­gige Situation gleichzeitig dargestellt.

Ritzfäustel: Zum Gezähe gehöriges Werk­zeug. Leichterer Hammer, mit dem auf das Ritzeisen geschlagen wurde.

Ritzeisen: Zum Gezähe gehöriges Werk­zeug. Langes spitzes Eisen am Helm.

Rohrhammer: Rohrhämmer stellten aus allerbestem Stabeisen für Feuerwaffen al­ler Art Rohre her und waren hierzu mit ei­nem Bohrwerk ausgerüstet. Das Bohrwerk diente zur Zentrierung des Rohres und nicht zum Ausbohren aus dem Vollguß. Nach 16oo stellten die Rohrhämmer auch Eisenrohre für Wasserleitungen her.

Rolle: Schacht zwischen Abbaustrecke und Förderstrecke, in den der Häuer losgebro­chenes Erz bzw. Berge kippt, hinabrollt, um es in der darunter liegenden Sole in För­derwagen abzufüllen und wegzufördern.

Rösche: Unterirdischer Graben, in dem den Künsten (Wasserrädern) Wasser zugeführt Rösche oder Grubenwasser abgeleitet wird. Ein Stollen mit oberem und unterem Mund­loch.

Roßbub: Pferdejunge im Göpelwerk, be­vorzugte Arbeit von jungen aus der Land­wirtschaft, die „beim Tier" bleiben und nicht „das Eisen nehmen" wollten.

Rösten: Entfernung von Schwefel und Ar­sen aus den Erzen im Hüttenprozeß.

Röststadel: Platz, auf dem Erz mit Holz­feuer oft wochenlang erhitzt wird, damit sich Schwefel, Arsen, Kohlensäure und an­dere Schadstoffe verflüchtigen, um dadurch den Schmelzprozeß erleichtern.

Rotgültig: Bergmännischer Ausdruck für die reich silberhaltigen Minerale Pyrargy­rit und Proustit, die frisch kirschrot und transparent erscheinen, bei Lichteinwir­kung aber schwarz werden. Das fein gerie­bene Pulver sieht rot aus.

Rundhaue: Eine Axt, die noch breiter als eine Radehaue ausgebildet ist und dazu dient, den Rasen aufzuhauen, wenn. man schürfen und einschlagen will.

Russische Hörner: Von 1827 bis 1844 ge­bräuchliche Blasmusikinstrumente der erz­gebirgischen Bergleute. Die Einführung der Russischen Hörner ging auf eine An­regung des Berghauptmanns von Herder zurück, der 1814 das Konzert eines russi­schen Jägerregimentes in der Stadt Schnee­berg hörte und daraufhin den Bau dieser Instrumente und die Gründung eines Berg­musikkorps in Freiberg anregte. 1844, sechs Jahre nach dem Tod von Herders, wurde das Freiberger Bergmusikkorps aufgelöst, und die Russischen Hörner verstummten. Erst in jüngster Zeit wird die Musik die­ser Instrumente wieder gepflegt.

Sackzieher: Der Eisenerztransport im Hochgebirge am Altenberg in Kärnten er­folgte in ledernen Säcken, die aneinander­gebunden auf den verschneiten Wegen ins Tal gerutscht („gezodelt") wurden. Dabei saß auf dem vordersten Sack der Sackzie­her, der mit einer Art Skistock die ca. io bis 15 aneinandergebundenen Ledersäcke lenk­te. Auf dem hintersten Sack dieser Schlan­ge fuhr ein Wolfshund mit ins Tal, der die ledernen Säcke auf dem Rücken wieder ber­gan tragen mußte. Im Tal wurden die Le­dersäcke in von ochsen gezogene Erzschlit­ten umgefüllt.

Safftor: Blaue Kobaltfarbe.

Saige: Wassersaige. In die Sohle einer Strecke eingebrachte Wasserrinne.

Saiger, seiger: Senkrecht, nicht zu ver­wechseln mit saigern. Einfallende Gänge mit einer Neigung zwischen 75° bis 90°.

Saigern. seigern: Wenn die Teufe eines Schachtes senkrecht mit einer Schnur aus­gemessen wird nennt man das den Schacht abseigern. Saigern wird auch der metallur­gische Prozeß, in dem aus dem silberhalti­gen Kupfer durch Zusatz von Blei das Sil­ber abgezogen wird, bezeichnet. Allgemein bedeutet Saigern: Ausschmelzen leichter Normal 0 21

schmelzenden Rohmaterials aus schwerer schmelzendem.

Saigerhütte: Hütte, in der silberhaltige Kupfererze verarbeitet werden insbeson­dere das Kupfer durch Zugabe von Blei vom Silber geschieden wird.

Saigerriß: Zeichnerische Darstellung der untertägigen Situation einer Grube, mit Angabe der Schächte, Stollen Erzadern und Abbaue. Grubenkarte, in der alle Baue senk­recht zur Zeichenebene eingezeichnet sind. Der erste bekannt gewordene Saigerriß stammt aus den Jahre 16o6 aus den Ober­harzer Bergbau.

Salbänder: Deutlich ausgeprägte Begren­zungsflächen der Erzader gegen das Ne­bengestein im Hangenden und/oder Lie­genden von Ganglagerstätten.

Sammelgraben: Führt mit geringem Ge­fälle am Berghang entlang und sammelt Niederschlagswasser für Pochwerksteiche.

Sarepta: Wertvolle Predigtsammlung des Pfarrers Mathesius, in der Bergpredigten seit 1539 enthalten sind.

Saturnfest: Glanzvollste Bergparade an­läßlich der Vermählung des Kurprinzen Friedrich August mit der Kaisertochter Ma­ria Josepha im September 1719 im Plauen­schen Grund bei Dresden.

Sau: Nicht vollständig abgelaufener Schmelzprozeß. In der Schlacke befindet sich nach der Schmelze noch rohes Erz.

Sauberbuben: Wäschjungen.

Schacht: Eine von der Erdoberfläche senk­recht oder stark geneigt in die Tiefe geführ­te, meist ausgebaute Röhre, über die ein­gefahren wird, Erz oder Berge ausgefördert werden. Es werden Förderschacht, Fahr­schacht (worin die Bergleute ein- und aus­fahren), Kunstschacht (in dem das Kunst­gestänge und die Pumpen zur Wasserför­derung laufen), Fundschacht, Richtschacht, Schmiedeschacht (der Markscheider wegen abgeteuft), Treibeschacht (in dem durch Pferde oder Kehrräder Erz und Berge ge­fördert wird), Bremmerschacht (geteilter Schacht, in dem das Seil nicht durchgängig ist), Wetterschacht (dient der Bewetterung der Grubenbaue), ... unterschieden.

