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Kraftwerk wird Kulturfabrik

Kultur statt Kohle im Kraftwerk

Chef des Bergbaumuseums Oelsnitz will Industriedenkmal am Karl-Liebknecht-Schacht in Kulturfabrik verwandelnkraftwerk002

VON NICOLE JÄHN

Oelsnitz. In die Überlegungen, das stillgelegte Kohlekraftwerk in Oels­nitz in eine Kulturstätte zu verwan­deln, kommt jetzt neuer Schwung: Mit der Idee *„Synergie fürs Kraft­werk - Ein altes Kraftwerk wird neu belebt"  haben sich das Bergbaumu­seum Oelsnitz und die Kultur-Ar­beitsgemeinschaft (AG) des Stoll­berger Carl-von-Bach-Gymnasium s für das bundesweite Projekt „schu­le®museum" qualifiziert.

16 Partnerschaften zwischen Schulen und Museen wurden von einer Jury aus mehr als 15o Bewer­bungen ausgewählt -eine für jedes Bundesland. Die Kooperation des Oelsnitzer Museums mit der Stoll­berger Schule vertritt Sachsen. „Wir wollen das Kraftwerk in eine Kunst­ und Kulturfabrik verwandeln", er­klärt Jan Färber, Museumsleiter in Oelsnitz. Das Projekt läuft bis Herbst nächsten Jahres. In dieser Zeit sollen Modelle entwickelt wer­den, wie Schüler fürs Museum be­geistert werden können. 3500 Euro stehen für die Umsetzung verschie­dener Aktionen zur Verfügung.

kraftwerk001Viola Lippold, Kunstlehrerin und Leiterin der Kultur-AG am Gymnasium, ist mit ihren Schülern für die künstlerische Umsetzung verantwortlich. Die Gruppe gestal­tete bereits erfolgreich einen Tag der offenen Tür in der stillgelegten Fabrik neben dem Karl-Liebknecht­Schacht. An die Kunstinstallationen und an Gespräche mit ehemaligen Arbeitern, die in diesem Rahmen stattfanden, soll jetzt angeknüpft werden. „Etwa könnten Filme und Interviews entstehen, die wir in die Ausstellung einbinden", überlegt Färber. Auch Führungen durch die Fabrik möchte das Museum anbie­ten. „Vor allem jüngeren Leuten ist nicht bekannt, wie eng der Schacht und das Kraftwerk zusammenhin­gen." Deshalb steht ein Sommer-­Camp für Schüler auf dem Pro­gramm, bei dem die jungen Leute Wissenswertes rund um Kohleab­bau und Nutzung erfahren können. Bei diesem soll auch die Turley-Mit­telschule Oelsnitz mitwirken.

Getragen wird das Projekt unter anderem vom Deutschen Museums­bund und der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Jury berief auch die Bauhausstiftung in Dessau oder die Bremer Kunsthalle. Muse­umsleiter Färber: „Es macht uns schon stolz, neben solch hochkarä­tigen Museen ausgewählt zu sein." Langfristig sollte man am Schacht in Neuoelsnitz aber über das Thema Schulprojekte hinaus­denken, meint Jan Färber. „Es macht Sinn, die Fabrik als Kultur­stätte zu etablieren", so der Leiter. „Wir als Museum haben ein Inte­resse daran, dass die Fabrik wieder genutzt und erhalten wird. Das Areal ist schließlich ein zusam­menhängender Komplex."

Leuchtende Vorbilder gibt es: Et­wa den Zeche-Zollverein in Essen oder das Kraftwerk Vockerode, das als Veranstaltungsort für Kultur­spektakel von sich reden macht. Ähnliches, vielleicht eine Nummer kleiner, wäre für Färber auch in Oelsnitz denkbar. „Aber wir als Mu­seum können solche Dinge finanzi­ell nicht anpacken."

Foto oben: Museumsleiter Jan Färber, Kunstlehrerin Viola Lippold und Ihre engagierteste Kultur-AG-Teilnehmerin am Carl-von-Bach-Gymnasium Stollberg, Linda Schmiedel, sowie Museumspädagogin Marion Dittmann (von links) haben den Kopf voller Ideen, wie sie im Rahmen des Projekts schule@museum die Fabrik wieder ins Licht der Öffentlichkeit rücken wollen.

Erwecken Kunst und Spektakel das alte Kraftwerk zu neuem Leben? Aktio­nen im Rahmen eines bundesweiten Projekts geben den Startschuss.

(Freie Presse vom 19. Februar 2010)


*Die Synergie oder der Synergismus ( „die Zusammenarbeit“), bezeichnet das Zusammenwirken von Lebewesen, Stoffen oder Kräften im Sinne von „sich gegenseitig fördern“ bzw. einen daraus resultierenden gemeinsamen Nutzen.

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Kommentar:

Nachgefragt

Eigentümer der Fabrik ist die Sita-Rohstoffwirtschaft. Mit Uwe Kretschmar, Leiter in Oelsnitz, sprach Nicole Jähn.

„Freie Presse": Was halten Sie von der ldee „Kulturfabrik"?

Uwe Kretschmar: Das ist eine tolle Sache! Ich halte von dem In­dustriedenkmal sehr viel. Die Dampferzeuger im Inneren sind einmalig in Deutschland und soll­ten der Offentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ich begrüße es, dass das Museum als Partner ge­wonnen ist. Wenn wir noch mehr ins Boot holen, kann sicher etwas entstehen. Entscheidend ist die Frage der Finanzierung.

„Freie Presse": Welchen Part könnte Sita übernehmen?

Kretschmar: Ich habe von An­fang an meine Unterstützung zu­gesichert. Größere Baumaßnah­men, etwa das Dach dicht ma­chen, können wir aber nicht schultern. Mein Angebot an den Landkreis steht: Der Verkaufs­preis wäre ein symbolischer Euro.


Zahlen und Fakten

Im Kraftwerk, 1933 bis 1943 zur heutigen Größe ausgebaut, wurde neben Strom auch Pressluft für die Kohlehammer und Druck für Sach­sens größte Dampfmaschine er­zeugt 95 Arbeiter waren beschäftigt 1970 stellte man auf Wärmeproduk­tion um. Die Lugauer Kammgarn­spinnerei, die Poliklinik, das Kultur­haus Oelsnitz und andere wurden versorgt. 1994 nahmen die letzten Arbeiter ihren Hut. Heute gehört die denkmalgeschützte Fabrik der Sita Rohstoffwirtschaft. (nij/feng)

 
 
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