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Oelsnitz liegt am Äquator

Steinkohle-Vorkommen beweisen, dass die Stadt im Erzgebirge einst viel südlicher lag - "Tag der Sachsen" greift das Thema 2010 auf

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Eigentlich liegt der Äquator ja nicht In Sachsen. Doch Jessica Lasch, Nico Riehs und Madeleine Krügel (von links) vom Beruflichen Schulzentrum in Oetsnitz wissen es besser. Sie stehen auf der besonderen Linie, die vor 310 Millionen Jahren durch den Ort führte.

VON GRIT STRIETZEL (TEXT) UND UWE MANN (FOTOS)

Der Äquator teilt die Er­de in Nord- und Süd­halbkugel. Er ist von Sachsen ungefähr 5500 Kilometer Luftli­nie entfernt. Doch dieses geografi­sche Wissen ist nur die halbe Wahr­heit. Denn einen Äquator gibt es auch im erzgebirgischen Oelsnitz. Dort ist die imaginäre Linie aller­dings nur neun Meter lang, im Ge­gensatz zum Original mit 40:000 Ki­lometern. Oelsnitz liegt am Äquator oder besser lag dort - und zwar vor schätzungsweise 310 Millionen Jah­ren. Eine Tatsache, die 2010 zum „Tag der Sachsen" eine wichtige Rol­le spielen wird. „Sachsen feiert am Äquator" so das Motto in Oelsnitz.

„Steinkohlelagerstätten bildeten sich nachweislich nur am Äquator", erklärt Bürgermeister Hans-Ludwig Richter den ungewöhnlichen Slo­gan. Im Revier Lugau-Oelsnitz wur­de knapp 130 Jahre lang Steinkohle abgebaut. Deshalb beschlossen dieStadtväter, einen symbolischen Äquator in ihrem Ort zu schaffen. Dieser besteht aus kleinen, roten Steinen und befindet sich in der Oelsnitzer Badstraße - direkt vor dem beruflichen Schulzentrum, wo rund 1200 Jugendliche lernen und den besonderen Strich täglich über­queren können.

Im erzgebirgischen Oelsnitz le­ben heute rund 12.ooo Einwohner. Etwa 142 Millionen Tonnen Stein­kohle wurden gefördert. Der Berg­bau prägte die Region auch, als der Abbau 1971 eingestellt wurde. Im Oelsnitzer Bergbaumuseum kann man der Äquator-These auf den Grund gehen und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Denn im Museum erfährt man alles über das „schwarze Gold".

„Damit sich Steinkohle bilden konnte, brauchte man bestimmte Wälder", erzählt Museumspädago­gin Helgard Schirrmeister. Sie führt die Besucher unter anderem zu einer Wand, wo das meterhohe Bild eines solchen Waldes zu sehen ist. Aus rie­sigen Sumpfwäldern entstanden imso genannten Karbon die Steinkoh­levorkommen in Mitteleuropa. Baumartige Schachtelhalme und Schuppenbäume wuchsen in den Feuchtgebieten. Wenn die Bäume und andere Pflanzen im Sumpf ab­starben, verwandelten sich ihre Überreste im Laufe vieler Jahre un­ter sehr hohem Druck zu Steinkohle. Geologen sind sich sicher: Deutsch­land lag damals am Äquator im Re­genwaldgürtel. Durch die Verschie­bung und das Auseinanderbrechen der Erdplatten „wanderten" Oelsnitz und die Steinkohle in Richtung Nor­den.

Museumspädagogin Helgard Schinineister nimmt zwei schwarze Gesteinsbrocken in die Hand. „Hal­ten Sie mal selbst", fordert die Fach­frau wissbegierige Gäste auf. Der ei­ne Brocken ist schwer, der andere leicht. „Das leichte ist die Steinkoh­le, ist ja nur Holz", erklärt die Muse­umspädagogin. Das sei auch der we­sentliche Unterschied zu dem in Chemnitz gefundenen versteinerten Wald. „Bei Steinkohle ist vom ei­gentlichen Holz nichts mehr übrig -im Gegensatz zum versteinerten Wald", erklärt Schirrmeister. Ihre Führung dauert zwei Stunden, manchmal auch länger, wenn die Be­sucher tief in die Welt der Kumpel eintauchen. Denn Helgard Schirr meister zählt nicht nur Fakten auf, sie beschreibt das harte Leben unter Tage, berichtet von Unglücken und dem tragischen Schicksal der Ver­schütteten, die nicht gerettet werden konnten.

Wer auf die Idee kam, den Äqua­tor nach Oelsnitz zu „holen", weiß Ilona Schaar­schmidt nicht mehr. „Es waren wohl mehrere Leute während eines Ge­sprächs", glaubt die Oelsnitzer Hauptamtsleiterin. Die Kommune sah das Ganze als tolle Gelegenheit, auf den Ort und die Bergbau-Traditi­on überregional aufmerksam zu ma­chen. Dass man ausgerechnet die Badstraße auswählte, liegt wohl da­ran, dass dort theoretisch der Aqua­tor gelegen haben könnte.

Feiern dürfen an der denkwürdi­gen Linie auch die Jugendlichen des beruflichen Schulzentrums. Wer sei­nen Abschluss in der Berufsschule, dem Beruflichen Gymnasium oder der Fachoberschule geschafft hat, wird symbolisch am Äquator ge­tauft, erzählt Schulleiter Frank Hel­zig. Dazu gibt es eine silberne Münze als Erinnerung. „Wir wussten bis zum Bau des hiesigen Äquators nicht, dass Steinkohle nur dort ent­standen sein kann", gibt der Schul­leiter zu. Umso mehr freut er sich, dass der letzte Schultag seiner Schützlinge an so einen ungewöhn­lichen Ort führt.

aequator_fp002Den Abstecher an den erzgebirgi­schen Äquator kann man mit dem Besuch des reichlich zehn Kilometer langen Bergbauwegs durch Oelsnitz verbinden. An 18 Sehenswürdigkei­ten kommen Bergbau-Fans vorbei. Eine Station ist auch das Museum, wo am 20. September ein ganz be­sonderes Fest steigt. Zum i. Dampf­tag wird die größte, noch erhaltene Dampfmaschine in Sachsen rattern und schnaufen.
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So könnte nach Ansicht der Stadt Oelsnitz
die Welt ausgesehen haben.

Helgard Schirrmeister, Museumspädagogin
im Bergbaumuseum Oelsnitz, zeigt Steinkohle.

(Freie Presse vom 11. September 2009)

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Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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