Schachtscheibe: Schachtquerschnitt mit Einbauten und Einteilung in verschiedene Trume.

Schalenlampe: Bergmannsgeleucht aus dem 14./15. Jahrhundert, das vorwiegend in Sachsen und Böhmen benutzt wurde, in Form einer flachen Schale mit Schnepfe und Griffloch. Die Schale hatte einen Durchmesser von ca. 7 cm, eine Höhe von 2,5 cm und war aus Keramik gefertigt. Als Brennmittel diente Unschlitt.

Scharen, Scharkreuz: Zusammentreffen vieler kleiner, nebeneinander liegender Erz­gänge (Gangtrümer). Meist mit starker Edelmetallanreicherung verbunden. 1477 hat in Schneeberg auf der St.-Georgen-Ze­che ein einzigartiges Scharkreuz von 12 Gangtrümern eine Erzstufe von 2 m x 2 m und 1 m Höhe aus Glaserz und gediegen Silber gebracht, die beim Ausmünzen 8o.00o Gewichtsmark Feinsilber ergab.

Schaufelhammer: Hier wurden, zum Teil aus Abfalleisen, Hacken, Schaufeln und Spaten als Handelsware und zur direkten Kundenbelieferung hergestellt.

Scheibenmauerung: Einfache, nur auf Fir­stendruck berechnete senkrechte Mauer, die geradstirnig oder krummstirnig (ge­wölbt oder geböscht) in Grubenbauen er­richtet wird.

Scheibenreißer: Kupferhüttenarbeiter, die das an der Oberfläche der Schmelze durch Wasseraufgabe erstarrte Garkupfer schei­benweise mit Zangen faßten und ruckartig abhoben, was viel Geschick und Kraft er­forderte.

Scheidebank: Arbeitsstelle über Tage, wo das Erz vom tauben Gestein getrennt wird, bzw. Erzgemische auseinandersortiert wird. Das Gebäude, in dem sich die roh gezim­merten Tische der Scheidebank befinden, hat hohe Fenster und ist heizbar. Auf den Tischen wird das Fördergut mit dem Ham­mer zerschlagen. Die einzelnen Erzsorten werden in bereitstehende Tröge neben dem Tisch gegeben. Diese Arbeit wird meist von Bergjungen oder alten Bergleuten ausge­führt, indem auf einem Tisch die Stücke mit dem Hammer zerkleinert und dann aussortiert werden.

Scheidekunst: Die Scheidekunst war Sache der Probierer, die Mineralien auf die Art ihres Metallgehaltes und auf dessen Höhe zu untersuchen hatten. Das geschah zum Teil mit primitiven Hilfsmitteln an Ort und Stelle oder in der labormäßig aus­gerüsteten Probierstube. Unterschieden wurde die trockene Scheidekunst, die mit Feuer arbeitet und die nasse Scheidekunst, die mit Mineralsäuren (Salzsäure, Salpe­tersäure, Königswasser) analysiert.

Schicht: Die nach Stunden bemessene re­gelmäßige Arbeitszeit des Bergmanns. Das Fahren von zwei Schichten hintereinander war nicht erlaubt. „Die letzte Schicht fah­ren" - bedeutet sterben.

Schichtarbeit: Wurde an 5, später an 51/2 Tagen im Wochenlohn geleistet. Die tägli­che Schicht betrug bis 1450 nur 6 Stunden, dann 7 oder 8 Stunden, nach 165o wurde sie auf 10 bis 16 Stunden (mit 2 bis 3 Stun­den Liegezeit) verlängert. Da der Lohn über all die Jahre relativ konstant blieb, war seit 1575 der Nebenverdienst durch Familien­mitglieder zum Ausgleich der Teuerung existenznotwendig.

Schichtmeister: Betriebsführer auf einem Bergwerk, leitet die Zeche wirtschaftlich und rechnerisch. Ist der, der die Lohnzah­lungen vornimmt. Er ist von den Gewer­ken gewählt, eidlich verpflichtet und vom Bergmeister bestätigt.

Schichtwechsel: Ablösung der Bergleute einer Schicht durch die nachfolgende Schicht.

Schießarbeit: Sprengarbeit zum Lösen des Gesteins mittels Sprengstoff.

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Schießen: Sprengen.

Schlacken: Schlacken waren als Zuschlag zum Schmelzprozeß erforderlich. Sie muß­ten aber vorher aufbereitet werden. Dazu wurden die Schlacken gepocht und der Ei­sensinter herausgewaschen. Daraus erga­ben sich zum Teil weibliche Hüttenberu­fe: Schlackenläuferin (Schlackentransport mit Schubkarre), Schlackenpocherin, Schlackenträgerin, Sinterwäscherin.

Schlägel: Dem Charakter nach ein Ham­mer, der mit der Hand geführt wird und mit dem auf das Eisen geschlagen wird, um Ge­stein und Erz aus dem Verband zu lösen.

Schlägel und Eisen: Seit 1400 Symbol des Bergmanns, in dem die beiden Werkzeuge über Kreuz abgebildet sind. In der Darstel­lung müssen die beiden Stücke so liegen, daß der Schlägel zuerst mit der rechten Hand zu ergreifen ist, sein Helm (Stiel) also über dem durch das Auge des Eisens ge­steckten Helm liegen muß. Die Spitze des Bergeisens muß nach rechts zeigen. Mit Schlägel, Helm und Bergeisen ist es eigent­lich ein dreiteiliges Arbeitsgerät. Das hüttenmännische Symbol ist seit 1500 gebräuchlich und zeigt Kratze (links), Fur­kel (Mitte) und Stecheisen (rechts) über­einander.

Schlagschatz: Gebühr für die Prägekosten bei der Münzherstellung, die an den Lan­desfürst abgeführt werden mußte.

Schlägelgesell: Als sich die 1627 erfundene Bohrarbeit durchsetzte, wurde die zweimännische Zusammenarbeit üblich und notwendig. Alle10 bis 12 Minuten ab­wechselnd schlug ein Bergmann den Boh­rer ins Gestein, und der Schlägelgesell dreh­te ihn. Dabei war eine enge Kooperation er­forderlich, da bereits ein Fehlschlag dem Schlägelgesellen die Hand brechen konn­te.

Schlagwetter, schlagende Wetter: Ex­plosionsfähiges Gemisch aus Luft und 5 bis 15 % Grubengas (Methan).

Sehlämmgerinne: Wasserführende Rin­ne, in der das Pochgut zum Schlich aufbe­reitet wird.

Schlenkerbohren: Methode des Abbaus, bei der mit einem schweren, an einem ela­stischen Stiel befestigten Hammer Keile in das Gestein getrieben werden, um große Blöcke hereinzugewinnen.

