Stadt Oelsnitz Erzgebirge

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Waldbestand Deutschlandschachthalde

Dem Besucher von Oelsnitz Erzgebirge fällt bei der ersten Betrachtung der Stadt das architektonisch sehenswerte Rathaus, der Förderturm des Bergbaumuseums und die eingebettete Lage der Stadt inmitten von Wiesen und Waldflächen auf. Nach dem Motto "Das Wertvolle fin­det man für gewöhnlich im Detail" wird man weiter auch bei der Be­trachtung der guten Infrastruktur und vor allem in den Wäldern um Oelsnitz Erzgebirge fündig. Einige Waldbestände befinden sich auf den Halden des ehemaligen Steinkohlebergbaus. Die größte von ihnen ist die Deutschlandschachthalde.
buchenalleeFolgt man dem Bergbauwanderweg entlang des südlichen Haldenfußes, wird dieser von einer alleenarti­gen Promenade aus verschiedensten Baumarten umsäumt. Dieses Bild ist jedoch erst in den letzten 30 Jahren entstanden. Für Geolo­gen, Hydrologen, Biologen und Förster ist die Entwicklung dieser Hin­terlassenschaften des Bergbaus besonders interessant. So hatte be­reits WÜNSCHE (1963) erste Untersuchungen im gesamten ehemali­gen Steinkohlerevier von Zwickau-Lugau-Oelsnitz durchgeführt. Da­mals wurden Boden, Vegetation und erste Baumpflanzungen analy­siert. Mit zunehmender Bewaldung der Halden stiegen auch die An­forderungen an Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion dieser Flächen in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft. Dies war Anlass für die Stadt nach über 30 Jahren die erste genauere Untersuchung zum heutigen, biologischen Potenzial der Deutschlandschachthalde anzustellen. Diese Untersuchung sollte zudem die erste dieser Art im gesamten ehemaligen Steinkohlerevier Zwickau-Lugau-Oelsnitz sein. Als wissenschaftlicher Partner fungierte im Rahmen des Projek­tes "Ready" die baumzaunHochschule für Forstwirtschaft Schwarzburg. Diese beauftragte Anfang 2006 IBN -Ingenieurbüro Neef- mit der Durch­führung der dazu notwendigen Erhebungen.Ziele dieses Auftrages waren neben einer Analyse des Artenbestan­des eine Prognose, wie sich die Waldbestände der Deutschland­schachthalde in Zukunft weiter entwickeln werden. Außerdem sollten Vorschläge für mögliche Nutzungen kreiert werden. Ein besonderes Augenmerk lag in der Betrachtung der noch schwelenden Bereiche der Halde. Um eine wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse ga­rantieren zu können, wurden auf der Halde 60 Probeflächen ausge­wählt. Gleichmäßig in allen Expositionen und Hanglagen verteilt re­präsentiert jede Probefläche 314 m2. Auf diesen Flächen erfolgte zunächst eine Vermessung der Bäume. Je Baumart wurde der Stammdurchmesser in 1,3 m
Höhe und die Baumhöhe ermittelt.

Aus den Ergebnissen werden folgende Baumartenanteile ersichtlich:
Die Gewöhnliche Birke (Betula pendula) hat den größten Anteil und er­reicht Höhen bis 27 m bei einem Stammdurchmesser von 33 cm. Aus den Daten konnte ein mittlerer Holzvorrat je Hektar von 116 Vfm (Vor­ratsfestmetern) errechnet werden. Dies ist ein sehr geringer Wert. Die Baumdimensionen und Holzmassen schwanken je nach Exposition und Schwelbrandeinfluss. Die Westhänge weisen einen besonders hohen Holzvorrat von rund 200 Vfm/ha auf. Geringe Werte wurden auf den trockenen Oberhängen und am Osthang der Halde ermittelt. Die Gewöhnliche Birke ist eine Pionierbaumart, d.h. sie bildet den er­sten Waldbestand auf Rohböden. Diese Baumart erreicht ein Höch­stalter von 60-80 Jahren und danach sollte sich unter dem Birkenbe­stand eine entsprechende Naturverjüngung aus langlebigeren Bau­marten gebildet haben. Deshalb erfolgte auf den Probeflächen eine Kartierung des natürlichen Anfluges an jungen Bäumen.

Die derzeitige Sukzession dieser Naturverjüngung zeigt, dass sich bereits folgende Baumarten etabliert haben:

