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Schwere Arbeit des Bergmanns in Noten gefasst

Moritz Döring schrieb den Text für das Werk „Bergmannsgruß", Musik ist von August Ferdinand Anacker

VON MANFRED BLECHSCHMIDT

Es gibt nur wenige musikalische Aufführungswerke, die das Bergmannsleben beschreiben. Das ist deshalb verwunderlich, weil kaum ein anderer Berufsstand so viele mu­ikalische Traditionen besitzt wie der des Bergmanns. Umso beachtli­cher ist, dass aus der Art des bergmännischen Singens und Musizierens heraus ein von August Ferdi­and Anacker komponierter Liederz­yklus entstand mit dem Titel „Bergmannsgruß". Er erlangte zu seiner Zeit große Beachtung. Den Text dazu hatte Moritz Döring ge­schrieben.
Der am 13. Februar 1798 in Dres­en geborene Döring war von 182o bis zu seinem Tode im Jahre 1856 Tonrektor der Freiberger Stadtschu­le, dem späteren Gymnasium. 58-jährig fand sein Lebern ein Ende. Auf dem Freiberger Donatsfriedhof wurde er beigesetzt. Dort befindet sich noch heute seine Grabstätte.

Döring war aber mehr als ein Schulmann. Er war auch Schriftstel­ler und Dichter. Mit Herder be­freundet, half er vor allem der erzge­birgischen Bergmusik zu Ansehen. Dieser nannte ihn „seinen lieben Bergsänger". Dabei hatte Döring nur indirekt mit dem Bergwesen zu tun.

1839/40 veröffentlichte er in Grimma zwei Bände „Sächsische Bergreyhen". Wie er im Vorwort schreibt, verwirklichte er damit ei­ne Lieblingsidee Herders. Das Vor­wort ist überhaupt eine Rechtferti­gung seines Vorhabens: „Die San­geslust des Bergvolks hat im Laufe der Jahrhunderte einen Liedschatz angesammelt, welcher nur darum weniger allgemein bekannt ist, weil die einzelnen Gesänge theils nur im Munde der Knappen fortlebten, theils in fliegenden Blättern aufbe­wahrt wurden..." Kritisch muss man allerdings bemerken, dass es sich um Lieder handelt, die idealisiert den Bergbau darstellen. Das Lied des eigentlichen Bergmanns findet da­rin keinen Niederschlag.
Döring wirkte auch als Verfasser von Bergmannsliedern. Erinnert sei nur an „Treue Liebe" mit der An­fangszeile: „Den Knappen ruft das Glöcklein zu der Schicht...", „Des Knappen Glück" oder „Kennst du den Bau, viel tiefer als das Grab..." und natürlich an sein Steigerlied, das sich im „Bergmannsgruß" fin­det. In seinem 1833 erschienenen Schauspiel „Markgraf Friedrich" oder „Bergmannstreue" behandelt er dichterisch das Bergmannsleben. Es wurde 1836 mit Anackers Musik am Hoftheater in Dresden aufge­führt.

Erfolgreiche Aufführungen

Zum Bedeutsamsten seines dichteri­schen Wirkens darf der Text zum „Bergmannsgruß“ angesehen- wer­den. Als der Oberbergbauhauptmann Freiherr von Herder im Sommer 1832 studienhalber Ungarn und Sie­benbürgen bereiste, überließ er sein Heim, gewissermaßen als Sommer­quartier, dem befreundeten Schul­mann. Auf der Grube Churprinz in Großschirma lernte er hautnah die Schwere bergmännischer Arbeit kennen. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er sich hinsetzte und den Lebensweg eines Bergmanns in ei­nen Zyklus von sechs Gedichten fasste, überschrieben mit „Berg­mannsgruß". August Ferdinand An­acker, ein Berufskollege von Döring, gefielen die Texte. Und so schrieb er die Musik dazu.

Als Herder von der Reise zurück­kam und vom Bergmusikverein mit dem Werk begrüßt wurde, war er begeistert. So kam es, dass er 1832 das Werk einstudieren ließ. Nach der Freiberger Uraufführung wurde es unter Döring und Anacker aufge­führt, so in Annaberg und Schnee­berg, aber auch in Leipzig, Chem­nitz, Zwickau, Gera, Erfurt und Bres­lau. Und das nicht ohne Erfolg.

Als am 27. Januar 1833 die Ständeversammlung in Dresden feier­lich eingewiesen wurde, führte man im Königlichen Schloss auch den „Bergmannsgruß" mit großem Er­folg auf. Für seine Leistung schenk­te Sachsens König dem Dichter eine goldene Uhr und dem Komponist eine goldene Tabakdose.

Der „Bergmannsgruß" besteht aus sechs eigenständigen Liedern mit verschiedenen Zwischentexten. Seine Aufführung dauert knapp ei­ne Stunde. Mit „Das Glöcklein klingt, der Morgen graut..." wird es eröffnet. Auf dem Weg zur Schicht singt der Bergmann sein Steigerlied, „Glückauf, du holdes Sonnenlicht, sei innig mir gegrüßt! Der achtet deiner Strahlen nicht, der täglich sie genießt..." Vor Ort unter Tage schießt er im Pulverdampf die Sil­berader frei. Nun muss der Hütten­mann seine Pflicht erfüllen: Das Erz wird geschieden, das nach schwerer Arbeit den „Silberblick" frei gibt. In­dessen trägt man draußen einen to­ten Bergmann vorbei. Mit einem letzten Glückauf schließt das Melo­dram ab.

(Freie Presse vom 02. November 2007)

 
 
Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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