Schlepper: In der Förderung eingesetzte Kräfte (meist Schlepperjungen). Schlepper hatten die schleifende, nicht die mit Hunt oder Karre getätigte fahrende Förderung, zu verrichten, die auf steilen oder sonstwie unzugänglichen Strecken unumgänglich war. Sie hatten die Transportgefäße zu fül­len und am Ende des Weges in den Förder­kübel oder die Rolle auszukippen.

Schlich: Naßkonzentrat. Das kleingepoch­te von nichtmetallischen Teilchen befreite Produkt der Aufbereitung.

Schmalte, Smalte: BergmännischerAus­druck für Kobalt-Arsenid-Minerale oder blaues Glas, das durch Schmelzen des Ko­balts mit einem Zusatz von pulverisiertem Quarz und Pottasche bereitet wird und pul­verisiert als feine blaue Farbe (u.a. für Por­zellanmalerei) verkauft wird.

Schmelzer: Wichtigster Mann im Montan­wesen. Von ihm hing ab, ob das Metall voll­ständig aus den Erzen gewonnen wurde. Er genoß entsprechende Hochachtung, hohen Lohn und hatte Hilfskräfte zur Seite, z.B. den Scheuerer für die Regelung der Feuer, den Schüttjungen für die Regulierung der Drehzahl des Wasserrades am Gebläse.

Schock: Zähleinheit, entspricht 6o Stück, z.B. hat ein Schock Groschen 6o Silber­münzen, die einer Feinmark (0,2375 kg) entsprechen.

Schram: Im Flöz hergestellte bankebene Kerbe.

Sehrotzimmerung: Hölzerner Vollausbau mit unmittelbar aneinander stoßenden Ausbaugliedern, wie Gevieren oder Tür­stöcken.

Schurf, Schurfgraben: Oberflächenna­he Erkundungsgrabung zum Aufspüren neuer Erzgänge oder Erzlager in Form ei­nes Grabens von ca. 8o cm Breite und i m Tiefe.

Schürfen: Aufsuchen von Lagerstätten nahe der Erdoberfläche durch bergmänni­sche Arbeiten. An der Oberfläche der Erde nach Erz suchen durfte jerdermann an je­dem Ort (außer Haus mit Bettstatt, besä­ter Acker und Gottesacker). Der Eigentü­mer mußte den Schurf dulden und konnte nur verlangen, ihn wieder einzuebnen. Das Schürfrecht war das Kernstück der Berg­freiheit.

Schützer: Regelt über ein Gestänge die Be­aufschlagung des Kehrrades mit Wasser.

Schwarzkupfer: Aus dem Erz erschmol­zenes Kupfer, in dem noch Silber, Blei und Unrat enthalten ist.

Schwebend: Neigung der Gänge von 0° bis 15°

Schwebende: Gangartig, flach einfallen­de Zerüttungszonen im Schiefergebirge, die selbst erzarm sind, jedoch häufig längs ih­rer Kreuzungszonen mit Erzgängen diese veredeln.

Schwerkraftaufbereitung: Trennung von Erzen unterschiedlicher Dichte mittels flie­ßendem Wasser. Seit ältester Zeit nutzte der Seifenbergbau die Fähigkeit des fließenden Wassers, auf einer geneigten Fläche auto­matisch Gemische mit etwa gleicher Korn­größe nach dem spezifischen Gewicht zu sortieren, so daß die schweren (erzhaltigen) Bestandteile „oben" liegen blieben, die leich­teren aber nach unten abgespült wurden.

Seife: In sekundären Lagerstätten konzen­triert auftretende Metallkörner, Erze oder Edelsteine, die in Sand, Schotter und Lehm im Bachbett und am Uferrand gefunden werden. Seifen bilden sich durch die natür­liche Schweretrennung beim Transport von Normal 0 21

Verwitterungsschutt insbesondere in Bä­chen und Flüssen.

Seifen: Gewinnung nutzbarer, insbeson­dere schwerer Minerale mit Hilfe von flie­ßendem Wasser. Seifen wird vorwiegend die Tätigkeit der Zinnseifner bezeichnet. Goldsucher waschen die Seife.

Seifengabel: Die hölzerne Gabel mit 7 schwach gebogenen Zinken ist wichtiges Arbeitsinstrument der Zinnseifner. Mit der Seifengabel wird im Floßgraben die einge­worfene Erde durchgearbeitet, und dabei werden grobe Stücke herausgeworfen.

Seifner: Bergleute, die Verwitterungsla­gerstätten auf deren Minerale (insbeson­dere Minerale hoher Dichte wie Gold, Zinn­stein, Magnetsand oder Edelsteine) abbau­en, indem sie die lockeren Massen in Flößgräben (Zinnseifner) oder auf hölzer­ne Gerinne bringen und dort unter Nut­zung von Wasser einer Schwerkraftaufbe­reitung unterziehen.

Seiger: Senkrecht, siehe auch saiger.

Seilfahrt: Personenbeförderung im Schacht. Ursprünglich fuhr der Bergmann auf ei­nem Seilknoten sitzend am Haspelseil in den Schacht, später im Förderkorb.

Seilscheibe: Rillenrad im Fördergerüst, über das das von der Fördermaschine kom­mende Förderseil zum Förderkorb läuft.

Sensenhammer: Hammerwerke, die sich auf die Herstellung von Sensen spezialisiert hatten. Nachdem es 1595 durch Ver­änderungen am Amboß und am Hammer­kopf gelang, die Arbeit zu mechanisieren, konnte eine bis dahin unerreichte Qualität hergestellt werden. Diese sogenannten „blauen Sensen" erlaubten auch Getreide mit der Sense zu ernten und waren begehr­ter Exportartikel.

Sicherheitslampe: Von Sir Humphrey Davy 1815 erfundene Grubenlampe, bei der die offene Flamme mit einem Drahtzylin­der umgeben war, wodurch die Entzündung explosiver Gasgemische, insbesondere im Kohlebergbau, ausgeschlossen wurde. Je nach Flammengröße und Flammenfarbe konnte mit der Wetterlampe auch die Wet­terqualität beurteilt werden.

Sichern: Das Erz in einem Trog (Sicher-­Trog) zu Schlich waschen.

Sichertrog: Ein schalenförmiges Holzge­fäß, z.T. mit Rillen versehen, das durch kip­pende oder kreisende Bewegung eine Tren­nung von Sand und Gold oder Zinn be­wirkt. An den tiefsten Stellen lagert sich das metallhaltige Gut ab, die leichteren san­digen, tauben Teile werden über den Rand gespült und entfernt (abgestreift).

