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Thomaskantor auf bergmännischen Abwegen

 Ein Musiker des Gewand­hausorchesters entdeckt unbekannte Bach-Doku­mente im Sächsischen Bergarchiv Freiberg. Ein Glücksfall für Forscher.thomaskantor

 VON GABRIELE FLEISCHER

 FREIBERG/LEIPZIG - Johann Sebasti­an Bach war mit dem Bergbau im Freiberger Revier verbunden. Das hat jetzt der Gewandhaus-Kontra­bassist Eberhard Spree im Bergar­chiv Freiberg herausgefunden. Ein Sensationsfund auch für das Archiv. 38 bislang unbekannte Bach-Doku­mente belegen, dass der Thomas­kantor 1741 bis zu seinem Tod 1750 Anteile an der Zeche St. Ursula in Kleinvoigtsberg hatte. Das bei den 140.000 Zechenregistern des Bergar­chivs herauszufinden, war aufwän­dig. Beharrlichkeit, die Liebe des Sohns einer Pfarrersfamilie zum Erzgebirge und die Unterstützung des Geologen Jens Kugler führten zum Volltreffer.

 Der Capellmeister war Bach

 Spree, der sich seit Jahren mit der Musikgeschichte beschäftigt, stieß beim Studium der Bach-Biografie von Philipp Spitta auf den uner­forschten Abschnitt im Lebenslauf des Komponisten. „Ein Kux, ge­nannt Ursula Erbstolln, zu Klein Vo­igtsberg an Werthe 6o RI" fand er im Nachlassverzeichnis. „Da ich mich für das Erzgebirge und den Bergbau interessiere, war mir klar, was das bedeutete: In Bachs Besitz befand sich ein Anteil des Ursula Erbstol­lens in Kleinvoigtsberg, der auf 6o Taler geschätzt wurde." Mithilfe des Kleinvoigtsberger Experten Kugler wurde der Kontrabassist fündig. Vielfach findet sich in den Zechenre­gistern, die jedes Vierteljahr neu er­stellt wurden: „Johann Sebastian Bach, Capellmeister in Leipzig". Ei­ne Berufsbezeichnung, die Bach, der in Leipzig Thomaskantor und Direc­tor Musices war, auch führte.

Noch etwas entdeckte Spree: Bach muss 1741 3o Taler für seinen Anteil bezahlt haben, von dem er sich 1745 wieder trennte. Da die Zahl der Bergleute gesunken war, hatte der Musikus offenbar das Ver­trauen in seine Geldanlage verloren. Ein Jahr später aber steht Bach wie­der im Verzeichnis. Inzwischen kos­tete der Anteil 6o Taler. „Auffällig ist, dass Bach immer in der Zeit einen Anteil erwarb, in der sich die Situati­on der Zeche verbesserte", erkannte der Kontrabassist. Wahrscheinlich war Bach über die Entwicklungen der Grube gut informiert. Dieses Ge­schäft des Thomaskantors war wohl weniger ein Gewinn bringendes als vielmehr eine Frage des Prestiges. Der sächsische Bergbau stand im 18. Jahrhundert in seiner Blütezeit. Für angesehene Personen war es zu der Zeit eine Ehre, daran beteiligt zu sein. „Ich vergleiche es mit einer Wohltätigkeitslotterie", schilderte der Entdecker dieser Bach'schen In­tensionen. Nach den Funden emp­fiehlt Eberhard Spree Stadtführern in Leipzig, die Geschichte zum Bach-Denkmal zu überdenken. Es wird nämlich gern darauf hingewie­sen, dass mit dem heraushängenden Futter aus der Rocktasche klar sei, dass Bach ein armer Mann war.

 Musiker schlägt Ausstellung vor

 Wer noch weiter auf Entdeckertour gehen will: Im Leipziger Bach-Muse­um im Bose-Haus befindet sich eine Kiste mit mehreren Schlössern. Möglicherweise lagerte dort der An­teilsschein an der Kleinvoigtsberger Grube. Spree kann sich vorstellen, dass sowohl dort als auch in Freiberg in einer Ausstellung diese neu ent­deckte Seite von Johann Sebastian Bach beleuchtet werden könnte.

Bild: Eberhard Spree hat den Eintrag „Johann Sebastian Bach, Capellmeister in Leipzig“ im Zechenregister von 1741 im Bergarchiv Freiberg gefunden. FOTO: GERD MOTHES/GEWANDHAUS

Freie Presse 29.11.2010



 
 
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