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Repräsentant von Taipeh

Herr Wu reist in die Tiefen der Vergangenheit

Taiwanesen im Oelsnitzer Bergbaumuseum: Zurückhaltende Gäste von emotionaler Führung durch einen ehemaligen Bergmann beeindrucktherr_wu001

Spannend wird es, wenn Kulturen aufeinander prallen. Im Bergbaumuseum Oelsnitz ist jetzt eine taiwanesische De­legation der deutschen Indus­triegeschichte begegnet - und ein leidenschaftlicher Mu­seumsführer der taiwanesi­schen Delegation.

VON RONNY SCHILDER

Oelsnitz. Wie ist er anzusprechen, der Vertreter eines völkerrechtlich umstrittenen Gebiets? Nach offiziel­ler Lesart in Deutschland gibt es nur ein China mit der Hauptstadt Pe­king, und Taiwan ist ein Teil davon. Aber Taiwan ist anders, hat eine ei­gene Regierung, einen Präsidenten und ein demokratisches politisches System. Die „Big Five", das oberste Personal des Staates, haben Einreise­verbot in die Europäische Union. Ein parlamentarischer Freundes­kreis, dem der Bundestagsabgeord­nete Marco Wanderwitz aus Hohen­stein-Emstthal (CDU) angehört, be­fasst sich mit praktischen Folgen der verzwickten Rechtslage. Wenn in Taiwan Vogelgrippe ausbricht, ist die Insel vom Serumvorrat der Weltgesundheitsorganisation abge­schnitten, weil sie der Organisation nicht angehört", so Wanderwitz. „Da versuchen wir zu helfen."

„Herrn Wu-lien Wei", so sprach Erzgebirgslandrat Frank Vogel (CDU) den Doch-nicht-Botschafter an, auf dessen Visitenkarte steht: „Repräsentant von Taipeh in Deutschland". Herr Wu-lien Wei ist aufmerksam, höflich und zurück­haltend, wie es die Sitte seines Lan­des gebietet, und bekam in Oelsnitz einen gelben Helm aufgesetzt, um ins vermeintliche Bergwerk des Mu­seums einzufahren. Die Stollen­nachbauten liegen auf ebener Erde. Man betritt sie aber aus einem Fahr­stuhl heraus, so dass die Illusion entsteht, man wäre ganz tief unten.­

Hier hatte an diesem späten Nachmittag Kay Albrecht die Füh­rung übernommen, der bis 1991 bei der Wismut beschäftigt war und heute als Heilpädagoge in einem Glauchauer Heim für Suchtkranke arbeitet. Albrecht war Bergmann in der fünften Generation. Vor einem hölzernen Pfeiler, auf den ausge­diente Armbanduhren angenagelt sind - Bergmannssitte nach der letz­ten Schicht - erzählte Albrecht, wie einmal seine Mutter mit ihm und dem Vater 1250 Meter in die Tiefe fuhr und dort acht Stunden ver­brachte. Sie sprach wenig, was bei ihr etwas heißen wollte, erzählte Albrecht den Gästen aus Taiwan mit belegter Stimme. Danach, als es wieder hinausging ans Licht, habe die Mutter gesagt: „Jetzt verstehe ich, was der Bergmann fühlt.'

Einmal Bergmann, immer Berg­mann - einen besseren als Albrecht hätte das Museum für die Gäste aus Fernost schwer aufbieten können. Albrechts leidenschaftliche Erzäh­lung vor der Nachbildung einer Ab­baustelle ließ beinahe mit Händen greifen, wie der Reichtum des Lan­des vor Jahrzehnten mit härtester körperlicher Arbeit den Elementen abgetrotzt werden musste. Das habe auch auf die Gäste großen Eindruck gemacht, sagte gestern Marco Wan­derwitz, der noch den Abend mit den Taiwanesen verbrachte.

herr_wu002Landrat Vogel hatte zu Beginn ei­ne 5ooo-Euro-Spende für die Part­nerregion Kaohsiung überreicht, die Anfang August von einem Tai­fun und verheerenden Erdrutschen heimgesucht worden war. Inzwi­schen würden die Dörfer wieder aufgebaut, auch mit internationaler Hilfe, sagte Klement Gu, Leiter der politischen Abteilung der Taipeh­Vertretung. Noch immer würden Menschen in Notunterkünften le­ben. Der Erzgebirgskreis hatte nach dem Unglück alle Erzgebirger zu Spenden aufgerufen.

Wu-lien Wei überreichte Kay Albrecht zum Abschluss seiner Füh­rung ein Präsent. Seine erste Mu­seumsführung mit Chinesen-Taiwa­nesen wird auch Kay Albrecht lange in Erinnerung behalten.

(Bild oben rechts) Wu-lien Wei hat im Beisein von Kay Albrecht (links), freier Mitarbeiter im Oelsnitzer Bergbaumuseum, probeweise den früheren Arbeitsplatz eines Maschinisten der Dampfmaschine eingenommen.

-FOTO: ANDREAS TANNERT

(Freie Presse vom 19./20. September 2009)

 
 
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