Siebwäscherin: Arbeit für Frauen in der Aufbereitung. Das Stauchsieb wurde mit Pochgut gefüllt und mußte in einem Was­serbottich 3o bis 5o mal aufgestoßen wer­den. Das schwerere Erz lagerte sich am Sieb­boden ab, und das leichtere taube Gestein konnte oben abgelesen und weggeworfen werden.

Silberblick: Der Moment, wenn beim Ab­treiben die Bleischmelze soweit mit Silber angereichert ist, daß dieses sich aus der Schmelze entmischt und gegenüber der bleigrauen Oberfläche der Bleischmelze als silberhelle Schmelze zu erkennen ist.

Silberbrenner: Beseitigte im Brennhaus vorsichtig die im Schmelzhüttensilber noch vorhandenen 5-io % vorhandenen Bei­mengungen an Blei, Schwefel und Arsen. Er erzielte dadurch ein Feinsilber von 99,2 %.

Silberner Mann: Wenn sich mehrere Gän­ge treffen, edle Geschicke aus dem Han­genden und Liegenden dazukommen und die Gänge sich zu einem Bauch auftun, wer­den meist sehr silberreiche Erze in großen Mengen angetroffen.

Sintern: Verfahren zur Metallgewinnung, ohne dabei die Schmelztemperatur zu er­reichen. Beim Sintern diffundieren die Me­tallbestandteile aus den Erzen und bilden weiterverarbeitbare Legierungen.

Sitzstapfel, Sitzpfahl: Einbeiniger nied­riger Stuhl, um unter Tage sitzend arbei­ten zu können.

Sohle: Der untere Teil des Stollens. Als Stollen bezeichnet der Bergmann auch in bestimmtem Niveau (Etage, Stockwerk) be­findliche Grubenbaue.

Söhlig: Horizontal, waagerecht.

Solution: Wäßrige Lösung, z.B. bei der Vi­triolherstellung.

Sparrenzimmerung: Verzimmerung sehr breiter Strecken oder Stollen in druckhaf­tem Gebirge oder in bereits zusammenge­brochenen Massen in der Weise, daß unter der Firste zwei starke Hölzer, die Sparren oder Sparrenstempel, aufgerichtet werden, welche in der Sohlenecke oder in den Sei­tenstößen aufliegen und in der Mitte des Baues unter der Kappe zusammenstoßen.

Spat: Bezeichnung für helle, karbonatische bzw. sulfatische Gangbegleiter (Kalkspat, Schwerspat, Eisenspat, Aragonit, Flußspat).

Spatgang: Ein Erzgang mit einer Streich­richtung von Westnordwest nach Ostsüd­ost. In der Kompassangabe ein in Stunde 6 bis 9 streichender Gang.

Speise: Schlackenprodukt bei der Erz­schmelze, in dem sich noch Metallreste be­finden.

Sprengen: Siehe auch Schießen. Der erste erfolgreiche Versuch die Sprengwirkung des Schwarzpulvers unter Tage zu nutzen, erfolgte am 8. Februar 1627 durch Caspar Weindl aus Tirol im Oberbieberstollen von Schemnitz. Im sächsischen Raum wurde erstmalig 1643 in Freiberg Schwarzpulver eingesetzt, um das Gestein mit Pulver zu lösen.

Sprung: Störung, Verwerfung der Ge­steinsschichten, das kann z.B. bedeuten, daß ein Flöz plötzlich im Gestein endet und sich einige Meter tiefer oder höher fortsetzt.

Stahlhämmer: Spezialwerke, die aus dem Normal 0 21

jeweiligen Schmelzprodukt - Luppen oder zwiegeschmolzenes Eisen- die Partien mit höherem Kohlenstoffgehalt isolierten und damit den gegenüber der Qualität des ein­fachen Schmiedeeisens zäheren und elasti­scheren Werkstoff „Stahl" herstellten. Spä­ter lief der Prozeß der Aufkohlung in ei­nem Tiegel ab und ergab den am höchsten geschätzten „Tiegelstahl".

Stangenkunst: Siehe auch Feldgestänge. Dient der Kraftübertragung über eine län­ger Strecke.

Staublunge: Eine durch das andauernde Einatmen von quarz- oder asbesthaltigem Gesteinsstaub erkrankte Lunge.

Steiger: Grubenaufseher. Steht der Grube vor, hat die Aufsicht über die arbeitenden Bergleute und sorgt für den sicheren und geregelten Arbeitsablauf entsprechend den Anordnungen der Betriebsbeamten. Neben den Grubensteigern gibt es noch Graben-, Kunst-, Jungen-, Ober-, Poch-, Unter- und Zimmer-Steiger. Der Steigerlohn lag etwa 25 % höher als der Häuerlohn. Am höch­sten (auch im Lohn) stand der Kunststei­ger.

Steigerhäckchen: Verzierter Paradestock für Steiger, ähnlich der Barte.

Stempel: Ausbauelement zur Abstützung der Firste aus Holz (Stützholz), später auch Metall (Stahl). Die Stempel mußten genau abgelängt werden und durften weder zu kindisch (zu kurz) noch zu stolz (zu lang) sein. Die Stempel wurden oft sehr dicht ge­

setzt, um volle Zimmerung (z.B. Türstock) zu vermeiden.

Stock: Bergmännischer Ausdruck für eine unregelmäßig geformte mächtige Lager­stätte.

Stockgang: Auch Gangstock. Sehr mäch­tiger Gang von verhältnismäßig geringer Ausdehnung im Streichen.

Stockwerksbau: Kammerartige Bauwei­se, wobei unregelmäßig geformte, je nach Lagerstättenbeschaffenheit angeordnete Abbauhohlräume aufgefahren werden, zwischen denen regellos Bergfesten zur Un­terstützung des Daches stehenbleiben.

Stollen, auch Stolln: Sohlig oder nahezu sohlig, d.h. horizontal (mit 0,3-1,5 % Stei­gung) von der Erdoberfläche aus in den Berg getriebene Grubenbaue. Sie dienten der Entwässerung, Bewetterung und er­laubten eine gegenüber der vertikalen För­derung kostengünstigere Förderung und Fahrung.

Störung: Abweichung vom normalen Schichtenverlauf der Lagerstätte.

Stoß: Die beiden Seiten von Strecken und Querschlägen. Angriffsfläche für die Ge­winnung. Im Kohleabbau wird die abzu­bauende Kohlenwand (das anstehende Flöz) auch Kohlenstoß genannt.

Stoßbau, Strebbau: Hauptsächlich in der Steinkohle getätigte Abbaumethoden, um die Hohlräume zu schaffen, die man dann

mit taubem Gestein wieder füllen mußte, um dem Bruch des Deckgebirges entgegen­zuwirken.