Den größten Anteil an der Naturverjüngung haben Rotbuche (Fagus sylvatica) und Stieleiche (Quer­cus robur). Dies ist typisch für die heutige, potenzi­ell- natürliche Waldvegetation im Gebiet. Eine ge­nauere Auswertung zeigte, dass etwa 500 Bäume pro Hektar vorhanden sind. Dies ist ein zu geringer Wert, um ökologisch stabile Waldbestände eta­blieren zu können.Weiter erfolgte eine Untersu­chung aller Pflanzenarten auf den Probeflächen und der gesamten Deutschlandschachthalde. Es konnte das Vorkommen von 19 Baumarten, 7 Straucharten, 13 Moosarten und 74 Kräutern nachgewiesen werden. Die meisten der Arten deuten auf eine Windausbreitung aus der umge­benden Kulturlandschaft hin. Die Auswertung der gesamten Pflanzengesellschaften ergab, dass die Wälder der Deutschlandschachthalde den Birken­Eichenwäldern (Quercetea robori- petraeae) und den Birken- Vorwaldgesellschaften zugeordnet werden können. Speziell wurden auf der Deutsch­landschachthalde mehrere Ausbildungen dieser Waldgesellschaft ausgeschieden.
Neben einem typischen Birkenvorwald wachsen auf dem feucht- kühlen Nordhang eine farnreiche Ausbil­dungsform mit Wald- Frauenfarn (Athyrium filix- femina), Gewöhnlichem Wurmfarn (Dryopteris filis-mas), Gewöhnlichem Dornfarn (Dryopteris carthusiana) und Breitblättrigem Dornfam (Dryopteris dilatata). Die trockenen Bereiche auf dem Plateau werden hingegen von ei­ner Ausbildungsform mit Rotem Straußgras (Agrostis capillaris) besiedelt. Auf frischeren Zonen des Plateaus hat sich ein Birkenwald mit Weichem Honiggras (Holcus mollis) etabliert.
Neben diesen Birkenvorwäldern wach­sen zusätzlich in einigen Bereichen Schwarzerlen- Vorwälder, die den Erlen­bruchwäldem (Alnetea glutinosae) zugeordnet werden können. Die charak­teristischste Ausbildungsform wird in der Krautschicht von der Brennnessel (Urtica dioica) dominiert. Auf den schwelenden Bereichen der Halde wurde speziell für die Deutschlandschachthalde ein Straußgras- Magerrasen aus­geschieden. Typische Arten sind Rotes Straußgras (Agrostis capillaris), Fer­kelkraut (Hypochoeris radicata), Breit- und Spitzwegerich (Plantago majo / lanceolata), Blutrote Fingerhirse (Digitaria sanguinalis), Kleines Habichts­kraut (Hieracium pilosella) und Kaktusmoos (Campylopus introflexus).
Für das Pflanzenwachstum sind auch die Bodeneigenschaften ein wichtiges Kriterium. Deshalb wurden bei den Aufnahmen entsprechende Proben ent­nommen und ausgewertet. Insgesamt flossen diese Ergebnisse in eine forstliche Standortskartierung ein. Den größten Anteil haben mittelfrische, mäßig nährstoffhaltige Standorte. Auf dem kühl-feuchten Nordhang und dem Plateau mit geschwemmten Haldenmaterial sind frische, mäßig nähr­stoffhaltige Böden vorhanden. Hingegen weisen die Oberhänge bei meist gleicher Nährkraftstufe aufgrund der Trockenheit ungünstigere Wuchsbe­dingungen auf. Auf den schwelenden Bereichen des Plateaus sind die Standortsverhältnisse trockener mit ziemlich armer Nährstoffausstattung.

Begleitend zu diesen Erhebungen auf den Probeflächen wurden bereits er­ste Versuchspflanzungen angelegt. Ein Ziel war das Wuchsverhalten von forstwirtschaftlich nutzbaren Bäumen und Pflanzen mit besonderen gestal­terischen Effekten zu dokumentieren. Speziell wurde auch das Pflanzen­wachstum unter Schweleinfluss analysiert. Um eine Übersicht zu erhalten welche Bereiche der Halde forstwirtschaftlich nutzbar wären, wurde eine Zonierung entwickelt. Bei der Klassifizierung der vier Nutzbarkeitszonen werden auch andere Nachnutzungsmöglichkeiten außer Wald z.B. mit vor­wiegend landschaftsgestalterisch-touristische Nutzung berücksichtigt. Eine forstwirtschaftliche Nutzung wäre lediglich an den schwächer geneigten Unterhängen oder einigen Bereichen des Plateaus praktisch umsetzbar. Ei­ne Förderung und Ergänzung des bereits vorhandenen Anfluges an Bau­marten müsste jedoch in vielen Bereichen erfolgen. Aus den gesamten theoretischen Untersuchungen wurden auf der Grundlage der Nutzbar­keitszonen Vorschläge kreiert, welche praktischen Maßnahmen zukünftig umgesetzt werden könnten.

Folgende Ideen wurden dazu entwickelt:

- Aufbau eines geobotanischen Lehrpfades über die Halde zur Er­kundung aller Waldhöhenstufen, die in Sachsen vorkommen.
- Die Halde als Park "Haldenpark" mit Pflanzung von wärmeliebenden Arten auf den schwelenden Bereichen.
- Anlage eines Gewächshauses unter Nutzung der Geothermie und Pflanzung mediterraner bis tropischen Pflanzenarten.
- Entwicklung eines Umweltbildungsprogrammes in Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Schulen und Bildungseinrichtungen. Dabei sollen entsprechende Lehrpfade genutzt werden.
- Bepflanzung der trockeneren Oberhänge mit Arten, die besondere landschaftsgestalterische Effekte zeigen (z.B. Blühte, Fruchtbil­dung, Blattformen und Farbspiele)
- An den forstlich nutzbaren Unterhängen müssen Unterpflanzun­gen mit Waldbaumarten durchgeführt werden.
- Entwicklung eines Vermarktungskonzeptes für das anfallende Holz aus den Maßnahmen, die für die Umsetzung der o.g. Punkte notwendig sind.
- Integration der Halden in ein Gesamtkonzept für Grünflächenma­nagement der Stadt.

Um die Vorreiterrolle von Oelsnitz in der biologischen Haldenun­tersuchung zu bestärken könnten noch folgende Aspekte analy­siert werden: jährliche Dokumentation der Versuchspflanzungs­flächen (Monitoring), Untersuchung der Pilzflora, Moosflora, Insek­tenfauna, Wurzeluntersuchungen der Bäume und genaue Alter­suntersuchungen der Waldbestände.

Diese Vorschläge gilt es in den nächsten Jahren umzusetzen und in ein Gesamtmarketingkonzept von Oelsnitz Erzgebirge zu integrieren.

(Olsnitzer Volksbote, vom 26. Oktober 2007, Fotos privat)

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Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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