Stößer: Bergarbeiter beim Transport (Ver­gleiche Huntestößer)

Stoßherd: Mechanisch durch Schubstan­gen bewegter, am unteren Ende drehbeweg­lich aufliegender Waschherd.

Streb: Langgestrecker Gewinnungsbetrieb zwischen zwei Abbaustrecken.

Strecke: Tunnelartige, horizontale Gru­benbaue (Stollen), die entsprechend ihrer Funktion als Transportwege für Erz, Was­ser oder Wetter dienen. Im Gegensatz zum Stollen nicht von der Erdoberfläche aus, sondern von einem anderen Grubenbau, z.B. vom Schacht aus gegen das Gestein mit ca. 1 ° Steigung vorgetriebener Bau, der auch als „Verkehrsader" dient.

Streichen: Richtung der Längsausdehnung einer Lagerstätte, streng genommen die Ausbißlinie eines Erzganges gegen Nord. Das Streichen erstreckt sich in die Länge, das Fallen (Einfallen) gibt die Richtung in die Teufe an und die Breite entspricht dem Abstand von einem Salband zum anderen. Angegeben wird das Streichen eines Gan­ges nach der Stunde des Kompaß, das Fal­len nach dem Grad des Zirkelbogens und die Breite nach dem Lachter.

Streittag: Nach dem ersten Aufstand Frei­berger Häuer im Jahre 1447 kam es im ge­samten Erzgebirge in den folgenden Jah­

ren zu wiederholten Lohnrevolten der Bergarbeiter. 1496 stellten sie in Schnee­berg neue Forderungen im Kampf gegen Ausbeutung und hohe Preise. Aus diesen Unruhen wird der Streittag abgeleitet, des­sen in Schneeberg jährlich am 22. Juli mit einer feierlichen Bergparade gedacht wird.

Striegelgerenne: Aus Eichenholz gefer­tigtes und unter dem Teichdamm verlegtes Abflußrohr, über das das Wasser aus einem Teich in die Gerenne zur Beaufschlagung von Wasserrädern geleitet wird.

Striegelhäuschen: Häuschen in einem Teich, von dem aus der Striegel (Schütz) betätigt wird, um den Abfluß des Wassers über das am Grund des Teiches liegende Striegelgerenne zur Versorgung der Was­serräder zu regeln. Vergleichbar mit dem Mönch, der zur Wasserstandsregelung in künstlich angelegten Teichen genutzt wird.

Strosse: Angriffsfläche einer nach unten gerichteten Gewinnung.

Strossenbau: Langfrontige nach unten ge­richtete Bauweise mit fallender Abbau- und streichender Verhiebrichtung, wobei das Material stufenartig nach unten abgearbei­tet wird, damit mehrere Bergleute hinter­einander sitzend arbeiten können.

Stufe: Ein Stück Gestein oder Erz, meist mit gut ausgebildeten Mineralien besetzt, fürAn­schauungs- und Sammlerzwecke gewonnen.

Stunde: Angabe von Wegstrecken. Eine Stun­de entspricht einer Entfernung von 4,5 km. Angabe bei der Kompaßeinteilung: Voll­kreiseinteilung des Gradbogens des Gru­benkompasses, Maß für die durch mark­scheiderische Messung festgelegte Rich­tung. /* Font Definitions */ @font-face {font-family:Georgia; panose-1:2 4 5 2 5 4 5 2 3 3; mso-font-charset:0; mso-generic-font-family:roman; mso-font-pitch:variable; mso-font-signature:647 0 0 0 159 0;} /* Style Definitions */ p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal {mso-style-parent:""; margin:0cm; margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:none; font-size:10.0pt; font-family:"Times New Roman"; mso-fareast-font-family:"Times New Roman"; color:black;} @page Section1 {size:612.0pt 792.0pt; margin:1.0cm 1.0cm 1.0cm 1.0cm; mso-header-margin:17.85pt; mso-footer-margin:17.85pt; mso-paper-source:0;} div.Section1 {page:Section1;} -->

Stürzen: Abkippen von taubem Gestein auf die Halde.

Suchstollen: Stollen, vorgetrieben zum Wie­derfinden verlorengegangener Erzgänge.

Sumpf: Angelegte Vertiefung zur An­sammlung von Wasser (Schachtsumpf, Pumpensumpf). Tiefste Stelle im Schacht.

Sümpfen: Wasser aus einem Grubenbau entfernen.

Tagesschacht: Von der Erdoberfläche aus niedergebrachter senkrechter Grubenbau geringer Tiefe, der bis zum ersten in den Schacht einkommenden Stollen reicht, der Befahrung, Förderung und Bewetterung dient. Siehe auch Schacht.

Taub: Erzfreier Gang bzw erzfreies Gestein.

Taler: Auch Thaler. Reichstaler. Eine seit 1519 in Joachimsthal geprägte Silbermün­ze. Der „Joachimsthaler" leitete die Abkehr von der wegen Goldmangels immer selte­ner werdenden Goldwährung und den Übergang zur Silberwährung ein. Ein Reichsthaler wurde zu 24 Groschen ä 12 Pfennigen gezählt.

Teich: Siehe auch Pochwerksteich. Künst­lich angelegter kleiner See, zur Speiche­

rung von Niederschlags- und Bachwasser, um die kontinuierliche Versorgung der Gruben und Hüttenwerke mit Aufschlag­wasser zum Antrieb der Wasserräder si­cherzustellen.

Teichdamm: Aus Lehm aufgeschütteter Damm, um ein Tal oder einen Wasserlauf für einen Teich als Wasserspeicher abzu­sperren. Im Teichdamm befindet sich ein Striegelgerenne (Rohr), über welches das Wasser aus dem Striegelhäuschen dem Ge­fluter zugeführt wird.

Tektonik: Lehre vom Bau und den Bewe­gungen der Erdkruste.

Teufe: Die Tiefe in einem Bergwerk.

Teufen: Schacht oder Blindschacht nieder­bringen.

Tonne: Fördergefäß am Förderseil.

Tonnlägig: Geneigt. Einfallen eines Erz­ganges oder Schachtes mit einer Neigung zwischen 45° und 75°, (flach : 15° bis 45°, schwebend: o° bis 15°, seiger: 75° bis 90°). Ein tonnlägiger Schacht ist ein, meist auf einem Erzgang niedergebrachter, geneigt in die Teufe verlaufender Schacht.

Tonnenleitungen: Geneigte Schächte in denen die Fördergefäße herauf- und her­untergehen.

Tränken: Durch Bohrlöcher wird unter starkem Druck Flüssigkeit in die Kohle ge­preßt, um die Staubbildung zu vermindern.

Trecker: Bergleute, oft Kinder, die das För­dergut in Körben, Schlitten oder Truhen am Zugband in niedrigen Strecken, meist kriechend, hinter sich herzogen.

Treibefäustet: Schwerer, zum Gezäh der Häuer gehörender Fäustel.

Treiben: Schmelzarbeit. „Treiben heißt, edle Metalle von den unedlen, insbesonde­re Blei von Silber, mittels Feuer und Luft durch Oxidation zu trennen."

Treiben: Auf- und Abfahren der Förder­gefäße im Schacht.

Treibeschacht: Förderschacht.

Treibeherd, Treibherd: zwei Ellen hohe Rundung mit kreuzweisen Gräben, ausge­mauert mit Schlacken, worauf sich der Herd zur Abtreibung des Silbers befindet.

Treibhaus: Haus neben dem Förderturm, in dem die Fördermaschine untergebracht ist. Von hier aus läuft das Seil über den För­derturm in den Schacht.

Treibscheibe: Seilscheibe an Förderma­schinen, die das Förderseil nur durch die Reibung in der Seilrille bewegt. Nach dem Erfinder auch Koepescheibe genannt.

Trog: Ein muldenartiges Gefäß, in das man vor Ort mit Kratzen Erz oder Berge füllt, um sie damit zum Karren oder Kübel zu transportieren.

Trogschlepper: Ungelernte Arbeiter im Bergbau. Dazu gehören auch Einlader und Sackträger, die für Transportarbeiten ein­gesetzt wurden.

Truhenläufer: Förderknechte, die Truhen (Kästen) schoben oder hinter sich herzo­gen. Die Truhen wurden später mit Rädern versehen, woraus sich der Hunt entwickel­te, der vom Huntstößer geschoben wurde.

Trum: Schmaler Gang, der zum Hauptgang stößt oder davon absetzt. Aber auch: Teil einer Schachtröhre. Im modernen Bergbau gibt es in der Regel zwei Fördertrümer und dazu je nach Bedeutung und Aufgabe des Schachtes, Fahrten-, sowie Rohr- und Ka­beltrum.

Türstock: Vom Türrahmen abgeleitet. Hierzu gehören zwei seitlich stehende Stempel, die eine Kappe tragen.

Tzscherper, Tzscherpertasche: auch Zscherper. Gürteltasche in der lebenswich­tige und persönliche Utensilien wie Talgker­ze, Feuerzeug, Zunder, kleine Brotzeit un­tergebracht sind.

Tzscherpermesser: Messer, das der Berg­mann am Gürtel neben der Tzscherperta­sche trägt und das er zum Erzprobieren braucht. Der Berglehrling durfte mit dem Alter von 20 Jahren ein Tzscherpermesser tragen. In der Hierarchie aufwärts ab Knap­pe war das Tragen von zwei Tzscherpermes­sern erlaubt.

Überhau: Ein von der Strecke aus in die Höhe geführter schachtartiger Bau. Normal 0 21


Überhauen:
Von der Strecke aus nach oben einen Überhau brechen.

Überlauf: Gemauerte oder gezimmerte Öffnung in der Krone eines Teichdammes zum sicheren Abführen überschüssigen Wassers. Auch Ausflut genannt.

Umbruch: Ausweichstelle in Strecken oder Stollen, auch bei Bergbrüchen zur Umge­hung.

Umfahrung: Wenn ein Teil einer Strecke verbrochen ist oder durch andere Proble­me wie Wassereinbrüche oder bauliche Maßnahmen nicht mehr befahrbar ist oder die Aufwältigung nicht sinnvoll ist, wird um diesen Teil herum eine neue Strecke, eine Umfahrung, angelegt.

Umgehen: Man sagt, der Bergbau geht um, d.h. er wird betrieben.

Unschlitt: Billiges Brennmittel für das of­fene Grubengeleucht, welches aus Tierfett (Talg) hergestellt wird. Ein besseres Licht gab das Inseltlicht.

Unter Tage: Auch untertage. Alles, was sich im BergbaubeHieb unter der Erdoberfläche befindet.

Urburer: Oberbeamter in Böhmen, der dort den Regalanteil einhebt und dabei vom Ur­burschreiber unterstützt wird.

Urweller: Hatte in den Hammerwerken den Urwellhammerkopf in den Hammerhelm ­einzusetzen, um damit gestrecktes Eisen zu breiten (zu Blechen breitzuschlagen).

Verbauen: Einen neu erstellten Gruben­bau mit Ausbau versehen.

Verbühnen: Einen Schacht oben mit einer Holzbühne oder mit einer massiven Ab­deckung versehen, wenn er auflässig wird.

Verleger: Kapitalgeber, der selbständigen Bergleuten, die nur selten schmelzen lassen konnten, Geld vorschoß und dafür das Erz übernahm, oder der am Bergort für auswär­tige Grubenteilhaber die laufenden Kosten (Lohn, Material, Amtsgebühren) vorschoß, die der Schichtmeister zu zahlen hatte.

Vertauben: Auslaufen eines Erzganges im benachbarten Gestein. Im Gang wird kein Erz mehr gefunden.

Versatz: Um das Niederbrechen ausgeerz­ter Gänge zu vermeiden und um den Trans­portweg der Berge zu verringern, werden die Hohlräume ausgefüllt.

Versetzen: Taubes Gestein in Hohlräume einbringen (Versatz einbringen).

Verwahrung: Das Sichern und Verschlie­ßen eines abgeworfenen Bergwerkes.

Verwerfung: Gestörter Zusammenhang der Gesteinsschichten, wobei diese gegen­einander verschoben sind.

Verzug: Material zur Absicherung der Zwi­schenräume des Grubenbaus gegen Steinfall von der Firste.

Vitriolmacher: Haben in Sudhütten (teil­weise auch in Heimarbeit) sulfatischen Erze gesotten (gekocht), um Eisen-, Kupfer- und Zinnlösungen auszukristallisieren.

Vorläufer: Transportarbeiter im Hütten­werk, der Material (Erz, Kohle, Zuschläge) bis vor den Schmelzofen karrte.

Vorlage: Bestandteil eines Muffelofens, in dem durch Sublimation abgeschiedenes oder kondensiertes Material gesammelt wird.

Vorgelege: An Künsten eingesetztes me­chanisches Übertragungsteil, das durch sei­ne übersetzende Wirkung antriebskraft­mindernd oder wirkungskrafterhöhend die Dreh- oder Schubbewegung beeinflußt.

vor Ort: Der Arbeitsplatz des Bergmanns unter Tage.

Vorrichtung: Auffahren von unmittelbar­ dem Abbau dienenden Grubenräumen.

Vortrieb: Auffahrung einer Strecke bzw. eines Hohlraums, auch die Leistung der Hauer beim Auffahren eines Hohlraums. Während horizontale Grubenbaue vorge­trieben werden, spricht man bei der Her­stellung von Schächten von abteufen oder niederbringen.

Wacke: Grauwacke. Aus dem Verwitte­rungsschutt gebirgsbildender Gesteinsmas­sen gebildete Sedimentgesteine dunkler Farbe.

Waffenhammer: Waffenhämmerbezogen bestes Stabeisen für die Herstellung „schneidender Ware" (Messer, Beile, Schwerter), die handelsfertig im Schleif­kotten geschliffen wurde.

Waldbergwerk , Waldzinnbergwerk: Kleinere Zinngruben im Waldgebiet des Erzgebirgskammes, insbesondere im böh­mischen Revier um Platten und Gottesgab seit 15oo in Betrieb.

Waldgewerken, Waldworchten: Im Harz verbreitet. Hüttenleute, die fern vom Bergwerk im Wald werkten (würchten).

Wale: Bezeichnung aller Fremden, (vorwie­gend Italiener, daher auch als Venetianer bezeichnet) die - meist heimlich - im Ge­birge nach erzhaltigen Steinen und Sanden suchten. Der Legende nach haben sie viel an Gold und Edelsteinen hinweggeführt.

Waschberge: In der Kohlewäsche ausge­sondertes taubes Gestein.

Wäsche: Nasse Aufbereitung von Erz oder Kohle zu einem weiterverarbeitungsfähi­gen oder verkaufsfähigen Produkt.

Wäschjungen: Unter der Aufsicht des Wäschsteigers in der Erzaufbereitung ar­beitende Jungen, auch als Klaubebuben be­zeichnet.

Wand: Eine aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöste große Gesteinsplatte.

Waschkaue: Umkleideraum der Bergleu­te mit Duschanlage.
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Waschpfanne: Wichtigstes Arbeitsgerät des Goldgräbers. Flaches schüsselartiges Gefäß mit einer Vertiefung in der Mitte, in der sich die Schwermetallteilchen sammeln.

Wasser: Alle im Bergwerk anfallenden Wasser und solche, die mit Stollen, Schäch­ten, Schürfen oder Röschen verschroten werden, hat der Bergmeister zum Bergge­brauch zu sichern und zu verleihen. Flie­ßende Wasser sollen dagegen gar nicht ver­liehen werden, sondern dem Bergwerk vor­behalten sein.

Wasserknechte, Wasserheber: Berg­leute, die auf den Fahrten sitzend das in die Grube eingedrungene Wasser in Kübel schöpften und einander zuhoben, um es aus der Grube zu entfernen.

Wasserseige: Wasserstand, Wasserspiegel.

Wehr: Längenmaß (14 m). Siehe auch Lachter.

Weiberarsch: Im Steinkohlebergbau üb­liche sehr große Schaufel zum Verladen der Kohle, die am hinteren Ende mit charakte­ristischen Rundungen versehen war.

Weilarbeit: Bergarbeit außerhalb der Schichtzeit. Ökonomisch genutzte Freizeit, die in der Hoffnung auf Erzfunde z.T. auf eigenes Risiko, z.T. gegen Lohn verrichtet wurde. .

Weißblech: Seit 1536 im Erzgebirge ge­nutzte Erfindung zum Verzinnen von Ei­senblechen. Dabei werden die gehämmer­

ten Eisenbleche vor dem Verzinnen mit sau­rem Brotteig geätzt. Das Verfahren wurde zuerst in einem Eibenstocker Hammerwerk eingeführt. Vermutlich wurde die Weiß­blechherstellung bereits 1360 im Fichtel­gebirge erfunden.

Weißerde: Bezeichnung für Kaolin, Grundlage für das von Böttger 1708 erfun­dene weiße Porzellan. Gefördert wurde die Weißerde auf der Weißerdenzeche St. An­dreas bei Aue unter dem Monopol des Berg­herrn Veit Hans Schnorr.

Weißstein: Metamorph in granitisch kör­nige Granulite umgewandelte schiefrige Granulite, die vornehmlich Kailfeldspat und Quarz enthalten.

Weitung: Räumliche Profilerweiterung in einem Abbaugang, wo wieder andere Stol­len oder Stöße einmünden.

Wetter: Bergmännischer Ausdruck für die Grubenluft und alle in der Grube vorkom­menden Gasgemische, gleich welcher Zu­sammensetzung. Eine ausreichende Belüf­tung der Gruben, insbesondere vor Ort, ist lebenswichtig für den Bergmann. Der Berg­mann unterscheidet gute (frische), matte, stickende, böse (giftige) und schlagende (ex­plosive) Wetter.

Wetterforcherer: Bergleute, die Mecha­nismen antrieben, um Frischluft in die Gru­ben zu bringen. War teilweise Kinderarbeit, die von den Forcherbuben geleistet wurde. Nach dem Einbau mechanischer Belüf­tungsanlagen hatte der Wettermann die Wettertüren zur Luftzirkulation je nach Bedarf zu öffnen bzw. zu schließen.

Wetterführung: Maßnahmen, um Gru­benbauen frische Luft zuzuführen sowie verbrauchte Luft aus ihnen abzuführen.

Wetterlampe: Sicherheitslampe. Gasprüf­lampe in schlagwettergefährdeten Gruben. Die offene Flamme wird durch einen Draht­zylinder geschützt. Methanhaltige Wetter bringen die Flamme zum helleren Leuch­ten, jedoch ohne daß die Gefahr einer Ex­plosion besteht. Sauerstoffmangel dagegen bringt die Flamme zum Erlöschen.

Wetterlutte: Rohr zum Zuführen von Frischluft an den Vortrieb und in andere Grubenbaue.

Wettermann: Bergarbeiter in Kohlengru­ben, der die Wetter auf Grubengas überprüft.

Wetterschacht: Ein der Bewetterung die­nender Schacht, meist mit Ventilator für ausziehende Wetter.

Wetterscheider: Wand zum Trennen ein­und ausziehender Wetter.

Wettertür: Tür in Stollen und Strecken, die zum Regeln des Luftstromes in der Gru­be eingebaut ist.

Wetterzug: Der künstliche oder natürliche Luftstrom in den Grubenbauen.

Wetterzugofen: Zur Beschleunigung des Wetterzuges wurden über Tage über dem

Wetterschacht (oder über dem ausziehen­den Stollen) ein Feuer unterhalten, wobei der Schornsteinzug die verbrauchte Luft aus dem Schacht saugte.

Wiederaufnehmer: Unternehmer (Berg­mann), der eine stillgelegte Grube wieder in Betrieb nahm. Die Wiederaufnahme konnte nur bei Einhaltung aller bergrecht­lichen Formalitäten erfolgen.

Wischweiber: In Blechhämmern bei der Weißblechherstellung angestellte Frauen, die im Zinnhaus die Hauptarbeit beim Ver­zinnen der Eisenbleche leisteten.

Wismut, „SDAG Wismut": Ein rötlich­weißes Metall mit einem Schmelzpunkt von 264 °C. 1463 erstmals urkundliche Ab­bauerwähnung in Schneeberg. Ausgangs­punkt und Benennung nach „In der Wie­sen", der ersten Grube bei St. Georg in Schneeberg, die gezielt Wismut abbaute. Mit der Erfindung der Buchdruckerei stieg sein Bedarf schnell, da sich Wismut her­vorragend als Legierungsmetall für die Herstellung von Lettern eignete. Aber auch als Medikamentengrundlage wurde es ge­braucht.

Als „SDAG Wismut" aber auch Tarnbe­griff für den Uranbergbau im Erzgebirge in der Zeit von 1946 bis 1990 im sächsisch­thüringischen Raum. Die Sowjetisch Deut­sche Aktiengesellschaft Wismut hatte das Monopol der gesamten Uranförderung.

Witwen, Waisen: Die Hinterbliebenen von Bergleuten sind auf Anordnung des Bergamtes aus der Knappschaftskasse und Normal 0 21

von den Büchsenpfennigen mit einem Al­mosen zu bedenken.

Wolfsofen: Eisenschmelzofen, in dem man größere Mengen Eisen mittels Holzkohle völlig aufschmelzen konnte, um es dann in eine vor dem Ofen liegende Grube abflie­ßen zu lassen.

Wünschelrute: Ein astgabelförmiges Ge­bilde aus Holz oder Metall, das in der Hand des Rutengängers durch Drehen, Neigen oder Ausschlagen die Stelle anzeigen soll, an der sich unter der Erdoberfläche Lager­stätten, Quellen oder verlorene Gegenstän­de befinden sollen.

Zainhammer: (Stabhammer) Großer me­chanisch betriebener Hammer im Ham­merwerk, mit dem Eisenganzblöcke zu Ei­senstangen, Profilen und Stärken (Rundei­sen, Flacheisen, Eisenband) sowohl für den Handel als auch für den Dorfschmied ge­schmiedet wurden.

Zeche: Ist die allgemeine Bedeutung für das gesamte Bergwerkseigentum, also auch für Stollen und Schächte. Die Bezeichnung Grube gebraucht man dagegen nur für das Bergwerkseigentum, welches der Gewin­nung der Mineralien und Erze dient.

Zechenhaus: Ein bergbauliches Verwal­tungs- und Wirtschaftsgebäude (auch Hut­haus) mit Betstube.

Zechmeister: Bezeichnung für Knapp­schaftsälteste, vor allem in ihrer Funktion als Rechnungsführer.

Zehnt: Abgabe des zehnten Erzhaufens an den Regalherren. Nach Ablösung der Na­turalabgaben war es '/ro der Erzbezahlung an den Zehntner (ohne Rücksicht auf Ge­winn oder Verlust).

Zehntner: Früherer landesherrlicher Berg­beamter, der den Zehnten, d.h. den zehn­ten Teil des Ertrags, einzuziehen hatte. Er war nach dem Berghauptmann der höch­ste Beamte.

Zehrlampe: Sicherheitslampe mit offener Flamme, die in Gruben mit brennbaren Ga­sen ständig brannte, um die bösen Wetter zu „verzehren".

Zerrenner: Eisenhüttenarbeiter, der das Erz auf dem Rennherd in Eisenluppe und Schlacke zerrennen läßt. Auf dem Renn­herd schmilzt das Eisen nicht, es sintert nur zusammen.

Zeug: Bedeutet soviel wie eine Kunst, z.B. Wasserhebemaschine .

Zimmerling: Bergarbeiter, der als Zimmer­knecht alle Holzeinbauten unter Tage vor­nimmt und dabei vom Zimmersteiger an­geleitet wird.

Zinnseifner: Bergarbeiter, der u.a. mit ledernen Stulpenstiefeln im Wasser ste­hend die Seifenarbeit im Floßgraben aus­führte. Agricola hat acht Arten der Zinn­seifenarbeit beschrieben. Die Wochenlei­stung von 4 Seifenarbeitern erbrachte einen Ertrag an reinem Zinn von bis zu einem Zentner.

Zinnstein: Durch Verwitterung freigeleg­te Zinnerzkörner, die wegen ihrer hohen Dichte beim Transport im Wasser an be­stimmten Stellen abgelagert werden. Wur­de zuerst durch Seifen gewonnen, später auch bergmännisch abgebaut.

Zinnwäsche: Zinnseife, Bergbau auf Zinn­stein.

Zuber: Fördergefäß.

Zubuße: Zuschuß zu den Betriebskosten eines Bergwerks, solange dies keine Aus­beute gibt. Wird von jedem Kuxinhaber zu den Bergquartalen gegen bergamtliche Quittung eingefordert. „Zubuße ist, was die Gewerken quartalsweise auf ihre Kuxe an Geld zusammenlegen, daß davon die Ze­che bis zur Einnahme oder Ausbeute kann gebaut werden, und ist das erste Wort, wel­ches den Gewerken am ehesten bekannt wird".

Zug: Wenn viele Zechen, Lehen oder Ge­werkschaften nacheinander auf einem Gang liegen, nennt man das Zug.

Züge: Schmale Gänge.

Zu Sumpfe treiben: Wenn eine Zeche durch Nachlässigkeit liegenbleibt und da­durch voll Wasser läuft.

Zunft: Ältere Bezeichnung für Innung.

Zuschläge: Notwendige (basische oder saure) Zusätze zum Schmelzprozeß zur Er­zielung dünnflüssiger Schlacken, die das Metall gut abscheiden und nicht behalten. Derartige Zusätze sind insbesondere Kalk, Flußspat oder in der Eisenschmelze Erlan.

Zustellen: Wird das Ausbessern und Ver­schließen der am meisten beanspruchten Teile des Schmelzofens am Stichloch, am Schlackenabstich und an den Winddüsen bezeichnet. Für das Verschließen wird Scha­motte oder Gestübbe verwendet.

Zu Tage ausstreichen: Austreten eines Ganges oder Flözes an der Erdoberfläche.

Zwitter: Bergmännische Bezeichnung für ein durch Zinnstein imprägniertes und auf Klüften intensiv vererztes Gestein. In Sach­sen auch oft Begriff für Zinnstein.









 
 
Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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